Das Weltgebetstreffen für den Frieden ist ein interreligiöses Treffen von hohen Geistlichen verschiedener Religionen in der italienischen Stadt Assisi, das zum ersten Mal am 27. Oktober 1986 auf Einladung des Papstes Johannes Paul II. veranstaltet wurde. In den Jahren 1993, 2002 und 2011 folgten drei weitere Treffen.
Die Treffen wurden erst durch die Neuorientierung der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen durch die Erklärung Nostra Aetate des II. Vatikanischen Konzils ermöglicht.
Das Weltgebetstreffen ist vom seit 1968 stattfindenden Weltfriedenstag zu unterscheiden.
Papst Johannes Paul II. kündigte am 25. Januar 1986 das Treffen in Sankt Paul vor den Mauern an, also genau am selben Ort und 25 Jahre nach der Ankündigung des 2. Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII.[1]
Da die einzelnen Religionen zwar alle das Gebet als Gespräch mit Gott kennen, sie jedoch höchst unterschiedliche Traditionen und Riten haben, wurde ein spezieller Modus gewählt, um jeder Religion Respekt zu zollen, vorhandene Unterschiede nicht zu ignorieren und damit den anderen nicht zu vereinnahmen (Synkretismus).[2] Jeweils eine Gruppe trug in der Kathedrale Santa Maria degli Angeli, der Grabeskirche des heiligen Franz von Assisi, in welcher das Treffen stattfand, in ihrer eigenen Art und Weise ein Gebet vor, während die anderen Gruppen zuhörten.
Am ersten Weltgebetstreffen 1986 nahmen insgesamt 150 Vertreter von 12 verschiedenen Gruppierungen teil. Darunter der Dalai Lama, Imam Inamullah Khan als Vertreter des Islams, der römische Oberrabbiner Elio Toaff als Vertreter des jüdischen Glaubens, Vertreter des Hinduismus, Sikhs sowie einige weitere religiöse Führer.
Das zweite Friedensgebet von Assisi sollte der Abwendung des Balkankrieges dienen.[3]
Bei dem als Gebetstag für den Weltfrieden bezeichneten dritten Treffen nannte Papst Johannes Paul II. als Ziel der Veranstaltung, "durch die Verbreitung einer Spiritualität und Kultur des Friedens zum Frieden zu erziehen".[4] Auslösender Hintergrund für das Treffen waren die Anschläge vom 11. September 2001 und der darauf folgende Afghanistankrieg.[5]
Insgesamt waren Vertreter von zwölf Religionen sowie 31 christlichen Kirchen, darunter der Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus I., anwesend. Zuvor fuhren die ca. 300 Vertreter mit einem Sonderzug der italienischen Eisenbahn von dem selten benutzten Bahnhof der Vatikanstadt in das etwa 200 km entfernte Assisi. Bei einer gemeinsamen Feier hielten neun Kirchen- und Religionsführer Ansprachen, dann hielt jede Gemeinschaft eine eigene Zeremonie für den Frieden ab. Nach der Kritik von 1986, man vermenge die Religionen, wurde auf Gebete in Anwesenheit aller Teilnehmer verzichtet.[6]
Gemeinsam verkündeten die Vertreter der Weltreligionen den sogenannten "Dekalog von Assisi für den Frieden". In diesen 10 Punkten verpflichten sie sich, aktiv für Frieden und Verständigung unter den Völkern einzutreten.[7]
Die Bezeichnung für das vierte Treffen lautet: Tag der Reflexion, des Dialogs und des Gebets für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.[8]
Im Vorfeld des Treffens begründete Papst Benedikt seine Einladung damit, durch seine Anwesenheit und Mitgestaltung eine "synkretistische oder relativistische Auslegung des Vorgangs unmöglich" machen zu wollen und durch diese Geste die Inhalte des Schreibens Dominus Iesus nach außen zu vertreten. Beim dritten Treffen gab es kein gemeinsames Gebet der christlichen Kirchen und der anderen monotheistischen Religionen.[9][10] Erstmals nahmen auch Nichtglaubende teil. Das Treffen endete mit einer gemeinsamen Verpflichtung für den Frieden.[11]
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