Werner Söllner (* 10. November 1951 in Horia/Banat) ist ein deutscher Schriftsteller.
Werner Söllner wuchs in Arad auf. Nach dem Abitur im Jahre 1970 studierte er in Cluj (deutsch Klausenburg) zunächst ein Jahr lang Physik, dann Germanistik und Anglistik. Gleichzeitig war er Redakteur des deutschsprachigen Teils der dreisprachigen Studentenzeitschrift "Echinox".[1] Während des Studiums wurde er vom rumänischen Geheimdienst Securitate zunächst mehrfach zu seinen eigenen Texten und Anschauungen verhört, dann auch über Freunde, Dozenten und Kollegen befragt, speziell auch über angehende Dichter aus der Aktionsgruppe Banat, und es wurden ihm Übersetzungen und Deutungen zu Texten oder Textstellen abverlangt, die zur Veröffentlichung an die Echinox-Redaktion eingesandt worden waren. Dabei wurde er von der Securitate als "sursă" (Quelle) geführt. Art und Umfang dieser Securitate-Verstrickung sind noch nicht hinreichend geklärt.[2][3][4][5][6][7]
Das Studium schloss er 1975 mit einer Diplomarbeit über das Frühwerk Paul Celans ab.[8] Anschließend arbeitete er kurzzeitig als Deutsch- und Englischlehrer an einem Gymnasium in Bukarest. Durch den Ortswechsel gelang ihm der Absprung aus den Fängen der Securitate, er verweigerte in Bukarest jede Zusammenarbeit, und kurze Zeit später eröffnete die Securitate gegen ihn einen Operativen Vorgang wegen angeblicher staatsfeindlicher Umtriebe.[9][10]
Von 1976 bis 1982 war er Lektor für deutschsprachige Literatur im Bukarester Kinderbuchverlag Ion Creangă. Seine verlegerische Tätigkeit war für die rumäniendeutsche Kinderliteratur von großer Bedeutung, da er viele begabte Dichter seiner Generation zum Verfassen von Kinderbüchern anregte, darunter Richard Wagner, Rolf Bossert, Franz Hodjak, Karin Gündisch u.a.[11][12]
1982 siedelte er in die Bundesrepublik Deutschland über; er lebt seitdem in Frankfurt am Main. 1991/92 war er Zuger Stadtbeobachter, 1992/93 hielt er die Köln-Düsseldorfer Poetiklesungen, 1993 die Frankfurter Poetikvorlesungen an der Goethe-Universität, 1997 war er Gastdozent am Dartmouth College und am Oberlin College. Seit 2002 war er Leiter des Hessischen Literaturforums im Mousonturm in Frankfurt am Main. Von dieser Stellung trat er Anfang 2010 freiwillig zurück, steht laut Aussage von Eva Demski, der Vorsitzenden des Vereins Hessisches Literaturforum, diesem als freier Mitarbeiter jedoch weiter zur Verfügung.
Werner Söllner ist als Verfasser von Gedichten stark beeinflusst von Paul Celans Werk, desgleichen von Hölderlin, Rilke, Benn, Huchel, zeitweise Brecht, Rolf Dieter Brinkmann, Reiner Kunze u.a.[13][14] Auch nach der Übersiedlung nach Deutschland spielt die Erinnerung an seine Banater Heimat und besonders an die siebenbürgische seiner Großeltern eine wichtige Rolle in seiner oft dunklen, melancholischen Lyrik. Besonders seine Gedichtbände Kopfland. Passagen (1988) und Der Schlaf des Trommlers (1992) sowie auch die meisterhaften Dinescu-Nachdichtungen brachten ihm dauerhaften Ruhm ein. Beispielsweise urteilte die NZZ, Söllner sei "derzeit einer der souveränsten Lyriker deutscher Sprache."[15]
Werner Söllner war von 1979 bis 1982 Mitglied des Rumänischen Schriftstellerverbandes; heute gehört er dem PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland und dem Verband Deutscher Schriftsteller an. Er erhielt u.a. folgende Auszeichnungen: 1978 den Lyrikpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes, 1985 den Andreas-Gryphius-Förderpreis, 1988 den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises, 1992 den Förderpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie sowie 1996 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. 1989 erhielt er den Deutschen Sprachpreis, gemeinsam mit Gerhardt Csejka, Helmuth Frauendorfer, Klaus Hensel, Herta Müller, Johann Lippet, William Totok, Richard Wagner.
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