Winglets bzw. Sharklets oder Wingtips (Bezeichnungen für zwei spezielle Winglettypen bei Airbus) sind die an den Enden der Tragflächen von starrflügligen Luftfahrzeugen angebrachten Anbauten, die den am Flügel entstehenden Widerstand verringern. Bei motorgetriebenen Luftfahrzeugen senkt dies den Treibstoffverbrauch; Winglets an den Flügelenden von Segelflugzeugen oder Hängegleitern verbessern den Gleitwinkel bei niedriger Geschwindigkeit und die Seitenstabilität.
Winglets erhöhen die Streckung einer Tragfläche, ohne die Spannweite zu vergrößern. Dies bringt
Nachteilig wirkt sich aus
An der Tragflügelhinterkante bilden sich Wirbel, aus denen im Flügelaussenbereich Wirbelschleppen entstehen. Die Luft strömt von der Unterseite der Tragflächen, wo Überdruck vorliegt, um die Tragflächenenden herum nach oben, wo Unterdruck herrscht. Die Wirbel sind bei positiver Tragflächenpfeilung an der Flügelspitze am stärksten und rollen sich (je nach Flugzustand) zu einem Randwirbel auf. Die Wirbel induzieren am Ort des Flügels eine abwärts gerichtete Kraft, wodurch ein induzierter Luftwiderstand entsteht. Winglets reduzieren nun den Einfluss dieser Wirbel, indem sie den Randwirbel zerteilen (ein Teil geht am Flügel-Winglet-Übergang ab, ein Teil an der Wingletspitze) und durch ihre Profilgebung nach außen ablenken. Die Gesamtstärke der Wirbel bleibt dabei gleich.
Zusätzlich senken Winglets die Abrissgeschwindigkeitsgrenze, also die Geschwindigkeit, die mindestens vorhanden sein muss, um einen für das Flugzeug nutzbaren Auftrieb an der Tragfläche zu erzeugen.
Winglets müssen für jeden Flugzeugtyp unter Berücksichtigung der Flügelfläche und der voraussichtlichen Fluggeschwindigkeiten angepasst werden. Zum Beispiel entwickelt die zusätzliche umströmte Fläche bei hohen Geschwindigkeiten mehr zusätzlichen Reibungs- und Druckwiderstand, als sie an induziertem Luftwiderstand einspart.
Andererseits führen Winglets zu einem nicht unerheblichen Anstieg der Flugzeug-Leermasse. Zusammen mit den Kosten, die für die Installation entstehen, lohnt sich ein Anbau daher erst bei entsprechend hohen Treibstoffpreisen.
Laut Boeing kann durch den Einsatz von Winglets der Kraftstoffverbrauch um drei bis fünf Prozent gesenkt werden.[1] Die bislang größten Winglets finden sich mit 3,45 Metern Höhe bei der Boeing 767-300ER. Die Wingtips des Airbus A380-800 haben eine Höhe von 2,30 Meter.
Die Beschädigung oder der Verlust/die Demontage einzelner Winglets können prinzipiell über Trimmung kompensiert werden.
Obgleich von stark vereinfachter Geometrie, sind Winglets den Flügelspitzen der Vögel nachempfunden. Lange Schwungfedern, die fächerförming und in der Höhe gestaffelt gespreizt werden, sorgen bei Vögeln für bessere aerodynamische Eigenschaften. Louis B.Gratzer nannte diese nach oben gebogenen Enden dann Winglets. Er war Aerodynamik-Chef bei Boeing, untersuchte die Aerodynamik der Flügel bei Vögeln und bemerkte die Ähnlichkeiten (siehe auch "Bionik").
Winglets sind keine moderne Erfindung. Die Grundidee der Winglets wurde sogar schon 1897 von Frederick W. Lanchester zum Patent angemeldet; es gab vor dem Zweiten Weltkrieg Fluggeräte mit wingletartigen Flügelendstücken. Im Zweiten Weltkrieg fanden sie erstmals unter der Bezeichnung „Henschelohren“ in der Serie Verwendung (Heinkel He 162), wo sie entgegen der heute üblichen Bauweise nach unten abgeknickt waren.
Die Ölkrise zu Beginn der 1970er Jahre bewegte die NASA, sich dieser alten Patente wieder anzunehmen und sie zu verbessern.
Im Passagierflugzeugbau eingeführt wurden die Winglets von Airbus bei der A310-300 in Form kleiner Flügelendscheiben (so genannter „Wingtip Fences“).[2] Im Gegensatz zu diesen ursprünglichen Endscheiben an den Flügeln besitzen heutige Winglets häufig spezielle Profile, was gewünschte Effekte deutlich verbessern kann. Bei den Flügelspitzen der A380 wurde jedoch wiederum auf Wingtip Fences ähnlich denen der A310-300 zurückgegriffen, da neuere Winglet-Entwürfe die Spannweite auf ein für Verkehrsflughäfen nicht geeignetes Maß vergrößert hätten.
Um 1980 begannen einige Hersteller von Hängegleitern, diese mit Winglets auszustatten[3]. Ein Hersteller testete sogar "Wings mit aufgefiederten Schwingen"[4]
Es gibt verschiedene Winglet-Ausführungen und -Konstruktionen, die im Folgenden in einer Übersicht mit Beispielen dargestellt werden.
Wingtip eines Airbus A319
Im Jahr 2005 fanden Winglets erstmals beim Team McLaren-Mercedes auch Einzug in die Formel 1, da diese den Luftstrom besser zum Heckflügel leiten. Damals verwendeten McLaren-Mercedes und BMW-Sauber diese Winglets und bei vielen anderen Teams waren Abwandlungen zu erkennen.
Es finden sich Winglets auch an Rotorflügeln mancher Windkraftanlagen.
Unterschallmilitärflugzeuge können wie Passagierflugzeuge von Winglets profitieren, weshalb manche neuere Typen mit ihnen ab Werk ausgerüstet wurden. Überschallschnelle Flugzeuge wie Düsenjäger verwenden allerdings keine Winglets.
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