Eine wissenschaftliche Publikation (im Jargon oft einfach "paper" genannt) ist eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit von einem oder mehreren Autoren, deren Veröffentlichung (Publikation) bei einem Wissenschaftsverlag vorgesehen oder bereits erfolgt ist.
Am häufigsten ist die Publikation einzelner Aufsätze in Fachzeitschriften, gefolgt von Beiträgen zu Tagungs- und Sammelbänden. Zum Publikationsprozess gehört in der Regel eine vorherige Begutachtung durch (meist anonyme) Fachkollegen („referees“) in einem Review-Prozess. Hingegen werden für Monografien oder Lehrbücher im Allgemeinen etablierte Wissenschaftler als Autoren „per Bestellung“ herangezogen, und ein eventuelles „refereeing“-Verfahren vor der endgültigen Drucklegung hängt vom konkreten Fall ab.
Im Vorfeld von Konferenzen und Tagungen wird meist in einem call for papers zum Verfassen wissenschaftlicher Beiträge aufgefordert.
Wissenschaftler publizieren, um
Oft erfolgt ein Vorabdruck („preprint“) der veröffentlichungsreifen Manuskripte auf Internet-Servern wie http://arXiv.org .
Hintergrund ist, dass in fast allen Wissenschaftgebieten die Zahl und Qualität der Veröffentlichungen als Nachweis erfolgreicher wissenschaftlicher Forschungstätigkeit dient. Dabei sind äußere Eingiffe und Beschränkungen in der Regel aus Sachgründen und aus Prinzip („Forschungsfreiheit“) grundsätzlich nicht vorgesehen. In einigen Fächern - vor allem in der Medizin, der Pharmakologie, dem Ingenieurwesen und bei militärischer Relevanz oder Patentfragen wird aber die Publikation eines durch Forschung entdeckten Sachverhalts von externer Seite ausgeschlossen oder eingeschränkt.
Abgesehen von den Interessen der Öffentlichkeit ist aber Publikation neuer Erkenntnisse speziell für die Wissenschaft selbst essenziell, damit andere Wissenschaftler Zugriff auf dieses Wissen erhalten und neue Forschungsideen entwickeln können.
Unter den Begriff „wissenschaftliche Publikation“ fallen alle Aufsätze in veröffentlichten wissenschaftlichen Buchhandelsmedien (etwa „Zeitschrift für ...“). Ebenfalls anerkannte Publikationen sind Patentschriften und Gebrauchsmusterschriften. Auch die sogenannte „graue Literatur“ wird u. U. hinzugezogen; damit sind zum Beispiel Hochschulschriften (zum Beispiel Doktorarbeiten, Diplomarbeiten), „interne Berichte“ von Forschungsinstituten sowie Unternehmensschriften gemeint. Internet-Dokumente, die analog in die oben genannten Bereiche gehören, sind ebenfalls gängige Arten wissenschaftlicher Publikation.
Die Hinterlegung einer Arbeit in Archiven oder Bibliotheken ist keine ausreichende Form der Veröffentlichung. Gutachten, Artefakte, Geschmacksmuster, Warenzeichen oder interne Berichte finden in der Regel ebenfalls keine Beachtung als Publikationsträger. Dasselbe gilt für Internet-Dokumente, die zum Beispiel ohne Verlag auskommen wie etwa eine private Homepage.
Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse oder Lehrmeinungen kann auf mehrere Arten erfolgen. Man unterscheidet zwischen selbständigen Publikationen (Monografie) und unselbstständigen Publikationen (Aufsatz, Artikel, Bericht usw.)
Monografien und Sammelbände können in Buchreihen erscheinen, womit sie einem meist klar umrissenen Themenfeld zugeordnet werden.
Die verschiedenen Fachgebiete legen unterschiedliches Gewicht auf einzelne Veröffentlichungsarten: So werden etwa in Physik, Biologie und Volkswirtschaftslehre hauptsächlich Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wahrgenommen, Artikel in Konferenzbänden jedoch weniger; in der Informatik dagegen wird stärker auf Konferenzen publiziert; in den Geisteswissenschaften treten die Publikationsformen Fachzeitschrift-Artikel, Sammelband-Aufsatz und Monographie nebeneinander auf.
Allgemein ist die Gewichtung und Anerkennung elektronischer Internet-Publikationen, besonders solcher, die nur im Internet veröffentlicht sind, noch im Fluss (Stand 2006). Auch hier unterscheiden sich die Wissenschaftsdisziplinen. Im Selbstverlag publizierte wissenschaftliche Werke, ob im Internet oder zum Beispiel auch als Book-on-Demand, genießen allgemein wenig bis keine Anerkennung, zumindest wenn bei dem Werk kein Peer-Review stattgefunden hat oder der Autor wenig bekannt ist. Vielfach werden überhaupt nur solche Arbeiten als publiziert gewertet, die sich einer sog. ISBN zuordnen lassen. [2]
Naturwissenschaftliche Aufsätze weisen oft folgende Gliederung auf:
Diese Struktur ist aber nicht starr. Oft wird der Abschnitt „Materialien und Methoden“ am Ende (noch vor dem „Dank“) eingefügt, da er nur für wenige Leser – zum Beispiel für diejenigen, welche die Methodik kritisieren oder verbessern möchten – von Belang ist. Die Autorenliste ist oft eine „Rangliste“; jene Person, die am meisten zum Werk beigetragen hat, wird zuerst genannt (sonst wird meist die alphabetische Reihenfolge bevorzugt). Der Leiter der Arbeitsgruppe erhält häufig den letzten Platz; meist erfüllt er zugleich die Funktion des Korrespondenzautors, welcher Arbeitsjournale und Rohdaten für eventuelle Anfragen bereithält.
Die Gliederung bei geisteswissenschaftlichen Arbeiten ist weit weniger festgelegt als die der naturwissenschaftlichen. Der Aufbau des Textes selbst folgt meist lediglich pragmatischen Erwägungen, schließlich gibt es keine einheitlichen Forschungsmethoden. In der Regel folgt die Arbeit dem Prinzip einer Sach- bzw. Problemerörterung; eine geschichtswissenschaftliche Arbeit folgt oft der Chronologie. Statt der „References“ am Ende werden oft Fußnoten benutzt, die ans Ende der jeweiligen Seite angehängt werden („Fußnoten-Apparat“, der sowohl Referenzangaben als auch Kommentare enthält). Ein allgemeingültiger Aufbau über die Grenzen der einzelnen Fachrichtungen hinaus hat sich – im Gegensatz zur Naturwissenschaft – zwar nicht etablieren können, es ist jedoch eine Entwicklung zu beobachten, dass – angelehnt an das Vorbild aus den Naturwissenschaften – auch hier vielfach eine Art „Abstract“ sowie eine „Zusammenfassung“ zum Haupttext kommen.
Über die Autorschaft bei wissenschaftlichen Publikationen gibt es ethische Diskussionen, und die nicht korrekte Nennung der Autoren gilt als eine Verfehlung (siehe Betrug und Fälschung in der Wissenschaft).
Unrichtige Autoren-Nennungen gibt es vor allem, seit wissenschaftliche Leistung oftmals als Zahl veröffentlichter Beiträge gemessen wird ("publish or perish"). Es gab und es gibt immer noch Institutionen, bei deren Publikationen der Institutsleiter ungeachtet seines Beitrags automatisch als Ko-Autor genannt wird („Ehrenautorschaft“). Dieselben Konflikte gibt es auch bei der Nennung von technischen Mitarbeitern oder Geldgebern. Die Motivation hinter unwahren Autoren-Angaben ist vielfältig:
Nach einer Arbeit im Jahre 1998 enthielten 19 % der medizinischen Fachartikel Hinweise auf die oben genannte Ehrenautorschaft, 11 % Hinweise auf Ghostwriter sowie 2 % solche auf beides. Dazu waren Review-Artikel deutlich häufiger von „Ehrenautoren“ geplagt als Forschungsarbeiten.[3] Im Jahre 2002 förderte eine ähnliche Studie über die sogenannten Cochrane-Reviews in der Medizin auch Hinweise auf „Ehrenautoren“ bei 39 % aller Arbeiten zutage.[4] Dass Reviews eher unter „Ehrenautoren“ leiden, erklärt sich damit, dass diese viel eher zitiert werden – denn es ist oft einfacher, auf einen Reviewartikel zu verweisen als für jedes Detail eine Originalarbeit heranzuziehen.
Die International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE, auch als „Vancouver group“ bekannt) veröffentlichte Richtlinien für die Autorschaft bei wissenschaftlichen Publikationen, namentlich:
Naturwissenschaftliche Publikationen unterliegen einem sogenannten Peer-Review, in welchem andere Wissenschaftler die Korrektheit und Relevanz der zu publizierenden Arbeit prüfen. Die Zeitspanne zwischen Einreichung und Publikation eines Manuskripts kann unter Umständen mehr als ein Jahr betragen.
Um falsche oder gefälschte Resultate zu unterbinden, wird es den Forschern nur in konkreten Fällen gestattet, eine Publikation nachträglich mit einer entsprechenden Veröffentlichung zurückzuziehen, so dass der (negative) „Ruf“, der mit einer nicht korrekt geleisteten Arbeit erworben wird, kaum zu tilgen ist.
Schon seit einigen Jahrzehnten ist besonders bei naturwissenschaftlichen Publikationen ein Trend weg von nur einem Autor und hin zur multiplen Autorenschaft zu beobachten.[7] Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war es die Regel, dass ein Forscher seine wissenschaftlichen Erkenntnisse allein erhob und als einziger Autor veröffentlichte. Heute ist das nur noch ganz selten der Fall: So waren nur sechs von über siebenhundert der im Jahr 2008 in der Fachzeitschrift Nature bis einschließlich September veröffentlichten wissenschaftlichen Originalarbeiten Einzelautor-Publikationen und auch in anderen renommierten Wissenschaftszeitschriften ist der Anteil an Publikationen mit nur einem Autor verschwindend gering.[8] Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass naturwissenschaftliche Forschung heute weitestgehend durch gemeinschaftliche Anstrengung und Kooperation von häufig international zusammengesetzten Teams getragen wird. In den Geistes- und Sozialwissenschaften sind Einzelautor-Publikationen allerdings nach wie vor gängig.
Es gibt spezielle Zeitschriften, in denen - sortiert nach Autorliste und Titel einer Veröffentlichung - nur angegeben wird, wann, wo und von wem diese Veröffentlichung innerhalb eines gegebenen Zeitraums zitiert wird, wobei i. d. R. nur „referierte“ Zeitschriften berücksichtigt werden. (Eine der Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift vorausgehende Notiz - oder eine ausführliche Vorbesprechung - in einem populären nicht-wissenschaftlichen Medium, etwa in der New York Times, zählt hierbei also nicht mit, obwohl dies manchmal so angestrebt wird; diese Art der Vorveröffentlichung kann im Gegenteil unter Wissenschaftlern sogar negativ bewertet werden.)
Durch Auswertung der „Zitiert von ...“-Statistiken kann man quantitative Aussagen über den sog. Impact Factor einer bestimmten Arbeit bzw. eines bestimmten wissenschaftlichen Publikationsmediums bekommen.
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