| Wolfen
Stadt Bitterfeld-Wolfen
|
|
|---|---|
| Koordinaten: | 51° 40′ N, 12° 16′ O51.66555555555612.27361111111178 Koordinaten: 51° 39′ 56″ N, 12° 16′ 25″ O |
| Höhe: | 78 m |
| Fläche: | 23,13 km² |
| Einwohner: | 22.764 (30. Juni 2008) |
| Eingemeindung: | 1. Juli 2007 |
| Postleitzahl: | 06766 |
| Vorwahl: | 03494 |
Wolfen ist ein Stadtteil von Bitterfeld-Wolfen im Südosten von Sachsen-Anhalt, südlich von Dessau-Roßlau und nordöstlich von Halle (Saale) gelegen. Bis zum 30. Juni 2007 war Wolfen eine eigenständige Stadt.
Wolfen liegt etwa 30 km nordöstlich von Halle (Saale) und 45 km nördlich von Leipzig. Östlich befindet sich der Muldestausee, südlich schließen sich die Ortsteile Bitterfeld und Greppin, nördlich Bobbau und westlich Thalheim an. Die Fuhne fließt durch Wolfen. Wolfen liegt im Naturraum Bitterfelder Bergbaurevier. Am östlichen Ortsrand der Stadt befindet sich außerdem der Wolfener Busch.
Der Ort Wolfen wurde um 1400 in einer Lehensurkunde als Wulffen erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname wird auf einen Gründer, dessen Name mit Wolf anfing, zurückgeführt. Basierend auf archäologischen Funden wird die Gründung Wolfens in der Mitte des 12. Jahrhunderts angenommen. 1846 wurde in der Umgebung Braunkohle entdeckt, die in der Grube Johannes abgebaut wurde. Aus dieser Grube wurde später der Silbersee.
Wolfen ist heute eine Chemiestadt, die ihre Entwicklung hauptsächlich der von Agfa 1909 erbauten Filmfabrik Wolfen verdankt. So entstand unter anderem hauptsächlich für die Arbeiter der Filmfabrik Wolfen der Neubaukomplex Wolfen-Nord. In Wolfen wurde 1936 der Farbfilm erfunden, das Patent 1945 von amerikanischen Truppen beschlagnahmt und an den US-Konzern Kodak übergeben.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten hunderte Frauen, Kinder und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in den IG-Farben-Werken Zwangsarbeit verrichten. In der Kunstfaserherstellung (Vistra) wurden gegen Ende des Krieges 350 weibliche Häftlinge des KZ Ravensbrück eingesetzt (nach anderen Angaben 1.200 bis 1.700 Jüdinnen), die in Baracken in der Thalheimer Straße untergebracht waren. Viele verloren ihr Leben.
Nach Kriegsende wurde die Film- und Faserproduktion zunächst fortgesetzt und am 31. Dezember 1953 als VEB Film- und Chemiefaserwerk Agfa Wolfen an die DDR übergeben. Im Jahr 1964 erfolgte die Umstellung des Warenzeichens von Agfa auf ORWO (Original Wolfen). Nach der Wende scheiterte die Privatisierung der Filmfabrik. Schließlich wurde 1994 die Liquidation des Gesamtwerkes eingeleitet. Teilprivatisierungen führten zur Gründung der ORWO Net GmbH (Foto-Colorlabor) und der FilmoTec (Herstellung von ORWO-Filmen).
Am 7. Oktober 1958 wurde der bisherigen Gemeinde Wolfen das Stadtrecht verliehen.
Seit 1990 ging die Einwohnerzahl Wolfens um 42 Prozent zurück, von 43.900 auf etwa 25.000 im Jahr 2005.
Der Ortsteil Wolfen-Nord ist typisch für eine sogenannte Trabantenstadt im Osten Deutschlands, von Plattenbauten geprägt und seit 1990 von Arbeitslosigkeit, starkem Wohnungsleerstand und Abwanderung betroffen. Wolfen-Nord wurde in den 1960er- bis 1980er-Jahren hauptsächlich für die arbeitende Bevölkerung aller Schichten aus der Filmfabrik Wolfen, dem Chemiekombinat Bitterfeld, der Rohrwerke Bitterfeld und anderen Industrie- und Bildungszweigen gebaut. Von circa 33.000 Einwohnern (1993) in Wolfen-Nord lebten Ende 2008 nur noch etwas mehr als 11.000 dort, Wohnungsleerstand ist wegen Wegzug in attraktivere Gegenden zum größten Problem des Stadtteils geworden. Dem wird seit dem Jahr 2000 vor allem durch umfangreiche Abrissarbeiten begegnet. Allein in der Rückbauplanung für 2005/2006 wurden 1.182 Wohnungen mit über 70.000 m² Wohnfläche als Abrissobjekte festgelegt.
Wolfen ist am 1. Juli 2007 mit der Nachbarstadt Bitterfeld und den Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim zur neu gegründeten Stadt Bitterfeld-Wolfen fusioniert.[3]
Die Gemeinde Bobbau ist am 1. September 2009 (lt. Bürgeranhörung waren 54 % der Einwohner Bobbaus gegen den Anschluss) ebenfalls zur Einheitsgemeinde beigetreten. Die Stadt Bitterfeld-Wolfen hat zusammen knapp 50.000 Einwohner und ist damit die viertgrößte Stadt Sachsen-Anhalts.
Zudem schlossen sich im Zuge des Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt die Landkreise Bitterfeld und Köthen mit großen Teilen des Landkreises Anhalt-Zerbst zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld zusammen.
Wolfen hat seit der Wende annähernd die Hälfte seiner Einwohner verloren und zählt damit zu jenen Städten in den neuen Bundesländern, die mit am stärksten von Abwanderung betroffen sind. Prognosen zufolge werden im Jahre 2020 nur noch etwa 14.000 Einwohner im einstigen Stadtgebiet leben.[4]
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):
|
|
|
(1 29. Oktober | 2 31. August)
Der Ortschaftsrat des Ortsteils Wolfen hat 19 Sitze. Bei der letzten Wahl zum Ortschaftsrat am 22. April 2007 ergab sich folgende Sitzverteilung:
| CDU | 4 Sitze |
| SPD | 4 Sitze |
| Die Linke | 3 Sitze |
| Pro Wolfen (Freie Wähler) | 3 Sitze |
| Initiative für Wolfen (Freie Wähler)
Wählerliste Sport (Freie Wähler) |
2 Sitze 1 Sitz 1 Sitz |
| Bündnis 90/Die Grünen | 1 Sitz |
Die FDP und verschiedene Wählergruppen haben sich zu einer gemeinsamen Fraktion „IFW-WLS-FDP“ zusammengeschlossen.
Das Wappen wurde am 24. Januar 1995 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 4/1995 registriert.
Blasonierung: „Geviert von Gold und Blau; Feld 1: ein schwarzer Rundkolben, Feld 2: zwei aufgerichtete goldene Ähren, Feld 3: perforiertes silbernes Filmsegment, Feld 4: schräg gekreuzte schwarze Schlägel und Eisen.“
Die Stadtfarben sind Schwarz - Gold (Gelb).
Die Flagge wurde am 19. April 2001 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt.
Die Flagge ist Schwarz - Gelb (1:1) gestreift. Das Stadtwappen ist mittig auf die Flagge aufgelegt.
Wolfen unterhielt seit Mai 1994 eine Städtepartnerschaft zu Villefontaine (Frankreich) und seit 2. Juni 1990 zu Witten in Nordrhein-Westfalen.
Das Kulturhaus Wolfen wurde 1927 von den Agfa-Werken erbaut und diente auch während der Zeit der späteren Filmfabrik Wolfen als Veranstaltungsort für die Mitarbeiter des Werkes. 1991 wurde es von der Stadt übernommen und wird seither als lokale und regionale Veranstaltungsstätte genutzt. Es gibt zwei Säle, Konferenz- und Beratungsräume, eine Bibliothek sowie Atelier und Keramikwerkstatt. Auf den verschiedenen Bühnen finden auch regelmäßig Theaterveranstaltungen statt.
Wolfen liegt nahe der Bundesautobahn 9 an der Anschlussstelle Bitterfeld-Wolfen, sowie an der Bahnstrecke Dessau–Leipzig. Vom Bahnhof des Stadtteils verkehren Regional-Express-Züge der Linie Leipzig–Magdeburg und Regionalbahnen der Linien Halle (Saale)–Dessau und Leipzig–Dessau. Der nächste Fernverkehrsbahnhof befindet sich im Stadtteil Bitterfeld.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Wolfen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |