Die Zentripetalkraft (auch Radialkraft) ist die physikalische Kraft, die auf einen Körper wirken muss, damit sich dieser im Inertialsystem auf einer gekrümmten Bahnkurve bewegt.
Ohne diese Kraft würde sich der Körper nach dem Trägheitsgesetz gleichförmig in Richtung des momentanen Geschwindigkeitsvektors (dem Tangentialvektor der Kurve) bewegen. Die Zentripetalkraft zeigt zum Mittelpunkt des Krümmungskreises und steht damit senkrecht auf dem Geschwindigkeitsvektor.
Die Zentripetalkraft hat in jedem Bezugssystem den gleichen Betrag. Sie unterscheidet sich somit von den Scheinkräften, die nur berücksichtigt werden müssen, wenn man die Bewegung in einem beschleunigten Bezugssystem beschreibt.
Während eine Zentralkraft stets auf den gleichen Punkt gerichtet ist, zeigt die Zentripetalkraft zum Mittelpunkt des momentanen Krümmungskreises. Nur bei einer reinen Kreisbewegung ist die Zentripetalkraft eine Zentralkraft. Im allgemeinen Fall, also z.B. bei einer elliptischen Planetenbahn, zerfällt die auf den einen Brennpunkt gerichtete Zentralkraft in die Zentripetalkraft, die zum Zentrum der Krümmung an diesem Ort gerichtet ist, und in eine Tangentialkomponente. Die Tangentialkomponente erhöht bzw. vermindert die Geschwindigkeit des Planeten und sorgt dafür, dass er sich in Sonnennähe schneller bewegt als in Sonnenferne.
Der Begriff Zentripetalkraft leitet sich von petere (lateinisch für streben nach, sich begeben) ab. Er wurde als vis centripeta von Isaac Newton eingeführt. Newton verwendete den Begriff allerdings nicht im heutigen Sinne, sondern im Sinne einer anziehenden Zentralkraft.[1] Den Namen prägte Newton als Gegensatz zu der von Christian Huygens zuvor eingeführten Zentrifugalkraft.[2][3]
Bewegt sich ein Objekt mit gleichbleibender Geschwindigkeit
auf einer Kreisbahn, so ist die Geschwindigkeit in jedem Moment senkrecht zum Radius
des Kreises. Die nebenstehende Zeichnung veranschaulicht diese Verhältnisse für die Zeitpunkte
und
.
Zunächst lassen sich die Zusammenhänge rein geometrisch betrachten: Der in der Skizze blau dargestellte Pfeil
entsteht durch Parallelverschiebung des Pfeils
. Ihre Längen entsprechen der Länge des Pfeils
. Für die Längen der drei Pfeile gilt also:
Hieraus folgt die Ähnlichkeit der Dreiecke
und
und somit:
bzw. nach Umformungen:
Physikalisch folgt daraus: Für die Zeitspanne
ist
Wird nun
hinreichend klein gewählt, so gilt:
Daher wird die Gleichung
für kleine
zu
bzw.
Ist das rotierende Objekt nicht nur ein Punkt sondern eine Masse
, so lässt sich entsprechend Newtons Aktionsprinzip der Betrag der Zentripetalkraft
bestimmen:
Diese Zentripetalkraft wirkt auf jeden Körper mit der Masse
, der sich mit der Geschwindigkeit
auf einer Kreisbahn mit dem Radius
bewegt.
Es wurde ein rotierendes System betrachtet. Daher lässt sich die Bewegung der Masse
auch mit Hilfe der Winkelgeschwindigkeit
beschreiben. Die Bahngeschwindigkeit
wird dann durch
ersetzt. Hieraus folgt:
und
Werden die Vektoren
für den Abstand und
für die Winkelgeschwindigkeit benutzt, so lassen sich die Zentripetalbeschleunigung und die Zentripetalkraft als Vektorprodukte darstellen:
und
Durch Umformen mit der Graßmann-Identität ergeben sich folgende Gleichungen:
und
Im allgemeinen Fall einer beliebigen Kurve gilt die gleiche Formel für die Zentripetalbeschleunigung, nur ist für die Krümmung der lokale Krümmungsradius
der Kurve einzusetzen und die Beschleunigung ist zum lokalen Krümmungsmittelpunkt der Kurve gerichtet.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Zentripetalkraft aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |