| Vergleichende Klassifikation nach | ||||
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| ICD-10 | DSM-IV | |||
| F60.5 | Anankastische Persönlichkeitsstörung | 301.4 | Zwanghafte Persönlichkeitsstörung | |
| ICD-10 online | DSM IV online | |||
Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung (auch anankastische Persönlichkeitsstörung [vom altgriechischen ανάγκη, anánke, „Zwang“, „Zwangsläufigkeit“] oder Zwangspersönlichkeitsstörung) ist eine Erscheinungsform in der Gruppe der Persönlichkeitsstörungen. Von ihr betroffene Personen sind durch Rigidität, Perfektionismus, ständige Kontrollen, Gefühle von Zweifel sowie ängstliche Vorsicht gekennzeichnet.
Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist jedoch nicht mit einer Zwangsstörung gleichzusetzen. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse auftreten, welche die Schwere einer Zwangsstörung nicht erreichen. Ein wesentlicher Unterschied zu den Zwangsstörungen ist das erkennbare Fehlen von Zwangshandlungen wie beispielsweise ein zwanghaftes Händewaschen.
Die Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung wird auf etwa ein Prozent (1,7 bis 6,4 Prozent nach Maier, Reich, Zimmerman und Coryell) geschätzt.
Bei Persönlichkeitsstörungen fehlt meist die erforderliche Anpassungsfähigkeit, um der Situation entsprechend eigene Wertevorstellungen anzupassen und dann jeweils den Weg zu wählen, auf dem angestrebte Ziele erreicht werden können. Stattdessen werden Idealbilder erstarrt in die Zukunft projiziert.[1] Die betroffenen Personen befinden sich dadurch in kaum lösbaren Konflikten: Sie streben ständig nach Vollkommenheit. Auf Grund ihrer selbstgesetzten übertrieben strengen und oft unerreichbaren Normen können sie jedoch ihre Aufgaben und Vorhaben nur schwer realisieren. Tendenziell sind sie mit eigenen Leistungen nie endgültig zufrieden. Eine übermäßige Beschäftigung mit Regeln, Effizienzfragen, unbedeutenden Details oder Verfahrensfragen stört ihre Übersicht. Dadurch kann die eigentliche Aktivität in den Hintergrund treten.
Zwanghafte Personen neigen zu einer weniger effektiven Zeitplanung: Wichtige Dinge erhalten bis zum letzten Augenblick einen Aufschub, dagegen erfahren Freizeitaktivitäten sogar eine exakte Planung. Arbeit und Erfolgsstreben werden meist über Vergnügen und soziale Beziehungen gestellt.
Oft versuchen sie, ihr Tun logisch und rational zu rechtfertigen. Emotionales bzw. affektives Verhalten anderer wird nicht toleriert. Durch ihre ausgeprägte Unentschlossenheit werden Entscheidungen immer wieder hinausgeschoben, was Ausdruck einer übertriebenen Furcht vor Fehlern ist. Diese kann dazu führen, dass Aufträge und Vorhaben überhaupt nicht erledigt werden können.
Auch sind sie außerordentlich gewissenhaft und spielen gerne den „Moralapostel“. Bei sich und anderen nehmen sie alles sehr genau, auf Kritik von Autoritätspersonen reagieren sie außergewöhnlich sensibel und verletzt. Betroffene neigen zu Depressionen und weisen oft Symptome anderer Zwangserkrankungen auf, wobei ein innerer Zusammenhang zwischen den Störungen nicht unmittelbar zu erkennen ist.
Die Fähigkeit zum Ausdruck von Gefühlen ist häufig vermindert. In zwischenmenschlichen Beziehungen wirken Betroffene dementsprechend kühl und rational. Die Anpassungsfähigkeit an die Gewohnheiten und Eigenheiten der Mitmenschen ist eingeschränkt. Vielmehr wird die eigene Prinzipien- und Normentreue auch von anderen erwartet.
Sie tendieren zum Geiz und sind oft nicht in der Lage, sich von abgetragenen oder nutzlosen Dingen zu trennen, auch wenn sie keinen Erinnerungswert haben.
Von der Zwangsstörung unterscheidet sich die zwanghafte Persönlichkeitsstörung deutlich, da sie die für die Zwangsstörung typischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen nicht einschließt. Obwohl die Verwendung der beiden ähnlichen Begriffe nahe legt, dass die beiden in Beziehung zueinander stehen, ist nicht klar, ob dies der Fall ist.
Nach einer verbreiteten Theorie ist die zwanghafte Persönlichkeitsstörung oft Folge von unbehandeltem ADHS, da Betroffene ihre Desorganisiertheit häufig dadurch zu kompensieren versuchen, dass sie sich zur Ordentlichkeit und Strukturiertheit regelrecht zwingen, um mit ihrer Detail- und Planungsversessenheit Fehler und Misserfolge zu verhindern.
Im ICD-10 ist die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung mit der Chiffre F60.5 Anankastische [zwanghafte] Persönlichkeitsstörung klassifiziert. Sie befindet sich im Abschnitt Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F60-F69) und ist den Spezifische Persönlichkeitsstörungen (F60) zugeordnet. Folgende diagnostischen Kriterien werden an dieser Stelle aufgeführt.
Mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:
Im DSM-IV ist die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung unter der Nummer 301.4 Obsessive-Compulsive Personality Disorder klassifiziert. Sie ist der Kategorie Persönlichkeitsstörungen zugeordnet. Markant ist ein tief greifendes Muster starker Beschäftigung mit Ordnung, Perfektion und psychischer sowie zwischenmenschlicher Kontrolle auf Kosten von Flexibilität, Aufgeschlossenheit und Effizienz. Der Beginn der Störung liegt oft im frühen Erwachsenenalter und sie zeigt sich in verschiedenen Situationen. Mindestens vier der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:[2]
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