Ein Zweizylindermotor, kurz Zweizylinder oder englisch Twin, ist ein Hubkolbenmotor mit zwei Zylindern, zwei Kolben und zwei Brennräumen.
Als Weiterentwicklung von Einzylindermotoren ermöglichen Zweizylindermotoren eine höhere Hubraumleistung sowie in den meisten Bauformen einen Ausgleich der Trägheitskräfte ohne zusätzliche Bauteile wie Ausgleichswellen.
Mit den ersten Zweizylindern erarbeiteten zwei Unternehmen Ende des 19. Jahrhunderts binnen weniger Jahre alle grundlegenden Konzepte von Mehrzylindermotoren, die weite Verbreitung fanden.
1889 entwickelten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach den ersten V-Motor als Zweizylinder.[1] Bei Zweizylinder-V-Motoren sind die Zylinder in einem Winkel von bis zu 90° zueinander angeordnet. Beide Kolben sind traditionell an derselben Stelle der Kurbelwelle angelenkt. Mit einem Zylinderwinkel von 90° ist dann der Ausgleich der Trägheitskräfte am besten, weil sich die Kolben gegenseitig optimal unterstützen, die Totpunkte zu überwinden. Zweizylinder-V-Motoren wurden nicht nur axial mit zusätzlichen Zylindern erweitert, sondern auch um die Kurbelwelle herum zu Sternmotoren ausgebaut.
1892 schufen wiederum Daimler und Maybach den ersten Reihenmotor ebenfalls als Zweizylinder.[2] Ein Zweizylinder-Reihenmotor, auch Parallel-Twin genannt, bringt entweder eine gleichmäßige Abfolge der Zündungen mit sich oder durch Anlenkung der Kolben an unterschiedlichen Stellen der Kurbelwelle einen allenfalls mäßigen Ausgleich der Trägheitskräfte.
1897 entwickelte Carl Benz den ersten Boxermotor als Zweizylinder.[3] Die Zylinder sind in einem Winkel von 180° zueinander angeordnet und die Kolben gleichermaßen um 180° versetzt an der Kurbelwelle angelenkt. Entweder bewegen sich beide Kolben in entgegengesetzter Richtung auf die Kurbelwelle zu oder in entgegengesetzter Richtung von der Kurbelwelle weg. Die Trägheitskräfte gleichen sich nahezu vollständig aus, und die Abfolge der Zündungen ist gleichmäßig.
Während alle drei Bauformen seit jeher häufig in Motorrädern eingesetzt werden, sind in Automobilen zumindest Zweizylinder-V-Motoren selten. Die meistgebauten Automobile mit Zweizylinder-Reihenmotor sind der Fiat Nuova 500 und der Fiat 126. Das meistgebaute Automobil mit Zweizylinder-Boxermotor ist der Citroën 2CV.
2010 hat Fiat einen Zweizylindermotor im Fiat 500 eingeführt. Das Triebwerk wird unter dem Namen Twin-Air vermarktet.
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