Wirtschaft



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19.09.2001
 

Vor den Terrorattacken

Hektischer Handel mit Verkaufsoptionen auf Airlines

Der Handel mit Verkaufsoptionen auf United und American Airlines hat sich in den drei Handelstagen vor dem Anschlag vervielfacht. Gerüchte, Terroristen könnten vorab an der Börse spekuliert haben, erhalten neue Nahrung.

Börsenhandel in New York: Von Terroristen unterwandert?
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AP

Börsenhandel in New York: Von Terroristen unterwandert?

Chicago - Einen Tag bevor zwei Flugzeuge der American Airlines entführt und als fliegende Bomben zum Absturz gebracht wurden, ist das Handelsvolumen der Verkaufsoptionen auf die Muttergesellschaft AMR um den Faktor 60 gestiegen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch die Zahl der Put-Optionen auf die Titel der United Airlines, die ebenfalls von den Anschlägen betroffen war, stieg um ein Vielfaches.

Eine Woche nach den Attentaten in den USA erhalten damit die Spekulationen neue Nahrung, die Terroristen könnten vorab mit Aktien spekuliert und auf diese Weise einen immensen finanziellen Gewinn aus dem Terrorangriff gezogen haben.

An der Börse kann auf fallende Kurse über das so genannte "Short Selling" oder über Verkaufsoptionen (Put-Optionen) spekuliert werden. Ein Shortseller leiht sich Aktien und verkauft diese zunächst. Ist der Kurs gesunken, kauft er sie billiger ein und gibt sie an den Besitzer zurück. Mit einer Verkaufsoption sichert sich ein Anleger das Recht, eine Aktie zu einen bestimmten Preis zu verkaufen. Fällt die Aktie unter diesen Preis, so kauft er sich billig am Markt ein, und verkauft seine Aktien dann mittels der Option teurer. Beide profitieren bei fallenden Aktienkursen von der Differenz zwischen An- und Verkauf.

Auch Morgan Stanley und Citigroup betroffen

Auch bei den Finanzunternehmen Citigroup, Morgan Stanley und Merrill Lynch war der Optionsscheinumsatz ungewöhnlich hoch, heißt es in dem Bericht von Bloomberg. Die Volumina im Optionsscheinhandel schwanken jedoch auch in normalen Börsenzeiten recht stark, schränkte die Agentur ein.

Einige Analysten begründeten die Zunahme der Verkaufsoptionen mit der wirtschaftlichen Situation und damit, dass die Rezessionsangst bereits vor den Anschlägen gewachsen sei. Andere halten dies für nicht ausreichend: "Der Versicherungsbereich schien noch einer der Lichtblicke in einem sehr schwierigen Markt gewesen zu sein", sagte Pete Gallo, Büroleiter von Hedgeworld.com in New York.

Börsenaufsicht ermittelt

Die internationalen Börsenaufsichtsbehörden haben mit dem Austausch von Informationen begonnen, um zu klären, ob die Urheber der Anschläge möglicherweise vorher durch Leerverkäufe Kursgewinne realisiert haben. Die Behörden von zehn bis zwölf Schlüssel-Ländern, darunter Deutschland und die USA, haben sich in einer von der spanischen Börsenaufsicht organisierten Telefonkonferenz beraten.

Nahrung für Spekulationen geben auch Kursbewegungen beim weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück Chart zeigen . Bereits zwei Wochen vor dem Anschlag war die Aktie deutlich gefallen. Auch die Rückversicherungskonzerne Swiss Re und die französische AXA geraten laut "New York Times" in das Visier der Ermittler.

Möglich sei, dass Mitwisser die Aktien vorher leer verkauft haben, um die Aktien dann nach dem drastischen Kursrutsch wieder günstig einzukaufen, hieß es in Frankfurt. Aber auch eine Wette auf fallende Kurse bei Fluggesellschaften oder in den Indizes Dow Jones und Dax kann den Inhabern solcher Put-Optionen deutliche Gewinne bescheren.

"Mittel und Wege für derlei Transaktionen"

Eine Organisation, die die Anschläge in New York und Washington logistisch vorbereiten könne, sei ohne Zweifel auch fähig, eine solche finanzielle Transaktion durchzuführen und anschließend zu vertuschen, hieß es in Frankfurt. Der Umstand, dass die europäischen Börsen unmittelbar nach den Attentaten geöffnet blieben, habe außerdem derlei Transaktionen begünstigt.

"Verwendungszweck: Terroranschlag"

US-Sicherheitsbehörden haben zwar betont, Investitionen im großen Stil würden Anhaltspunkte für die Fahndung geben. Börsianer halten dagegen: Transaktionen durch den Einsatz mehrerer Mittelsmänner zu vertuschen, sei ein Leichtes. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" sind die aufsichtsrechtlichen und bankinternen Möglichkeiten zur Kontrolle von derlei Transaktionen begrenzt: "Osama bin Laden kommt nicht mit einem Koffer voller Bargeld an den Schalter und schreibt als Verwendungszweck 'Terroranschlag' auf den Einzahlungsschein", zitierte die Zeitung einen Frankfurter Banker.

"Gerissene Finanzberater"

Der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, hatte dem "Wall Street Journal" gesagt: "Wir haben diese Berichte über terroristisches Engagement in unseren Märkten vernommen (...) Unsere Untersuchungsabteilung hat eine Reihe von Transaktionen im Markt untersucht, die in einen Zusammenhang mit diesen schrecklichen terroristischen Akten in Verbindung gebracht werden könnten." Weitere Kommentare zu den Untersuchungen gab es von der SEC nicht.

Die japanische Wertpapieraufsichtsbehörde hatte bereits vergangene Woche angekündigt, ungewöhnliche Aktivitäten im Handel an den Börsen Tokio und Osaka zur Zeit der Anschläge zu prüfen. "Bin Laden hat einige gerissene Finanzberater. Ob sie die Fähigkeit haben, Short Selling durchzuführen? Ich habe keinen Zweifel, dass er Verbindungen mit Leuten hat, die dazu fähig sind", sagte Steven Emerson, Chef des Investigative Project, einem Institut für antiterroristische Forschung in Washington. "Sein Netzwerk besteht aus mehr als rohen, Waffen tragenden Terroristen."

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