Wirtschaft



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18.10.2001
 

Unternehmensberater

Surfen auf der Pleite-Welle

Von Matthias Streitz

Die Welle der Unternehmenspleiten in Deutschland ist zur Flut angeschwollen. Bei professionellen Firmenrettern sind die Auftragsbücher deshalb so voll wie seit Jahren nicht mehr. Oft bieten die Berater nicht mehr als Sterbebegleitung gegen Gebühr.

Obenauf: Während über mehr Firmen denn je die Wellen zusammenschlagen, suchen Krisenberater Personal
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Obenauf: Während über mehr Firmen denn je die Wellen zusammenschlagen, suchen Krisenberater Personal

Frankfurt am Main/Berlin/Hamburg - Das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte, zwanzig Prozent mehr Aufträge als im ersten Halbjahr - und sogar ein Zuwachs von dreißig Prozent gegenüber 2000. Eigentlich müssten die Partner bei der kleinen Agentur Dr. Schlebusch, Volz + Cie (S+V) in Jubel ausbrechen, wenn sie in ihre Auftragsbücher blicken.

Die Freude aber bleibt gedämpft - gewissermaßen aus Pietät. Denn die Berater mit Büros in Frankfurt und Stuttgart betreuen Firmen, die in Kürze ihre Kredite nicht mehr zahlen können, Mitarbeiter feuern, Markt-Revolutionen verschlafen haben oder den Generationswechsel vom alten Herrn zum Juniorchef nicht schaffen. Kurz: strauchelnde Firmen, Pleite-Kandidaten. Und ein Notarzt freut sich schließlich auch nicht, wenn er mehr Patienten behandelt als üblich.

"Bei uns ist die Hölle los!"

Während die Konjunktur weltweit in den Keller rutscht, boomt die Branche für Krisenberater. Corporate Recovery, Turnaround Management, Restructuring oder ähnlich neudeutsch nennen sich die Abteilungen bei Beraterhäusern und Wirtschaftsprüfern wie Roland Berger, KPMG oder PricewaterhouseCoopers (PwC), die in Zeiten der Hochkonjunktur im Schatten stehen - die nun aber so viel zu tun haben wie selten seit der Rezession nach der Wiedervereinigung.

"Bei uns ist die Hölle los", berichtet etwa Andreas Pulver, Geschäftsführer bei ad tempus consulting in Berlin. Schon in der ersten Jahreshälfte habe es "richtig gescheppert" an der Pleite-Front.

Und jetzt, wo die Unternehmen den Banken vorläufige Jahresabschlüsse vorlegen, wird manchen erst klar, dass ihre Reserven aufgezehrt sind. "Der Markt für Recovery-Beratung ist gewachsen", beobachtet da auch Tammo Andersch, Partner bei KPMG in Berlin. In manchen Branchen wachse die Zahl der Beratungsfälle, die kurz vor der Insolvenz stehen, mit zweistelligen Raten.

Krisen-Experten dringend gesucht

Die Krisen-Helfer schlagen Profit daraus, dass die Zahl der Firmenbankrotte in Deutschland ein historisches Niveau erklommen hat. Das Statistische Bundesamt zählte in der ersten Hälfte des Jahres 24.800 Fälle von Firmeninsolvenzen - 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

In ganz Westeuropa sieht das Bild ähnlich düster aus. Nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's hat sich im dritten Quartal die Bonität von 46 Firmen, die eigene Anleihen emittieren, verschlechtert. Verbessert hat sie sich nur bei 19 Unternehmen.

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