Von Matthias Streitz

Cover-Boy der Beraterbranche: Roland Berger
Fürstliches Gehalt, mieser Ruf
Dass ihr Beruf unter zweifelhaftem Image leidet, wurmt viele Krisen-Berater. So sind Restructuring-Experten bei Roland Berger und PWC Deutschland mit Presseauskünften vorsichtig. Schließlich könnte es so aussehen, als bereicherten sie sich an Problemen anderer. Die Idee liegt nicht allzu fern - kassieren Consultants von Branchen-Riesen wie Berger oder KMPG doch oftmals Tagessätze von 20.000 Mark.
Die Frage nach ihrer Erfolgsquote hüten viele Krisen-Manager wie ein heiliges Geheimnis. Andersch von KPMG verrät immerhin, dass die Berater bei mehr als der Hälfte der Fälle die "Sanierungsfähigkeit" diagnostiziert. Oft drehen Banken und andere Finanziers dennoch den Geldhahn zu. Sie weigern sich, zehn, zwölf Millionen in ein Unternehmen zu pumpen, das Jahre lang nur Verluste bringen wird.
Stimmt der Satz "Wenn der Unternehmensberater kommt, fliegen erst mal 30 Prozent der Leute raus"? Noch ein Klischee, ärgert sich Andersch. Fast immer werde am Personal gespart, aber selten in dieser Größenordnung. Wichtiger seien die Strategie-Beratung oder die Portfolio-Bereinigung - der Rückzug von Unternehmensfeldern, die nie Gewinne abgeworfen haben.
In der Regel rücken die Consultants zu viert oder fünft an, erstellen Gutachten - und achten als "Wachhund" darüber, dass ihre Verbesserungsideen auch umgesetzt werden. Wenn die bisherigen Manager die Kurve nicht aus eigener Kraft kriegen, ruft KMPG die "Herren mit den grauen Schläfen": Eigentlich pensionierte Top-Manager, die für zwei Jahre den Retter für die Notleidenden spielen.
Job-Killern ist ihr Image egal
Dass sogar professionelle Krisenberater die Krise spüren können - das zeigt die Münchener Niederlassung der amerikanischen Beratungsdienstes Ketchum. Auch er hilft Firmen, durch stürmische Gewässer zu steuern. Aber nicht, indem sie neue Geldgeber sucht, Gutachten für Personalabbau schreibt - sondern indem sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verfeinert. "Proaktive Medienarbeit in einer akuten Unternehmenskrise" heißt das im Berater-Jargon.
So suchten die Ketchum-Leute für Burger King Wege aus dem Publicity-Tief, in das die Fast-Food-Kette nach der BSE-Krise abgerutscht war. Das allerdings war eine Krise, die von außen kam - keine hausgemachte.
Eine regelrechte "Verweigerungshaltung" gegenüber Image-Beratung macht Jochen Leufen, Associate Direcor bei Ketchum, dagegen bei Unternehmen aus, in denen es wegen Managemant-Fehlern kriselt - oder wegen eines Kaufstreiks der Kunden.
Noch kein Phoenix in der Asche
Wer 500 oder 1000 Leute entlassen will, wer das Weihnachtsgeld streicht, der gibt kein Geld für Werbung oder für eine Schulung aus - nur damit die Unternehmenssprecher gewandter auftreten. "Solche Firmen nehmen die schlechte Presse billigend in Kauf", meint Leufen. Augen zu und durch.
Eine seltene Ausnahme: Als die Kleiderkette C&A sämtliche Filialen in Großbritannien dicht machte, rief sie Ketchum in London an. Tenor: "Wir haben schlimme Dinge zu verkünden - und brauchen dafür Unterstützung."
In Hoffnung auf freudvollere Zeiten hat Ketchum allerdings schon ein Beratungspaket namens "Phoenix" geschnürt. Das Programm richtet sich an PR-Referenten von Firmen, die aus der Stagnation herausgekommen sind, mit denen es bergauf geht. Diese "Auferstandenen" will Ketchum lehren, wie sie auf die Medien zugehen - und wie sie ihre "Turnaround-Story" werbewirksam verpacken.
Bisher hat die Agentur ihren Phoenix-Service noch nicht verkauft. Nicht ein einziges Mal. Der Markt sei einfach noch nicht da, glaubt Leufen. Doch wenn auf den Konjunktur-Abschwung der Aufstieg folgt, wird auch in der Beratungsbranche wieder alles anders.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH