Von Michael Kröger
Hamburg - Das nennt man Flucht nach vorn. "Wenn Sie bei uns per Kredit- oder per EC-Karte bezahlen, gewähren wir 20 Prozent Rabatt", heißt der Slogan des Bekleidungshauses C&A. So ist es denn auch kein Wunder, dass Christian Langer, Filialleiter von C&A in der Mönckebergstraße in Hamburg den ersten regulären Geschäftstag nach der Währungsumstellung gelassen sieht. "Die wenigen, die auf dieses Angebot nicht eingehen, bekommen ihr Wechselgeld in Euro, wie versprochen".
Mit ähnlichem Gleichmut reagieren auch die anderen Händler in Hamburgs wichtigster Einkaufsmeile - auch wenn sie ihre Kunden nicht mit großzügigen Rabattangeboten vom Geldwechsel abhalten können. "Wir haben genügend Wechselgeld vorrätig", sagt Marcel Paschke, Geschäftsführer der WMF-Filiale. Solange nicht gerade ein Kunde mit einem 200-Mark-Schein einen Schneebesen für 7,99 Euro kaufen wolle, gäbe es überhaupt kein Problem.
Doch auch in solchen Fällen will der Küchenspezialist eher pragmatisch vorgehen. "Wenn der D-Mark-Schein zu groß ist, wechseln wir ihn einfach in mehrere kleinere D-Mark-Scheine und geben dann die Differenz in Euro heraus. So behalten wir den Kunden und unsere Devisenreserven", schmunzelt Paschke.
Die Marschroute gilt auch bei Karstadt gegenüber, nur etwas strenger. Was Paschke in Einzelfällen vorsieht, gilt hier als feste Order von der Konzernführung: Bis zum glatten D-Mark-Betrag gibt es Euro-Wechselgeld, für den Rest werden Mark herausgegeben.
Die Kunden haben mit dieser pragmatischen Version der Euro-Einführung offenbar wenig Probleme. Diejenigen, die ihre D-Mark-Reserven loswerden wollen, gehen lieber gleich zur Bank. In den Filialen der Hamburger Sparkasse und der Commerzbank in der Mönckebergstraße jedenfalls ist die Hölle los. Wartezeiten von mehr als einer halben Stunde sind die Regel. Trotzdem scheint kaum jemand auf den Handel auszuweichen. "Es sind immer die Gleichen, die mit einem Hunderter ein Brötchen kaufen wollen, aber davon gibt es wenige", sagt eine Verkäuferin an der Salattheke des Schlemmermarkts gegenüber dem Hamburger Rathaus. "Die meisten kommen mit kleinen Scheinen, einige sogar schon mit Euro".
Vergleichsweise harsch gibt sich der Thüringer-Wurst-Guru namens Mö-Grill. Auf computerbedruckten DIN-A4-Zetteln wird hier die Order ausgegeben, Würstchen in Euro zu bezahlen. Legt man zu der Bestellung "Eine Thüringer bitte" einen Fünfzig-Mark-Schein auf den Tresen, fällt die Reaktion weniger konsequent aus. Bis zehn Mark gibt's in Euro, dann zwei Zwanziger - das gleiche Spiel, wie überall in der Mönckebergstraße. "Der Zettel? Damit hoffen wir doch nur, den ein oder anderen abzuhalten, mit D-Mark zu bezahlen, wenn er Euro in der Tasche hat. Aber wir werden mit Sicherheit kein Würstchen verbrennen lassen, nur weil die Leute mit D-Mark bezahlen wollen", sagt der Wurstverkäufer.
Einzig ein wenig mehr Zeit muss man mitbringen, wenn man an diesem Tag einkauft in Hamburgs Shoppingmeile. Denn in den Kaufhäusern bilden sich leicht Schlangen an den Kassen. Wider Erwarten liegt der Grund für die Verzögerung nicht in den erschwerten Rechenoperationen. "Das ist Quatsch, das erledigt die Registrierkasse von alleine", sagt eine freundliche Dame hinterm Tchibo-Tresen. Was wirklich Zeit koste, sei das ständige Herumdrehen der Münzen, damit man nicht zu viel herausgibt, denn noch ist der Euro für Kunden wie Verkäufer gleichermaßen neu.
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