Von Matthias Streitz
Hamburg - In der Woche vor Silvester ging es los, am ersten Werktag des Jahres brach der Groschen-Boom dann mit voller Wucht herein: Teilweise säckeweise sind in den Zentralen deutscher Straßenmagazine wie "Hinz & Kunzt", "Asphalt", "Biss" oder "Trott-War" die Überbleibsel der verklungenen D-Mark-Epoche eingetrudelt.
Allein bei "Hinz & Kunzt" in Hamburg trugen die 400 wohnungslosen Verkäufer am Mittwoch viele Kilo Kleingeld zusammen. Immerhin 4500 Fünf-Pfennig-Stücke und 5000 Groschen an einem Tag. Das sei 40, 50 Prozent "mehr Klöterkram" als normal, sagt Sprecherin Sybille Arendt.
"Behalt den Rest"
"Gestern musste ich so viel Kleingeld zur Bank schleppen, dass ich es alleine nicht tragen konnte", erzählt auch Angela Stroppe, Geschäftsführerin bei "Asphalt" in Hannover. Sie zählt 60, 70 Prozent mehr kleine Münzen als üblich.
Das Bild ist bundesweit ähnlich: Bei "Biss" in München kam ein "ganzer Packen" der veralteten Mini-Münzen an. "Die Leute geben ihr restliches Kleingeld" aus, sagt Geschäftsführerin Hildegard Denninger. Bereits nach Weihnachten, bemerkt Michael Kran von "Abseits!?" in Osnabrück, bezahlten viele ihre Obdachlosen-Magazine mit großen Mengen Pfennig und Mark. Oft mit den Worten: "Behalt den Rest."
Umtausch-Aufwand "kaum tolerabel"
Die Portemonnaie-Entrümpelung als Akt der Barmherzigkeit? Kaum. Denn von Mehreinnahmen ist nirgendwo die Rede - die Spenden werden nur anders gestückelt, auf veraltete, kleinere Münzen verteilt. Man wolle ja nicht undankbar sein, "Geld ist Geld", hält sich Arendt von "Hinz & Kunzt" mit Kritik zurück. Aber mehr Arbeit mache es schon, wenn die Klingelgeld-Kilos zum Sparkassen-Schalter geschleppt und getauscht werden müssten.
Geschäftsführerin Stroppe ist gar regelrecht genervt. Die Mehrarbeit durch den Groschen-Boom sei "fast nicht tolerabel". Kein Mensch bezahle mehr mit Geldscheinen. Viel kostbare Arbeitszeit werde verschwendet, weil Mitarbeiter stundenlang vor Bankschaltern Schlange stünden.
Neuer Geiz bei Euro-Spenden?
Auch den Wohnungslosen nutze es wenig, wenn sie vermeintlich großzügig mit Mark und Pfennig bedacht werden, meint Stroppe. Banken richteten für Obdachlosen bekanntlich keine Konten ein - aber meist könnten nur Konto-Inhaber Mark in Euro wechseln. Da bleibe den Wohnungslosen nur die Hoffnung, das alte Geld noch irgendwo im Laden loszuwerden.
In der kommenden Zeit könnte das Geschäft für die obdachlosen Verkäufer sogar sehr viel härter werden. Michael Kran von "Abseits?!" meint jedenfalls: Mit Euro und Cent gingen die Kunden derzeit sehr viel knauseriger um. Begründung: "Die Leute haben doch das Gefühl, nur noch die Hälfte in der Tasche zu haben."
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