Wirtschaft



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17.04.2002
 

Interner Brandbrief

Deutsche-Bahn-Experten halten Metrorapid für utopisch

Der Metrorapid gerät wieder in die Schlagzeilen. Jetzt haben Fachleute der Deutschen Bahn offenbar erhebliche Zweifel an dem geplanten Transrapid-Projekt in Nordrhein-Westfalen geäußert.

Unrealistische Zahlen: Metrorapid (Simulation)
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DPA

Unrealistische Zahlen: Metrorapid (Simulation)

Düsseldorf - In einem von der "Süddeutschen Zeitung" zitierten internen Schreiben von DB-Experten an den Vorstand werden sowohl die prognostizierten Kosten und Erlöse als auch technischen Details der Magnetschwebebahn massiv angezweifelt.

Sprecher der Bahn in Berlin und Düsseldorf wollten zu dem Papier keine Stellung beziehen, betonten aber: "Die Bahn ist beim Metrorapid mit im Boot." NRW-Verkehrsminister Ernst Schwanhold (SPD) sprach von wenig hilfreichen pauschalen Hinweisen und forderte Bahnchef Hartmut Mehdorn auf, seinen Laden in Ordnung zu bringen. Dagegen sieht sich die CDU-Opposition bestätigt: "Der Metrorapid ist unbezahlbar. Bei der Bahn stehen immer mehr Signale auf Rot."

Dem zitierten Brandbrief zufolge wären in der Machbarkeitsstudie unrealistisch hohe Erlöse für die geplante Ringstrecke Düsseldorf-Dortmund kalkuliert worden. Laut Gegenrechnung der Bahn-Experten müssten sich die Metrorapid-Betreiber von ihrem anvisierten Überschuss verabschieden.

Die Gründe: Millionenschwere Mehreinnahmen durch ein Erste-Klasse-Ticket könnten leider gar nicht anfallen, weil eine erste Klasse an keiner Stelle vorgesehen sei. Darüber hinaus seien Mehrwertsteuern falsch berechnet und Fahrgastzahlen zu üppig prognostiziert worden. Dabei sei die Existenz gesetzlicher Feiertage schlichtweg ignoriert worden.

Äußerst unrealistisch sei überdies, dass Wartungen oder Reparaturen des Metrorapid-Motors in den Kalkulationen nicht vorkämen - "und das bei einer zu Grunde gelegten Lebensdauer von 75 Jahren". Zudem halten die DB-Fachleute laut "SZ" nicht sonderlich viel von dem Antriebssystem des Zuges. So sei zu befürchten, dass bei Ausfall einzelner Geräte das Fahrzeug vermutlich über die Strecke hoppelt.

Schwanhold betonte in einer Stellungnahme, die Bahn habe selbst an der Machbarkeitsstudie mitgearbeitet und alle Ergebnisse autorisiert. Die DB-Verantwortliche für den Bereich Technik, Christine Geißler-Schild, versicherte: "Wir stehen als Betreiber bereit. Wir haben unsere Position nicht geändert." Zu dem "SZ"-Artikel sagte sie: "Die interne Kommunikation der Bahn kommentieren wir öffentlich grundsätzlich nicht."

Die mitregierenden Grünen forderten Mehdorn auf, zu der Kritik Stellung zu beziehen. "Allen Beteiligten muss daran gelegen sein, die Berechnungen und Grundannahmen so seriös wie möglich abzusichern", betonte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Johannes Remmel. "Gerade bei einem solchen Milliarden-Projekt muss gelten: Sorgfalt vor Schnelligkeit." Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU wertete die Zweifel der Bahn-Experten als gehörige Ohrfeige für die Macher der Machbarkeitsstudie, die offenbar an allen Ecken und Enden schöngerechnet worden sei.

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