Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
19.04.2002
 

Jet-Tankstellen

"Brutale Botschaft"

Mit einer provozierenden Werbekampagne wollte sich die Hamburger Mineralölfirma Conoco, Betreiber der Tankstellen-Kette "Jet", in Szene setzen. Der Schuss ging nach hinten los.

"Wir wollten keine Familie kränken": Umstrittene Jet-Werbung
Zur Großansicht

"Wir wollten keine Familie kränken": Umstrittene Jet-Werbung

Hamburg/Frankfurt am Main - Nach heftigen Protesten stellte Conoco die Werbekampagne jetzt wieder ein. Dabei geht es um eine Anzeige in verschiedenen Magazinen, die ein Foto einer Familie mit sechs Kindern und der Bildunterschrift "Günstiger tanken, Geld für Kondome haben" zeigt. "Wir wollten keine Familien kränken", sagte eine Conoco-Sprecherin.

Gegen das Plakatmotiv war am Donnerstag harsche Kritik laut geworden. Unter anderem hatten katholische Familienverbände und die bayerische Familienministerin Christa Stewens (CSU) das Motiv als geschmacklos sowie als Verhöhnung von Familien mit mehreren Kindern bewertet.

Stewens hatte die Aktion auch als "Zeichen für die latent vorhandene Kinderfeindlichkeit in unserer Gesellschaft" gewertet. Landesvorsitzender Johannes Schroeter vom Familienbund der Katholiken hatte nach eigenen Angaben den Deutschen Werberat eingeschaltet und das Unternehmen zu einer Entschuldigung aufgefordert. "Dieses Plakat ist pervers", sagte Stewens mit Blick auf den Textzusatz "Jet - Den Rest können Sie sich sparen." Es sei bedauerlich, dass die entsprechenden Printmedien nicht das Rückgrat gehabt hätten, die Anzeige abzulehnen. Der Familienbund der Katholiken im Bistum Münster hatte zum Boykott der Jet-Produkte aufgerufen.

Auch der Präsident der Landeskirche Hessen-Nassau, Peter Steinacker, hatte protestiert. Er warf dem Mineralölkonzern zum Auftakt der Frühjahrssynode in Frankfurt eine "brutale Botschaft" vor. Die Werbung suggeriere, wer modern und mobil sein wolle, müsse Kinder verhindern, sagte Steinacker.

Nach Angaben des Unternehmens sollte es sich um eine witzig gemeinte Aufforderung zum preisgünstigen Tanken handeln. "Wir haben uns dabei nichts Böses gedacht", sagte die Sprecherin. Das Unternehmen entschuldige sich bei allen Kunden, die sich unangenehm berührt gefühlt hätten.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP