Von Carsten Volkery, New York
Außer Voicestream hat noch keiner der großen Player auch nur annähernd einen Zeitplan für den WiFi-Einstieg vorgelegt. Das ist kein Zufall. Denn die Zukunft der Technologie ist sehr vage. Nicht nur wird viel mit der Soft- und Hardware experimentiert. Auch der 80211.b-Standard selbst hat schwere Macken: So ist das Funksignal sehr schwach, für zusätzliche Störungen sorgen Garagentoröffner und Mikrowellen, die dieselbe Frequenz (2,4 Gigahertz) benutzen.
Populär geworden ist WiFi vor allem, weil es billig ist und jeder Laie seinen "Hot Spot" selbst einrichten kann. Aber für ein nationales Netz wird es nicht reichen. Fast alle "Hot Spots" sind einzelne, nicht verbundene Punkte. Wer aus dem Senderadius von fünfzig Metern heraustritt, wird vom Internet getrennt. Bisher gibt es keine Lösung für das nahtlose "Handing Over" von einem Punkt zum nächsten. Firmen wie Nokia und IBM arbeiten aber daran.
Ein noch größeres Problem ist die Nachfrage. Zwar schießen die "Hot Spots" wie die Pilze aus dem Boden, aber die Betreiber geben gerne zu, dass sich bisher nicht viele einloggen. "Das Bewusstsein ist noch nicht da", sagt Matt Peterson, Gründer der Bay Area Wireless Users Group (BAWUG). Für die Hobbygruppen ist das kein Problem, sie machen es schließlich nur aus Spaß an der Freude.
Doch für die Telekommunikationsfirmen stellt es ein Risiko dar. Denn auch in der WiFi-Branche kann man Milliarden verbrennen. Bestes Beispiel Metricom: Die US-Firma musste im vergangenen August das bisher ambitionierteste WiFi-Netz namens "Ricochet" schließen, nachdem sie pleite gegangen war. Sie hatte nur 51.000 Kunden für das eine Milliarde Dollar teure Netz in 21 Städten gewinnen können. Ein kleiner Internet-Serviceprovider aus Denver kaufte Ricochet schließlich für 8,25 Millionen Dollar. Im Sommer sollen Teile des Netzwerks in San Diego und der Bay Area wieder öffnen.
Doch das Debakel scheint Newcomer nicht abzuschrecken: In den vergangenen Monaten sind ein halbes Dutzend Start-ups angetreten, die mit dem drahtlosen Internetzugang Geld verdienen wollen. Einer der am höchsten gehandelten ist Boingo. Das Unternehmen bietet nicht selbst Zugang an, sondern schließt Nutzungsverträge mit verschiedenen Anbietern ab. Zu den Investoren von Boingo zählt Telekomgigant Sprint.
Manche Beobachter erinnert der WiFi-Boom schon an die Internetblase. Nicht genug damit, dass Risikokapitalgeber die Branche als neuen Darling entdeckt haben. Auch die Firmen selbst seien zu naiv, sagt Peterson, der als Berater tätig ist. "Viele WiFi-Start-ups haben die Dotcom-Mentalität. Sie haben keine Kunden, aber geben Geld aus, als würden sie morgen kommen."
Das kann noch etwas dauern. Doch spätestens wenn die großen Telekomfirmen ihre Marketingkampagnen starten, glaubt Fleishman, wird Amerika zu einer Nation der WiFi-Nutzer: "Millionen haben bereits ein Laptop mit Netzwerkkarte. Sie wären ekstatisch, wenn sie von WiFi wüssten."
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