München - Ein Sprecher des Amtsgerichtes München sagte am Vormittag, der Antrag der KirchPayTV auf Einleitung des Insolvenzverfahrens sei eingegangen. Auch eine Sprecherin der KirchGruppe bestätigte, dass die Insolvenz angemeldet worden sei. In der Dachgesellschaft KirchPayTV sind rund 250 Mitarbeiter beschäftigt. Neben der Holding, die eine der drei wichtigen Säulen der Kirch-Mediengruppe ist, meldeten auch die Tochterunternehmen PayTV Rechtehandel, Premiere Beteiligungen und die BetaDigital wegen Zahlungsunfähigkeit und teilweise wegen Überschuldung Insolvenz an. Darüber hinaus werde im Laufe des Tages auch die Kirch Marketing Services einen entsprechenden Antrag einreichen, teilte der Pay-TV-Sender Premiere am Mittwoch weiter mit.
Die Insolvenz der Premiere-Muttergesellschaft KirchPayTV und der anderen Gesellschaften ist nach den Worten von Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler unvermeidbar geworden, nachdem weder die bestehenden Gesellschafter noch Banken oder neue Investoren weitere Mittel zur Finanzierung zur Verfügung stellen wollten. Der Abonnementsender Premiere sei von dem Insolvenzverfahren nicht unmittelbar betroffen und der Sendebetrieb nicht gefährdet, so Kofler, der auch Chef der KirchPayTV ist.
Der Unternehmenschef versuchte, die Insolvenznachrichten ins Positive zu drehen: Premiere erhalte nun die Chance, den Ballast der Vergangenheit abzuwerfen. In den kommenden Wochen werde die Geschäftsführung von Premiere mit allen Geschäftspartnern in Verhandlungen treten, um die Kosten drastisch zu senken. Die Zahl der Beschäftigten solle um 1000 auf 1400 gesenkt werden. Bislang hatte Premiere vom Abbau von mehr als 800 Stellen gesprochen.
Noch mehr Insolvenz-Kandidaten
Branchenkreise wollten einen Insolvenzantrag von Premiere zu einem späteren Zeitpunkt dennoch nicht ausschließen. Vor einem Monat hatte die KirchGruppe bereits einen Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft KirchMedia gestellt. Auch für die dritte, noch nicht zahlungsunfähige Holding, die KirchBeteiligungen, wird dieser Schritt nicht ausgeschlossen. Sie besitzt unter anderem die Mehrheit an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft SLEC.
Die Milliardeninvestitionen in Premiere gelten als Hauptursache für die finanzielle Schieflage der gesamten KirchGruppe. Seit dem Insolvenzantrag der KirchMedia haben die Gläubigerbanken zusammen mit dem Kirch-Management nach einer Lösung für die PayTV-Sparte mit Premiere gesucht. Als ein Kandidat wird seit einigen Wochen der Medienriese Bertelsmann gehandelt. Nach wie vor soll aber auch Medienmogul Rupert Murdoch Interesse am Ausbau seiner Beteiligung an Premiere haben. Über seinen britischen Pay-Kanal BSkyB ist Murdoch mit 22 Prozent an der KirchPayTV beteiligt, die Kirch-Dachgesellschaft TaurusHolding besitzt 69,75 Prozent. Für die Beteiligung hatte Murdoch Ende 1999 knapp 1,5 Milliarden Euro gezahlt und Kirch so dringend benötigte Liquidität verschafft. Weitere Gesellschafter der KirchPayTV sind die Kingdom Holding von Prinz al-Walid (3,12 Prozent) und Finanzinvestoren.
Warten auf Rupert M.
Schon einmal hatte der Sender in letzter Minute den Kopf aus der Schlinge gezogen: Bereits vor einem Monat hatte die neue KirchMedia-Geschäftsführung vor laufenden Kameras einen Insolvenzantrag für Premiere angekündigt. Premiere dementierte umgehend und kämpft seitdem um seine Existenz.
Die Kosten bei Premiere sind nach Koflers Worten im vergangenen Jahr mit 1,8 Milliarden Euro doppelt so hoch gewesen wie die Einnahmen. So machte der Sender im Jahr 2001 fast 990 Millionen Euro Verlust. Die Zahl der Abonnenten stagnierte bei 2,4 Millionen Kunden und blieb damit weit hinter den ursprünglichen Planungen zurück.
KirchPayTV gehört unter anderem auch eine 40-Prozent-Beteiligung am Teleclub. Bei dem Schweizer Bezahlsender hatte Kirch schon 1984 erstmals mit dem Abo-Fernsehen experimentiert.
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