Von Carsten Matthäus
Frankfurt am Main - Aktienhändler Oliver Hauer hat für die T-Aktie
kein gutes Wort mehr übrig: "Die Deutsche Telekom ist immer wieder überlagert durch schlechte Nachrichten", sagt der Aktienhändler von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Immer neuer Abschreibungsbedarf, Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission und schwache Zahlen sorgten für ein schlechtes Bild. "Und in diesem Umfeld erhöht sich der Vorstand noch massiv die Bezüge. Das ist keine vertrauensbildende Maßnahme", sagt Hauer.
Das sehen die meisten Anleger offenbar genauso. Das Telekom-Papier, das schon während der Woche bei 12,38 Euro auf ein neues Allzeittief fiel, brach nach einer kurzen Erholung auch am Freitagmittag wieder um knapp fünf Prozent auf 12,64 Euro ein.
Milliarden-Minus am Horizont
Die schlechten Nachrichten werden voraussichtlich nicht abreißen. Bei der Präsentation der Zahlen für das erste Quartal am 22. Mai muss die Telekom laut "Börsenzeitung" eine Einmalbelastung in Höhe von rund 4,3 Milliarden Euro verdauen. Nach neuen Vorschriften der US-Börsenaufsicht SEC darf die Telekom-Tochter VoiceStream nämlich ihre Mobilfunklizenzen nicht mehr periodisch abschreiben, sondern muss diese in einem Rutsch aus der Bilanz nehmen.
Damit nicht genug. Andere Konzerne haben ihre Bilanzen in den vergangenen Quartalen durch entsprechende Abschreibungen bereits "gesäubert". Vivendi (15,7 Milliarden Euro), AOL Time Warner (knapp 60 Milliarden Euro) und JDS Uniphase (52,6 Milliarden Euro) haben bereits den neuen US-Bilanzierungsregeln (US-GAAP) entsprochen und den so genannten Goodwill auf Beteiligungen und Akquisitionen abgeschrieben. Einfach gesagt haben diese Unternehmen den Wert ihrer Beteiligungen nach dem Platzen der Internet-Blase neu bewertet.
Sollte die Telekom den Goodwill auf ihre Akquisitionen abschreiben müssen, könnte das zu einer Belastung von bis zu zwanzig Milliarden Euro führen. "Diese Zahl ist plausibel", sagt Frank Rothauge, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. "Mann muss berücksichtigen, dass für Debis und VoiceStream Preise gezahlt wurden, die heute niemals mehr erreichbar wären."
Telekom sieht keinen Abschreibungsbedarf
Seiner Ansicht nach könnte die Telekom bis zum Jahresende gezwungen sein, die noch ausstehenden Milliarden-Abschreibungen in der so genannten "Überleitungsrechnung" zu berücksichtigen. Da die Telekom ihre Jahresabschlüsse nach den Regeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) erstellt, aber auch in den USA gelistet ist, muss sie vorrechnen, was sich an ihrem Zahlenwerk ändert, wenn man nach US-GAAP bilanziert.
Nach den Worten von Pressesprecher Hans Ehnert sieht die Telekom momentan keinen Bedarf, den Wert von VoiceStream neu zu bewerten. Er verweist dabei auf den Geschäftsbericht 2001, der von PriceWaterhouseCoopers und Ernst & Young testiert wurde. "VoiceStream entwickelt sich genau nach unseren Erwartungen", sagte er.
An der eigenen Bewertung der T-Aktie wird Analyst Rothauge trotz der möglichen Milliardenkorrekturen nichts ändern. "Das ist längst bekannt und hat auf den fairen Wert der Aktie keinen Einfluss", sagt er. Den fairen Wert sieht Rothauge bei 31 Euro und hält die momentane Kursschwäche der Telekom für "dramatisch übertrieben".
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