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Französisch-Guayana Die Währung des Waldes

4. Teil: Teil 4: Brasilianer spotten über das "Betrunkenengeld"

Der Oyapok geht vor der Tür hundert Meter breit auf seine Mündung zu, gesäumt vom Regenwald, darin gewaltige Gummipflanzen, Guaven, Pfefferbäume, bittere Orangen, aufgereiht wie ein Festzug für Botaniker. Schmale Boote mit starken Außenbordmotoren fahren Brasilianer rührend ans andere Ufer und bringen Franzosen zurück und umgekehrt. Pierre Bertrand hat ein Auge auf den kleinen Grenzverkehr. Er ist Europas letzter Mann im Urwald. Kontrolleur des französischen Zolls im Departement 973. Das Holzhaus 30 Meter weiter am Ufer, über dem blau-weiß-rot die Trikolore winkt, ist sein Arbeitsplatz: Europas äußerste Zollstation in Südamerika.

Zwölf Leute sind sie insgesamt, Betrand und die anderen Zöllner, aber die Grenze zu Brasilien ist 370 Kilometer lang, der ganze Amtsbereich ein unbegehbares Abenteuerland bevölkert von Tapiren, Wildkatzen, Wasserschweinen, von Mücken, die Malaria bringen, Gelb- und Denguefieber.

"Es geht hier nicht darum, Frankreich zu verteidigen, oder Europa oder so was", sagt Bertrand und schnippt eine halb gerauchte Gitanes aus dem Fenster, "es geht mehr um so etwas wie Präsenz zeigen, verstehen Sie? Und immer Ruhe bewahren." Jagdwaffen werden verschoben über den Fluss, wasserfeste Schrotmunition mit Kartuschen aus Plastik statt Pappe sind gesucht. Neulich hatte einer 200.000 Francs in einer Plastiktüte, woher auch immer, vor ein paar Wochen haben sie einen Jungen aus dem Kongo gestellt, der sich politisch verfolgt fühlte.

Was geschieht mit den Leuten? "Wir schicken sie weg", sagt Bertrand. "Am nächsten Tag sind sie wieder im Wald verschwunden." Dienst im Dschungel heißt: Leben und leben lassen. Die Ankunft des Euro hat daran nichts geändert. Das neue Geld kam, und seitdem ist es da. Gewiss, manche sagen: Die Münzen klebten; sie wären nicht für dieses Klima gemacht. Und die Scheine knitterten stark; die Brasilianer spotten über das zerknüllte "Betrunkenengeld" aus Europa, aber Probleme, echte, gibt es nicht wirklich. Die liegen woanders.

"Kein Metzger, kein Fischladen, kein Markt", sagt Bertrand, "Käse? Null. Wein? Null." In seinen schwachen Momenten sitzt er am Fluss, auf der Veranda des Zöllnerhäuschens, träumt von Sauerkraut mit Würsten und Speck und von sehr kaltem Riesling. Andererseits bringt der Mangel auch größte Freuden hervor.

Eine Hartwurst aus der Auvergne, von Kollegen mitgebracht, wird zum Fest. Zwei Flaschen Champagner, irgendwie heil herübergerettet, reichen in der Hitze zu einem Gelage. "Man sucht den kleinen Luxus", sagt Bertrand, "und wenn man beim Monatseinkauf in Cayenne das Tomatenmark vergisst, dann gibt's eben einen Monat lang kein Tomatenmark." Nicht für Euro, nicht für Francs. Man kann nicht viel kaufen in St. Georges am Oyapok.

Ein Bier kostet zwei Euro 20 am letzten Tresen im Dschungel, "Chez Modestine", es gibt hin und wieder Katzenfisch und manchmal ein paar Scheiben Schinken aus Bayonne. Pierre Bertrand träumt von Sauerkraut in den Tropen. Man kann nicht viel kaufen in St. Georges am Oyapock, 973 Französisch-Guayana. Auch nicht für Euro.

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