Berlin - Hans Eichel ist ein sparsamer Mensch. Wenn er mittags einen schnellen Happen essen will, geht er gerne in eine Döner-Bude an der Berliner Wilhelmstraße, unweit des Finanzministeriums. Statt sich allerdings die große Fleischplatte kommen zu lassen, begnügt sich der Minister in der Regel mit einem halben Hähnchen plus Salatbeilage - auf das Getränk verzichtet Eichel meist.
Wer so aufs Geld achtet, reagiert schon bei kleinen Preiserhöhungen gereizt. Neulich echauffierte sich Eichel öffentlich über eine Eisbude in der Nähe seiner Wohnung. Die habe den Preis einer Kugel von 1,50 Mark auf einen Euro erhöht. "Die Qualität des Eises ist gut, aber die drastische Preiserhöhung ist ärgerlich", so der Minister.
Die Eisdiele muss seitdem vermutlich ohne ministeriale Bestellungen auskommen, denn er selbst kaufe nicht dort, "wo ich mich betuppt fühle", so der Minister im ZDF-"Morgenmagazin". "Und wenn wir das alle so machen, dann wird sich das auch wieder einpendeln." Die Leute sollten sich die Lust am Einkaufen wegen einzelner "schwarzer Schafe" nicht nehmen lassen.
Eichels kaum verhohlener Aufruf zum Konsumentenstreik bringt den Handel in Rage. "Boykottaufrufe sind Politik auf Stammtischniveau und gefährden die Konjunktur", sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Holger Wenzel, der "Bild"-Zeitung. Ein Drittel der Preissteigerungen sei steuerlich bedingt und damit von der Bundesregierung zu verantworten.
Die Zeitung schreibt am Mittwoch, ohne Quellen zu nennen, Branchenriesen wie Aldi, C&A, Metro und Ikea wollten in Kürze bei der Bundesregierung eine schriftliche Erklärung abgeben, in der sie versichern, die Euro-Einführung nicht für Preissteigerungen genutzt zu haben.
Im Einzelhandel liegen die Nerven offenbar blank - die Unternehmen hatten gehofft, dass die "Teuro"-Debatte von selbst abebben und die Verbraucher nach anfänglichem Murren schon Ruhe geben würden. Daraus wird jetzt wohl nichts. Es erscheint im Gegenteil wahrscheinlicher, dass einzelne Unternehmen in den Medien als Preistreiber an den Pranger gestellt werden. Speziell für Einzelhandelsketten, deren wichtigstes Werbeargument ihre "kleinen Preise" sind, wäre das der PR-Gau.
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