Von Thomas Hüetlin
Ein paar Monate später hat Frankie Ramaesiris Höhenflug ein Ende gefunden. Frankie sitzt nicht mit einem Glas Bacardi an einem Strand, sondern auf den schwarzen Polstern des Zeugensessels im New Yorker Gericht, Pearlstreet 500. Die blonde Frau, deren barbusige Fotos die Zeitschrift "Penthouse" in ihrer Juni-Ausgabe auf zehn Seiten veröffentlicht hat, Titelzeile: "Exklusiv: Anna Kournikowa. Am Nacktstrand erwischt", ist nicht das russische Tennisstarlet. Es ist eine Frau namens Judith Soltesz-Benetton, Ehegattin des italienischen Pullover-Erben Rocco Benetton.
Nicht weit von Frankie auf der Anklagebank sitzt, in einem schwarzen Anzug, der im Fall begriffene Herrscher eines Sex-Imperiums, welches früher so groß war, dass darin die Sonne nicht unterging, Bob Guccione, 71.
Kiloschwere Goldketten
Er sitzt da, still zwar, aber eben auch so, als würde er Ramaesiri gern aus dem 11. Stock des Gerichtsgebäudes hinunter auf die Straße werfen lassen. Oder einbetonieren, irgendwo im Fundament des neuen World Trade Center. Oder den Löwen vorwerfen während er, Guccione, ein Glas Pepsi dazu trinkt.
Aber der alte Patron ist ein Mann, der solche Macht nicht mehr hat und wohl niemals besaß. Er war der Pate eines Sex-Verlags, nicht einer Mafiafamilie. Er trug kiloschwere Goldketten um seinen Hals, aber ein brutaler Potentat war er nur seinem Image nach und in seinem Kopf.
Wie der Jäger zur Beute wurde
Hier oben im Gericht, an einem Dienstag im Mai, wirkt er eher wie ein alter sizilianischer Bademeister, der Angst vor dem Meer hat. Unter seinen Brauen lauern die blauen Augen eines Jägers. Eines Jägers, der heute als Beute auf dem Marktplatz ausgestellt wird.
Vor ein paar Jahren erkrankte Guccione an Kehlkopfkrebs. Dann kam Frankie Ramaesiri. Er ist es, der Guccione jetzt das Leben zusätzlich schwer macht.
Eine Partie Riesentennis
Wenn dieser Prozess gegen die Benetton-Frau vorbei ist, darf Guccione in einen Jet steigen und nach Kalifornien fliegen, dort hat ihn Anna Kournikowa verklagt. Es ist wie eine Partie Riesentennis zwischen der Ost- und der Westküste. Guccione ist der Ball. Und es wird auf ihn eingedroschen, bis er platt ist. Wenn er beide Prozesse verliert, sagen Leute aus der Branche, droht ihm die Pleite.
Wahrscheinlich wäre der Skandal niemandem aufgefallen, hätte Frau Soltesz-Benetton nicht selbst unmittelbar nach Erscheinen der Fotos den "Penthouse"-Herausgeber und den Rest der Welt darauf aufmerksam gemacht, dass sie das Opfer einer Verwechslung sei. Sie wäre unerkannt geblieben, außer, wie die New Yorker Boulevardzeitung "New York Post" höhnte, "bei ein paar High-School-Freunden von früher".
Millionen für die Gerechtigkeit
Aber Frau Soltesz-Benetton will Gerechtigkeit. Darunter versteht sie zehn Millionen Dollar Schadensersatz und das sofortige Einstampfen aller noch nicht verkauften Exemplare der Juni-Ausgabe. Ihre Begründung für derart radikale Genugtuung: "Ich möchte nicht, dass meine Kinder dieses Heft jemals zu Gesicht bekommen." Sie trägt einen Pferdeschwanz, die Augen blitzen vor Selbstergriffenheit. Ihr Ehemann Rocco Benetton nutzt die Stunden im Gerichtssaal zum Gähnen und Fingernagelkauen.
Verheerende Redaktionspraktiken
Was immer Frau Soltesz-Benetton zur Aufgabe ihrer Anonymität und zu ihrem Auftritt in New York bewogen haben mag der Drang nach Ruhm oder nach noch mehr Geld , sie verlässt den Gerichtssaal als Halb-Siegerin. "Penthouse" willigt ein, die noch vorhandenen 18 000 Exemplare einzustampfen und Frau Soltesz-Benetton eine Geldsumme zu zahlen, über die beide Seiten Stillschweigen bewahren. Nicht unbedingt ein schlechtes Ergebnis für ein unbekanntes Ex-Fotomodell, das früher öfter mal an einem öffentlichen Strand in Florida oben ohne gebadet und sich später an einen Erben der italienischen Pullover-Dynastie herangearbeitet hat.
Nicht unbedingt ein gutes Ergebnis für "Penthouse", dessen verheerende Redaktionspraktiken während des Prozesses offen gelegt wurden. "Penthouse", was eigentlich die Bezeichnung für ein Dachapartment an der Park Avenue ist und somit ein Synonym für Luxus und Glamour sein soll, gleicht eher einem unaufgeräumten Gemäuer, in dem die Lichter ausgehen. Das Haus Usher der Sex-Zeitschriften.
Rudimentäre Professionalität
Der Niedergang der Publikation wird beschleunigt durch den Gründer, Chefredakteur und Verleger Bob Guccione, der bis zum heutigen Tag alle wichtigen Entscheidungen des Blattes trifft und somit auch die Verantwortung für die peinliche Verwechslung trägt. Gesunder Menschenverstand und rudimentäre journalistische Professionalität sind dem Blatt, das früher in Deutschland mit dem Kalauer warb "Das Magazin, in dem alles steht", offenbar verloren gegangen. Das Magazin, in dem sich alles dreht.
Die Art und Weise, wie Guccione sich von der Echtheit der Abbildungen überzeugen wollte, wirkt bizarr. Niemals zweifelte er die Angaben des Kleinjuweliers und Hobby-Sex-Filmers Frank Ramaesiri an, stattdessen ließ er ihn als Entlohnung zum Endspiel der amerikanischen Footballmeisterschaften, zur Superbowl, fliegen.
Der typische Doppelknoten
Die Verifikation der Bilder war von da an Chefsache, es gebe kaum einen besseren Experten als ihn, erklärt Guccione, schließlich schaue er sich jeden Monat an die 5000 Fotos an. Viele mit Lupe. Und das seit mehr als 30 Jahren.
Da war erstens einmal die Armbanduhr, silbern, mit breitem Band, die er auch auf anderen Fotos von Kournikowa entdeckt haben will. Dann war da, zweitens, die "Haltung des kleinen Fingers". Drittens, die stark gewölbte Stirn. Viertens, das lange blonde Haar, das so eine Assistentin Gucciones, die die Russin schon einmal im Fernsehen hat spielen sehen zu einem "Kournikowa-typischen Doppelknoten" zusammengebunden werden könnte. Alles schön und gut, aber nichts gegen Punkt fünf: die Brüste. "Sie sind klein, sehr gut geformt und hängen in keiner Weise", urteilt Guccione. Der Richter verliert langsam die Geduld. "Finden Sie nicht, dass die Gesichter der beiden Frauen unterschiedlich aussehen?" Die Antwort des Porno-Königs ist kurz und klingt fachmännisch: "Ja."
Der geisterhafte Auftritt von Bob Guccione stellt den vorläufigen Tiefpunkt einer steilen publizistischen Talfahrt dar. Hat "Penthouse", Gucciones Flaggschiff, einst an die fünf Millionen Exemplare verkauft, so schafft es heute noch gerade 600 000 Stück im Monat. Die Zahlen für seinen Verlag General Media sind noch schlechter. 1993 machte er noch knapp acht Millionen Dollar Gewinn, im vergangenen Jahr fast zehn Millionen Verlust, was die Schulden des Verlags auf 52 Millionen Dollar hat ansteigen lassen. Als Guccione, der einmal über ein Vermögen von 300 Millionen Dollar verfügen konnte, vor kurzem von der "New York Times" gefragt wurde, wie er die Zukunft seines Magazins einschätze, erwiderte er: "Es gibt keine Zukunft für Herrenzeitschriften im Massen-Magazinmarkt. Die Zukunft dieser Branche liegt in den elektronischen Medien."
Wer Guccione durch den Gerichtssaal schleichen sieht, mit eingefrorenen Gesichtszügen und einer perückengleichen Haarspray-Installation aus den siebziger Jahren, kann nicht umhin, ein wenig Mitleid mit ihm zu haben. Der Macbeth des Sex-Geschäfts auf der Zielgeraden seines Lebens, einsam und verlassen.
Und nachts der Dienst an der Kunst
Um die Gläubiger zufrieden zu stellen, hat Guccione vor zwei Monaten sein Townhouse in der Upper East Side, 45 Zimmer, eines der größten in Manhattan, zum Verkauf angeboten. Preis 40 Millionen Dollar. Dazu verpfändet er Bilder aus seiner Kunstsammlung, die mit ihren Picassos, Chagalls, Renoirs und Modiglianis einmal Gucciones größter Stolz war. "Die Lücken an seinen Wänden werden immer größer", sagt ein New Yorker Galerist. "An die leeren Stellen hängt er jetzt Bilder, die er selbst gemalt hat."
Künstlerisch tätig ist der an Schlaflosigkeit leidende Sex-Verleger vor allem nachts. Malen, nicht Pornografie, erzählt er, sei seine eigentliche Leidenschaft. "Ich möchte für immer malen. Ich möchte nicht mit dem Malen aufhören müssen, nur weil es Zeit ist zu sterben."
Porträts für einen Dollar
In Brooklyn als Sohn sizilianischer Vorfahren geboren und als akademischer Maler ausgebildet, hat Guccione den größten Teil der Nachkriegsjahre in Rom und Südfrankreich verbracht, wo er sich als Straßenkünstler durchschlug. Nachts zog er durch Restaurants und Bars, bot Leuten an, sie zu porträtieren oder ihnen die Zukunft vorherzusagen. Ein Porträt kostete zwei, Handlesen einen Dollar.
Eine gute Zeit, aber nicht gut genug. Guccione wollte Geld, so viel Geld, dass er nicht mehr Betrunkene für ein paar Dollar schönzeichnen musste.
"Financial Times", ordentlich sortiert
Anfang der sechziger Jahre versuchte er es mit einem 24-Stunden-Reinigungsservice in London, bis ihm die Idee kam, den "Playboy" anzugreifen, den Monopolisten im Sex-Geschäft. "Ich mag Bob", sagt der New Yorker Autor Anthony Hayden-Guest, in Gucciones Townhouse ein gern gesehener Gast, "aber seine beste Idee war es, die besten Ideen anderer Menschen zu kopieren. Erst imitierte er die urbanneurotischen Karikaturen von Jules Pfeiffer und dann Hugh Hefners "Playboy". Sogar der Name "Penthouse" ist abgekupfert: Hefner hat in den fünfziger Jahren einmal eine eigene Fernsehsendung gehabt, die er aus seinem Junggesellen-Penthouse heraus moderierte."
Guccione interessierte sich nicht für Originalität, solange die Kasse stimmte. 1965 brachte er in England das erste "Penthouse" heraus. Auf der Straße sprach Guccione Mädchen an, ob sie sich nicht mit wenig Kleidung für wenig Geld fotografieren lassen wollten. Damals lernte er auch eine Dame namens Kathy Keeton kennen. Kathy tanzte im Londoner Nachtclub Pigalle, aber das war es nicht, was Bob faszinierte. Während sich vor den Garderobespiegeln der anderen Mädchen Filmstarzeitschriften und Eigenporträts türmten, gab es vor Kathys Spiegel nur ein Foto ihrer Eltern und einen ordentlich sortierten Stapel von "Financial Times"-Ausgaben.
Unterleib in Nahaufnahme
Sie wurden das Power-Couple der Sex-Szene. Kathy verkaufte Anzeigen, und Bob, der mit seinem Magazin nun auch Amerika erobern wollte, gab sich nicht mit ein paar nackten Brüsten zufrieden, er wollte den Unterleib der Mädchen, am besten in Nahaufnahme.
Seine Ansichten waren kaum weniger brutal als seine Fotos. "Frauen im Allgemeinen", tönte er, während die Feministinnen auf der Straße ihn zur Hölle wünschten, "sind Exhibitionistinnen. Männer sind im Allgemeinen Voyeure. Wir nutzen diese Tatsache aus." Bald darauf erschienen in der "New York Times" Anzeigen mit dem Hasenlogo des "Playboy", umrahmt von einem Fadenkreuz: "Wir gehen Hasen jagen."
Der nette Methodist aus dem mittleren Westen
Hugh Hefner hat ihm diesen Angriff nie verziehen. Damals träumte Hefner davon, dass seine Bunnys einen Platz neben Mickymaus in den Wohnzimmern amerikanischer Familien finden, und da kam so ein Strolch und wollte ihn als verklemmten Onkel in den Ruhestand schicken. Hefner musste nachziehen in diesem Krieg der Schamhaare der "Playboy"-Erfinder, der sich heraufgearbeitet hatte ins Establishment, wurde abermals zu einem Ausgestoßenen. Er war wieder der Mann mit dem Tittenmagazin.
Hugh Hefner kam daher wie ein netter, weißer, methodistischer Junge aus dem mittleren Westen. Guccione war Sizilianer und Katholik. Hefner suchte das Mädchen von nebenan, und er war der Typ von nebenan, mit seiner Tabakpfeife und seinem Bademantel. Guccione war der Gauner unter der Laterne. Er stand auf Luder aus dem Ghetto, ließ sie mit Peitschen und Ketten und Dobermännern fotografieren. Hefner raste vor Wut. Guccione, dieser Drecksack, soll er gerufen haben, der schläft mit jeder billigen Nutte auf der Via Veneto.
Der Gangster und das Establishment
Das Schimpfen half nicht. Ende der siebziger Jahre hängte "Penthouse" den "Playboy" an den US-Kiosken ab. Starautoren wie Stephen King oder Philip Roth schrieben bei Guccione, der bekannte Anwalt Alan Dershowitz bekam eine eigene Kolumne.
Das New Yorker Establishment hielt den finsteren Sizilianer immer noch für einen Gangster, und der tat fast alles dafür, sein Image noch ein wenig zu verschlechtern: Er kaufte sich ein riesiges Townhouse in der Upper East Side, reingerammt in die beste Feine-Leute-Gegend wie ein sinistres Schloss. Den Eingang ließ er von fünf großen Ridgeback-Hunden bewachen. "Penthouse"-Centerfolds quartierte er zu Hause genauso ein wie neue Picassos. Und damit Kathy, seine Frau, bei Laune blieb, kaufte er ihr einen Whirlpool. Natürlich mit einem Mosaik aus Gold. Bei Führungen pflegte Guccione seinen Gästen zu sagen, der Whirlpool habe sechsmal so viel gekostet wie das Haus seiner Eltern.
Power und Pepsi Cola
Kein Zweifel: Seit dem Triumph über Hefner hielt er sich nun endgültig für den Größten, Italian Style. Für eine Art Mischung aus Julius Cäsar, Leonardo da Vinci und Al Capone. Und wie es sich für einen Herrscher gehörte, kam ihm sein Reich in der Upper East Side bald zu eng vor. Er wollte mehr. Ein Imperium.
Er glaubte an seine Genialität. Und an seine Disziplin. Er trank nicht, rauchte nicht, er nahm keine Drogen, und, vergleichbar einem Zuhälter, ihn interessierte an den Damen vor allem das Geld, welches er mit ihnen verdiente. Er hatte schließlich nicht wie Hefner eine Zeitschrift gegründet, weil er zu schüchtern war, Mädchen kennen zu lernen. Nicht Sex hieß Gucciones Aphrodisiakum. Es hieß Power und Pepsi Cola.
Atomreaktoren im Miniformat
Weder beschämt noch zufrieden mit seinem Status als Pornograf, gründete er Zeitschriften für Autoliebhaber und für Leute, die länger leben wollten. Er suchte das Glück im Spielcasinogeschäft, ausgerechnet in Jugoslawien. Er finanzierte mit vielen Millionen Dollar ein Team um den Nuklearwissenschaftler Robert Bussard, der ihm versprochen hatte, Atomreaktoren im Miniformat zu entwickeln. Noch teurer aber kam ihn sein Plan zu stehen, ein Spielcasino in der Gambling-Stadt Atlantic City zu errichten. 200 Millionen Dollar wollte er investieren. Zehn Jahre rottete der vierstöckige Rohbau im Seewind vor sich hin, weil eine Anwohnerin nicht auszog und Guccione keine Spiellizenz bekam.
Es gibt nun Leute, die behaupten, der Sex-Imperator sei in den vergangenen Jahren einfach vom Unglück verfolgt worden. Vielleicht haben sie Recht. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Niedergang des Guccione-Reichs darauf zurückzuführen ist, dass der alte Mann die Grundsätze nicht mehr begreift, die ihn einmal haben groß werden lassen. Seine Herrschaft, hat er Michael Korda, Cheflektor bei Simon & Schuster, einmal gesagt, beruhe auf dem Prinzip Familie. Er behandle jeden Mitarbeiter so interessiert und fürsorglich, als ob er mit ihm verwandt wäre. "Am Ende aber gibt es nur einen Boss mich. Es ist eine Art wohltätiger Diktatur."
Nichts, nichts gelingt mehr
Es ist Gucciones Pech, dass ebensolche Väter heute nicht mehr besonders gefragt sind. Nicht in der Firma, nicht bei seinen Blutsverwandten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass keins der fünf Guccione-Kinder bereit oder in der Lage war, die Nachfolge des Vaters anzutreten. Der medienbegabteste von allen, Bob Guccione Jr., gibt heute zwei eigene Zeitschriften heraus, aber mit dem Vater spricht er seit über zehn Jahren kein Wort mehr. Seit Gucciones Ehefrau 1997 an Brustkrebs starb, gibt es niemanden mehr, der an den greisen Patriarchen wirklich herankommt. Gucciones große Niederlage ist seine Einsamkeit, und sie ist gleichzeitig ein später Triumph für seinen ewigen Konkurrenten, den kreuzfidelen "Playboy"-Chef Hugh Hefner, dessen Tochter Christie vor über einem Jahrzehnt begann, dass Unternehmen in die elektronischen Medien hineinzuverpflanzen.
"Er ist ein guter Künstler mit einem ausgezeichneten Geschmack. Es ist nicht so, dass bei seinen Partys nackte Frauen herumstehen", sagt Alan Dershowitz. Na ja. Dershowitz hat Guccione oft vertreten, und er ist so etwas wie ein Freund. Aber die Wahrheit ist, dass Guccione heutzutage nichts mehr gelingt.
Picasso ersetzen
Er hat auch nie geplant, bis ins hohe Alter die Geschäfte zu führen. Wie die Zukunft aussehen sollte, hat Sohn Tony einmal einem Reporter verraten. "Schau dir mal die Kennedys an. Joe Kennedy war ein Schwarzbrenner. Dann wird sein Sohn Präsident, und der Enkel JFK Jr. gehört jetzt zur amerikanischen Königsklasse. Deshalb werden die Gucciones der dritten Generation, meine Söhne, einmal so leben wie die Kennedys. Und niemand wird sich mehr erinnern, dass wir von einem so genannten Pornografen abstammen."
Die Kennedys das war der Plan. Wahrscheinlich muss der Alte, wenn er nachts nicht schlafen kann und wieder eines dieser Bilder malt, das einen Picasso ersetzen muss, genau daran denken. Vielleicht hat er aber auch Glück. Und Glück hieße in seinem Fall nicht länger schöne Frauen oder ein Haufen Geld oder ein Anwalt, der einen Gerichtssaal dirigieren kann wie ein Symphonieorchester.
Glück hieße in seinem Fall nur noch ein schlechtes Gedächtnis und ein Freund, der ihm etwas zu essen bringt und alle paar Tage neue Farben.
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