Wirtschaft



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13.06.2002
 

Umweltskandal

Giftmüll von Großunternehmen auf bayerischen Feldern

Ein Umweltskandal in Bayern bringt einige Großunternehmen in Erklärungsnot. Neben der Lufthansa haben offenbar auch Ford und Agfa monatelang ätzenden Giftmüll an einen Bauern zur Entsorgung geliefert, den dieser dann einfach auf seinen Feldern verteilt haben soll.

Grässlicher Gestank: Mit Giftmüll kontaminierte Felder im bayerischen Neuendettelsau
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DDP

Grässlicher Gestank: Mit Giftmüll kontaminierte Felder im bayerischen Neuendettelsau

Neuendettelsau/Leverkusen - Der Landwirt steht im Verdacht, auf diese Weise in den vergangenen beiden Jahren insgesamt rund 4000 Tonnen Alt-Chemikalien illegal entsorgt zu haben. Dazu gehören nach Angaben der Staatsanwaltschaft Ansbach unter anderem der Krebs erregende Stoff Toluol, Ameisensäure, das Blutgift Anilin sowie Phenole und Pyridin.

Agfa hat nach Angaben Firmen-Sprechers Hartmut Hilden vom September 2001 an bis zum Frühjahr dieses Jahres insgesamt 140 Tonnen wässerige Lösungen aus der Fotochemikalien-Produktion nach Neuendettelsau geliefert. Agfa sei von einem Lieferanten auf den fränkischen Entsorgungsbetrieb aufmerksam gemacht worden, sagte Hilden. Der Landwirt habe alle erforderlichen Genehmigungen vorweisen können und sei auch in der amtlichen Verwerterdatei des bayerischen Landesamtes für Umweltschutz geführt worden.

Auch bei einer Vor-Ort-Besichtigung seien die Agfa-Experten nicht argwöhnisch geworden. "Es ist uns zumindest nichts aufgefallen, dass da was nicht stimmen könnte", berichtete der Sprecher. Hilden betonte, bei der Wahl des Neuendettelsauer Entsorgers sei auch nicht der Preis ausschlaggebend gewesen. "Der Mann hat durchaus marktübliche Preise verlangt", sagte er, ohne Details zu nennen.

Zu den Kunden des fränkischen Betreibers einer Biogasanlage haben auch die Ford-Werke im saarländischen Saarlouis gehört. Nach Angaben eines Ford-Sprechers in Köln lieferte der Autohersteller fünf Monate lang - von Dezember 2000 bis April 2001 - rund 95,54 Tonnen wässerige Suspensionen, die Farbe und Lacke enthielten. Die Lieferung nach Mittelfranken sei über die deutsche Tochter eines französischen Entsorgungsunternehmens gelaufen.

Ein Verschulden seines Unternehmens sieht der Sprecher nicht. "Die Entsorgungsanlage des Landwirts hatte eine Zulassung des bayerischen Landesamtes für Umweltschutz für genau diese Abfallart", betonte er.

Angaben der Firma Agfa bringen unterdessen das Landratsamt Ansbach unter Druck. Wie Firmensprecher Hilden berichtete, habe die Behörde dem Unternehmen vor Abschluss des Entsorgungs-Kontrakts schriftlich bestätigt, dass der Bauer die entsprechenden Genehmigungen besaß. Bislang hatte das Landratsamt immer behauptet, lange Zeit nichts von den Machenschaften des Landwirts gewusst zu haben. Beschwerden von Anwohnern, deren Lebensqualität durch Gestank und Schadstoffe zunehmend beeinträchtigt wurde, sollen jedoch Monate lang ins Leere gelaufen sein.

Auch die Umweltbehörden des Freistaats geraten immer stärker in die Schusslinie. So forderten die Grünen im Landtag am Donnerstag in einem Dringlichkeitsantrag wegen des Giftmüllskandals personelle Konsequenzen im Umweltministerium und dem Landesamt für Umweltschutz in Augsburg.

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