Wirtschaft



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10.07.2002
 

Streit um Telekom-Chef Sommer

Kein Nachfolger, kein Rauswurf

Im Aufsichtsratspräsidium der Telekom hat es während der zehnstündigen Krisensitzung angeblich "tierisch gekracht". Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass es noch keine Mehrheit für eine Ablösung von Telekom-Chef Ron Sommer gibt.

Kampf um Posten und Ehre: Telekom-Chef Ron Sommer
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DDP

Kampf um Posten und Ehre: Telekom-Chef Ron Sommer

Bonn - Nach übereinstimmenden Angaben aus unternehmensnahen Kreisen in Bonn und politischen Kreisen in Berlin haben sich die Arbeitnehmervertreter im Präsidium des Aufsichtsrats vorerst gegen eine Ablösung Sommers ausgesprochen.

Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus habe in der Sitzung des Gremiums am Dienstag keine überzeugende Personal-Alternative zu Sommer bieten können, hieß es. Deshalb seien die Arbeitnehmervertreter nicht mit einer Ablösung Sommers einverstanden gewesen.

Widersacher: Vorstandschef Sommer, Aufsichtsratsvorsitzender Winkhaus
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AP

Widersacher: Vorstandschef Sommer, Aufsichtsratsvorsitzender Winkhaus

Winkhaus, ehemals Chef des Henkel-Konzerns, habe ein katastrophales Bild geboten, hieß es weiter. Sollte ein geeigneter Nachfolger präsentiert werden können, sei eine Zustimmung der Arbeitnehmervertreter aber nicht ausgeschlossen. Auch Winkhaus müsse dann möglicherweise seinen Hut nehmen. Der gesamte 20-köpfige Telekom-Aufsichtsrat wird am Dientag zusammenkommen, um über eine mögliche Neubesetzung des Chefsessels und die Situation des Unternehmens zu beraten.

Der Kurs der T-Aktie Chart zeigen war am Dienstag angesichts der Spekulationen um Sommer um mehr als sechs Prozent gestiegen. Auch am Mittwoch hielt sich das Papier bis zum Abend mit einem Minus von 1,5 Prozent noch vergleichsweise gut, der Dax brach gleichzeitig um 3,4 Prozent ein.

Nach bisherigen Informationen soll die von Winkhaus und Finanzstaatssekretär Manfred Overhaus angeführte Arbeitgeberseite eine Ablösung Sommers favorisieren. Auch der ehemalige Dresdner-Bank-Chef Bernhard Walter, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, soll sich über die finanzielle Situation des Unternehmens beklagt haben und personelle Konsequenzen angeregt haben.

Im Präsidium des Aufsichtsrates habe es "tierisch gekracht". Winkhaus sei "dilettantisch" vorgegangen, was eine "verheerende Außenwirkung" habe, wurde in den Berliner Kreisen beklagt.

Trotz des Drucks, auch von Seiten der Politik, ist Sommer entschlossen, im Amt zu bleiben. Aus Unternehmenskreisen verlautete am Mittwoch in Bonn, Sommer kämpfe um seinen Posten und seine Reputation.

Im gesamten Aufsichtsrat soll außerdem großes Unverständnis darüber herrschen, dass sich Winkhaus ohne umfassende Begründung für die Ablösung Sommers ausgesprochen habe. Er sei auf Distanz gegangen, ohne dass neue unternehmerische Nachrichten vorlägen. Winkhaus wolle sein eigenes Fell retten, laute der Vorwurf.

Kritik an Schröders Taktiererei

Aus dem Unternehmen wurde auch Kritik an Bundeskanzler Gerhard Schröder laut. Unter dem Druck der Opposition habe dieser versucht, Sommer durch eine erhöhte Taktzahl gezielter Indiskretionen zur Aufgabe zu drängen. Sommer sei entschlossen standzuhalten. Wenn Schröder noch etwas machen wolle, müsse er aus der Deckung kommen, hieß es.

Ein Sprecher des Unternehmen wies darauf hin, dass sich die Finanzlage der Telekom zu bessern beginne. Man rechne auf jeden Fall damit, bis Ende des Jahres die Schulden um rund acht Milliarden Euro auf etwa 60 Milliarden Euro senken zu können.

Das "Handelsblatt" berichtete, der Konzern habe allein im zweiten Quartal den Schuldenberg auf unter 65 Milliarden Euro abbauen können, größtenteils aus eigener Ertragskraft. Die Telekom habe unter anderem den Abwärtstrend im Festnetzgeschäft gestoppt und den Umsatz gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 um etwa zehn Prozent gesteigert.

Unterstützung bekam Sommer vom ehemaligen Telekom-Aufsichtsratsmitglied Peter Glotz. Der SPD-Medienexperte sagte im Berliner "Inforadio", mit der Ablösung des Managers wäre nichts gewonnen. Im Kern gehe es um eine Wirtschaftskrise, von der die gesamte Branche erfasst worden sei. British Telecom und France Télécom stünden schlechter da als die Deutsche Telekom. "Die Idee, man wechselt jetzt den Mann aus, und dann steigt der Kurs wieder, ist einfach naiv. So sind die Märkte nicht."

Henkel bescheinigt Sommer gute Arbeit

Es gebe allerdings berechtigte Fragen, zum Beispiel ob die Entscheidung richtig war, aus der Telekom einen Global Player zu machen und für 30 Milliarden Euro das US-Mobilfunkunternehmen VoiceStream zu kaufen, meinte Glotz. Das werde sich erst in einigen Jahren zeigen. Wenn es sich dann als Flop erweise, könne man sagen, Sommer habe einen großen Fehler gemacht. "Amerika ist ohne Zweifel ein Risiko, aber Unternehmertum ohne Risiko funktioniert nicht."

Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel kritisierte im ZDF-Morgenmagazin, gerade ausländische Investoren schätzten es überhaupt nicht, wenn die Politik sich in Unternehmen einmische. Seiner Ansicht nach hat Sommer viel Positives bewirkt. Er sei fest davon überzeugt, dass es bei der Telekom nur bergauf gehen könne und auch bergauf gehen werde.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering dagegen erklärte ebenfalls im ZDF-Morgenmagazin, angesichts des Vertrauensverlustes vieler Anleger müsse der Telekom-Aufsichtsrat wissen, dass Handlungsbedarf bestehe. Es gehe zwar nicht um eine Person. Das Unternehmen müsse sich aber Gedanken machen, wie das Vertrauen der Anleger wieder gewonnen werden könne.

Sommer werden unter anderem verhängnisvolle Weichenstellungen wie die teure Übernahme der defizitären US-Mobilfunkgesellschaft VoiceStream angelastet. Diese soll sich nach einem Bericht des "Wall Street Journal" in Fusionsverhandlungen mit AT&T Wireless befinden. Gemeinsam würden beide den zweitgrößten Mobilfunker in den USA bilden, meldete die Zeitung.

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