Wirtschaft



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30.07.2002
 

Telekom-Börsengang

Wie Hunzinger und Baumeister für Kleinwort Benson trommelten

Moritz Hunzinger versuchte Mitte der Neunziger, Einfluss auf den Börsengang der Deutschen Telekom zu nehmen. Der Lobbyist warb beim damaligen Kanzleramtschef Bohl dafür, die Investmentbank Kleinwort Benson mit ins Emissionskonsortium zu nehmen. Schützenhilfe erhielt er von der früheren CDU-Fraktionsgeschäftsführerin Baumeister.

Tanzt auf vielen Feten: Moritz Hunzinger
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DPA

Tanzt auf vielen Feten: Moritz Hunzinger

Stuttgart - Hunzinger wandte sich bei der anstehenden Privatisierung der Telekom Chart zeigen im Jahr 1994 direkt an den damaligen Chef des Bundeskanzleramtes, Friedrich Bohl. In einem Schreiben Hunzingers an Bohl, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es, "wir sprachen, vermittelt von unserem gemeinsamen Freund Michael Jung MdB, ..., über meine Interessen bei der Telekom-Privatisierung. Dabei lernten Sie auch den Chef des Hauses Kleinwort Benson, Herrn Borggreve, kennen." Hunzinger führt in dem Brief weiter aus, dass möglicherweise andere Banken als die von ihm genannte Investmentbank Kleinwort Benson zum Zuge kommen könnten. Das Institut gehört heute unter dem Namen Dresdner Kleinwort Wasserstein zur Allianz-Gruppe Chart zeigen.

Er habe gehört, dass es bei der Telekom starke Tendenzen gebe, "die Entscheidungsfindung in Sachen Privatisierungs-Konsortium an sich zu ziehen. Insbesondere scheinen bekannte Verbindungen zwischen Goldman Sachs und Warburg zur Telekom ausschlaggebend zu sein", schrieb Hunzinger im Oktober 1994. Der Lobbyist riet Bohl: "Lassen sie sich das Heft nicht aus der Hand nehmen."

Zum damaligen Zeitpunkt war noch nicht endgültig klar, welche Banken die Telekom-Aktien platzieren würden. Wer Teil des Konsortiums war, konnte Millionen an Provisionen verdienen. Die Entscheidung darüber erklärte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl laut einem Bericht des "Südwestrundfunks" (SWR) seinerzeit zur Chefsache.

Hunzinger bestätigt Arbeit für Kleinwort

Tatsächlich gehörte die Investmentbank später zum Konsortium, das die Telekom an die Börse brachte. Hunzinger bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE die Echtheit des Briefs. Sein Unternehmen sei für Kleinwort tätig gewesen.

Die Dresdner Bank sagte auf Anfrage, zwischen der Kleinwort Benson Deutschland GmbH und Hunzinger habe ursprünglich ein Vertrag bestanden. Mit der Übernahme der Investmentbank durch die Dresdner sei die Geschäftsbeziehung mit Herrn Hunzinger jedoch 1995 beendet worden.

Zwei Tage nach dem Schreiben Hunzingers wandte sich die damalige Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion, Brigitte Baumeister, in derselben Angelegenheit ebenfalls an Bohl. In ihrem Schreiben, das auf offiziellem Briefpapier geschrieben ist, wirbt Baumeister bei dem "lieben Fritz" ebenfalls für Kleinwort Benson: "Bezüglich des Privatisierungs-Konsortiums bei der Telekom möchte ich Ihnen das Unternehmen Kleinwort Benson empfehlen. (…) Ich bitte Sie, die Firma Kleinwort Benson im Rahmen des Möglichen angemessen zu berücksichtigen."

Als Argument führt die Politikerin gegenüber Bohl an, Kleinwort sei bereits an Privatisierungen wie der von "Britisch Telekom" (sic!) und "Britisch Gas" (sic!) beteiligt gewesen. Ein weiteres gewichtiges Argument der Ex-Fraktionsgeschäftsführerin: "Das Unternehmen ist als seriös bekannt". Baumeister bestätigte laut SWR auf Anfrage, dass sie Hunzinger in ihrer Funktion als Schatzmeisterin einige Male eingeladen hatte. Sie selbst sei wiederum ebenfalls bei Veranstaltungen Hunzingers dabei gewesen. Unter anderem hielt sie nach ihrer eigenen Erinnerung einen Vortrag zur "Neuregelung der Parteienfinanzierung". Baumeister erklärte, sie habe jedoch keinerlei Honorar oder andere Leistungen von Hunzinger erhalten.

Allerdings gibt es interessante Querverbindungen zwischen der Investmentbank und Baumeister: Bei dem damaligen Chef von Kleinwort Benson, Hendrik Borggreve, handelt es sich den Ex-Ehemann von Kristina Gräfin Pilati-Borggreve, der heutigen Lebensgefährtin von Rudolf Scharping. Die Rechtsanwältin vertrat Brigitte Baumeister in der CDU-Spendenaffäre.

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