Wirtschaft



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02.08.2002
 

MLP-Börsenabsturz

Hunderte Millionen in Minuten vernichtet

MLP-Chef Bernhard Termühlen gelingt es nicht, den beispiellosen Kursverfall der Aktien des Finanzdienstleisters zu verhindern. Jetzt wächst unter den Anlegern die Angst, dass der Wert aus dem Dax verbannt wird.

Kämpft gegen den Imageverlust seines Unternehmens: MLP-Chef Termühlen
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MLP AG

Kämpft gegen den Imageverlust seines Unternehmens: MLP-Chef Termühlen

Frankfurt am Main - Die Aktien von MLP Chart zeigen brachen bis 10.15 Uhr um 30,08 Prozent auf 10,90 Euro ein. Bis zum Mittag konnte sich das Papier nur leicht erholen und lag mit 27 Prozent bei 11,30 Euro im Minus. Der Dax verlor in der selben Zeit 0,6 Prozent auf 3584,9 Punkte.

Ende März dieses Jahres hatte das Papier noch bei knapp 80 Euro notiert. Auf ihrem Höchststand am 2. Oktober 2000 hatten Anleger sogar 190 Euro für eine MLP-Aktie bezahlt.

Die Angst, dass der MLP-Titel aus dem Standardwerte-Barometer herausfallen könnte, greife weiter um sich, sagte ein Händler. Langsam griffen auch die "Stopp Loss-Order", also Verkaufsaufträge, die bei Unterschreiten eines bestimmten Kurses automatisch in Gang gesetzt werden.

"Die Deutsche Börse hat am 31. Juli die Kappungsgrenze festgestellt, und demnach müsste eigentlich Epcos durch Altana ersetzt werden und nicht MLP aus dem Dax fliegen", sagte ein Analyst einer Privatbank am Morgen. "Das ist bei den Anlegern offenbar falsch angekommen." Die Frage sei jedoch, ob die Deutsche Börse mehr auf Kontinuität im Dax setze oder harte Bemessungskriterien anwende.

Rein rechnerisch ist der Verbleib von MLP im Dax noch nicht gefährdet. In Bezug auf den Umsatz belegt der Titel Rang 20. Bei der Marktkapitalisierung ist das Papier allerdings durch die hohen Verluste der letzten Zeit auf den Platz 31 abgerutscht. Nach den Regeln der Deutschen Börse darf ein DAX-Unternehmen bei der Marktkapitalisierung nicht hinter Platz 35 rutschen.

Die endgültige Entscheidung über die neue Rangliste will die Deutsche Börse Mitte August fällen, am 20. September träte dann eine Indexänderung in Kraft.

Immer wieder sind im Markt auch Gerüchte über Zwangsverkäufe von Mitarbeiteraktien zu hören. Viele MLP-Angestelle und -Berater sollen ihre Bestände beliehen haben. Nach dem Fall der Aktie hätten Banken bereits bei einem Kurs von 80 Euro diese Sicherheiten nicht mehr akzeptiert, so dass verkauft werden musste, sagt ein Händler. Diese Tendenz habe sich natürlich mit steigendem Wertverlust der Anteilsscheine verschärft. Jüngste Spekulationen, wonach sogar der Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen von seinen Banken zur Auflösung seiner Beteiligung gezwungen worden sei, wurden allerdings vom Unternehmen selbst am Donnerstag heftig dementiert.

"Die Gerüchte und Spekulationen dürften das Geschäft von MLP empfindlich getroffen haben", gibt ein Analyst zu bedenken. Gerade die Zielgruppe der Akademiker werde durch die negativen Nachrichten das Vertrauen in das Heidelberger Unternehmen verloren haben. Dadurch sei ein Festhalten an jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent sehr unwahrscheinlich geworden.

Ein Sprecher von MLP betonte am Freitag, der Kursverfall der Aktie stehe in keiner Relation zur fundamentalen Situation des Unternehmens. Die Verluste der Aktie seien vielmehr auf die negativen Schlagzeilen sowie die allgemeine Kapitalmarktschwäche zurückzuführen. Für mögliche Zwangsverkäufe von Mitarbeiteraktien gebe es keine Anzeichen, sagte er. Insgesamt sei der Kursrutsch aber für das Geschäft mit den Neukunden nicht förderlich. Die Berater von MLP müssten nun längere Gespräche mit möglichen Kunden führen, um diese zu gewinnen. Die Zahl der Bestandskunden sei aber stabil geblieben.

Gerüchte um eine mögliche Gewinnwarnung wollte der Sprecher nicht kommentieren. Er verwies lediglich auf die am 15. August zur Bekanntgabe anstehenden Halbjahreszahlen. Da diese Zahlen noch nicht vorlägen, könne er sich nicht dazu äußern, sagte er.

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