Wirtschaft



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26.08.2002
 

Aktien-Optionen

Ohrfeige für Telekom und Daimler

Die Fondsgesellschaft Union Investment übt harsche Kritik an der Art und Weise, in der deutsche Top-Unternehmen ihre Manager mit Aktienoptionen belohnen. Viele Chefs erhielten selbst bei dürftigen Leistungen fürstliche Prämien.

Schieflage: Telekom-Chefs können selbst dann extra für Leistung entlohnt werden, wenn sich die Konkurrenz besser entwickelt
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DPA

Schieflage: Telekom-Chefs können selbst dann extra für Leistung entlohnt werden, wenn sich die Konkurrenz besser entwickelt

Frankfurt am Main - In ihrer am Montag veröffentlichten Studie hat die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken die Vergütungsprogramme für Manager der Dax-30-Unternehmen untersucht. Viele Manager, so das Fazit, profitieren auch dann, wenn der Aktienkurs ihres Unternehmens nur geringfügig steigt - und selbst dann, wenn andere Unternehmen derselben Branche besser dastehen. Die Autoren der Studie konstatieren daher eine "Tendenz zur Selbstbedienung".

Schlechte Noten erhielten unter anderem die Vergütungsprogramme von Deutscher Telekom und DaimlerChrysler. Beide wurden - auf einer Skala von eins bis fünf - mit 4,4 bewertet. Das Optionsprogramm der Telekom, das eine Laufzeit von zehn Jahren habe, verlange in diesem Zeitraum lediglich eine Wertsteigerung der T-Aktie um insgesamt 20 Prozent. Wird dieses Ziel erreicht, könnten die Manager ihre Optionen ausüben.

"Dies bedeutet, dass bereits bei einer Rendite von weniger als zwei Prozent jährlich für die Begünstigten die Sektkorken knallen", monierte Union-Sprecher Rolf Drees. Hinzu komme, dass die Entwicklung der T-Aktie nicht mit einem repräsentativen Branchenindex verglichen werde. Negativ bewertet wurde drittens, dass die Telekom die Kosten der Optionszahlungen nicht in ihrer Bilanz ausweise.

Auch bei DaimlerChrysler hängt die Latte, an der der Erfolg der Manager gemessen wird, nach Auffassung der Fondsgesellschaft "unangemessen niedrig". Hier werde ebenfalls eine jährliche Kurssteigerung von nur zwei Prozent erwartet. Die Kosten der Entlohnungsprogramme berücksichtige DaimlerChrysler in seiner Gewinn- und Verlustrechnung nur teilweise. Schlechte Noten erhielten auch die Deutsche Bank (4,3), deren Programme künstlich kompliziert seien, sowie Epcos (4,2), Siemens (3,9) und Volkswagen (3,8).

Am besten schneidet laut Jens Wilhelm, dem Leiter des Union-Aktienfondsmanagements, die Lufthansa mit einer Gesamtnote von 1,2 ab. Positiv sei, dass die Fluglinie ihren Managern im Rahmen der Optionsprogramme nur einen Kaufrabatt von 20 Prozent einräumt - also müssen die Führungskräfte 80 Prozent des Aktienpreises aus eigenen Mitteln bezahlen. Zudem erhielten sie eine Option, die nur dann zu einer zusätzlichen Vergütung führe, wenn die Lufthansa-Aktie sich besser entwickele als die Aktien wichtiger Wettbewerber.

Auf den weiteren Gewinner-Plätzen folgen BASF, RWE und Schering sowie Adidas. Bei RWE zum Beispiel könnten Manager die zusätzlichen Leistungsentgelte nur dann in Anspruch nehmen, wenn die RWE-Aktie jährlich um sechs Prozent im Wert steigt, bei Adidas seien es mehr als acht Prozent. Der Sportartikel-Hersteller verlange in seinen Optionsbedingungen zudem, dass die Adidas-Aktie die ihrer Konkurrenten um jährlich ein Prozent übertrumpft.

Union Investment hat für die Untersuchung vier Kriterien für die Benotung formuliert. Ein Maßstab ist das absolute Renditeziel, das laut Wilhelm bei mindestens acht Prozent liegen sollte. Ein weiterer Punkt sei der nachhaltige Branchenvergleich: "Erst wenn sich eine Aktie langfristig besser entwickelt als die Kurse der wichtigen Wettbewerber, verdienen die Manager eine zusätzliche Vergütung. Andernfalls würden die Manager für den Rückenwind einer günstiger Branchenkonjunktur entlohnt."

Auch die langfristige Ausrichtung - mindestens fünf, besser zehn Jahre - mit einer entsprechenden Sperrfrist sei ein wichtiges Kriterium. Viertens wurde auch die bilanzwirksame Erfassung der Programme von Union Investment unter die Lupe genommen. Die Fondsgesellschaft fordert, dass Aktienoptionsprogramme in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden, weil sonst die tatsächliche Ertragslage der Unternehmen falsch dargestellt werde - eine Forderung, die nach den jüngsten Bilanzskandalen auch in den USA immer öfter und lauter geäußert wird.

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