Wirtschaft



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27.08.2002
 

Axel Springer Verlag

Kampf um die Meinungsvielfalt

Von Michael Kröger

Im Kampf um die Macht im Axel Springer Verlag kämpft Verleger-Witwe Friede Springer an allen Fronten. Auf der einen Seite greift die WAZ-Gruppe an, auf der anderen verlangen die Springer-Enkel mehr Einfluss im Konzern.

Angriff aus Essen: Axel Springer Verlag in Berlin
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Angriff aus Essen: Axel Springer Verlag in Berlin

Berlin/Düsseldorf - Die Schlacht ist gewonnen, doch der Krieg ist noch lange nicht zu Ende. Gestern wies ein Gericht die Klage Axel Sven Springers ab, der detaillierte Auskünfte über die geschäftlichen Aktivitäten seiner Stiefgroßmutter verlangte. Die Klage von Ariane Springer mit dem gleichen Begehren setzten die Richter aus. Immerhin ließen sie die sofortige Beschwerde beim Kammergericht zu.

Die Springer-Enkel wollen in erster Linie wissen, ob Friede Springer als Mitglied des Aufsichtsrats dem Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner direkte Handlungsanweisungen erteilt hat. Sie vermuten, dass ihre Stiefgroßmutter auf diese Weise gegen das Aktienrecht verstoßen haben könnte.

Hintergrund des Rechtsstreits ist der Wunsch der Springer-Enkel, sich innerhalb des Verlages mehr Einfluss zu verschaffen. Friede Springer dagegen ist darauf aus, die Mitspracherechte der übrigen Familienmitglieder immer weiter zurückzuschrauben. Seit Jahren bemüht sie sich erfolgreich, ihre Aktienmehrheit im Verlag auszubauen. Von Springers Kindern Barbara Choremi und Raimund Nicolaus hat sie bereits alle Anteile erworben.

Inzwischen hält Friede Springer rund 90 Prozent der Holding namens Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, in der die gesamten Anteile in Höhe von 50 Prozent plus zehn Aktien am Axel Springer Verlag gebündelt sind. Ariane und Axel Sven Springer halten jeweils fünf Prozent. Doch selbst dieser Anteil scheint Friede Springer noch zu hoch zu sein: Den vorerst letzten Versuch, die Rechte ihrer Stiefenkel zurückzustutzen, unternahm sie zum Jahresende 2001, als sie den Gesellschaftervertrag kündigte - allerdings ohne Folgen.

Einen Effekt könnte der andauernde Familienzwist haben, der keinesfalls im Interesse von Friede Springer sein kann. Durch die Auseinandersetzungen müde geworden, so wird spekuliert, könnten Ariane und Axel Sven Springer über den Verkauf ihrer Anteile am Verlag nachdenken. Das wiederum bringt die WAZ-Gruppe ins Spiel. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" lotet der Essener Zeitungskonzern bereits die rechtlichen Möglichkeiten aus, um sich die Mehrheit von über 50 Prozent am Springer Verlag zu sichern.

Dieses Ziel wäre allerdings nur mit Anteilen vom Springer-Familien-Clan zu erreichen. Denn es befinden sich lediglich 9,67 Prozent der Aktien im Streubesitz. Zur Stimmenmehrheit würden der WAZ-Gruppe selbst dann noch sechs Aktien fehlen, wenn sie neben dem Kirch-Paket die gesamten Streubesitz-Aktien aufkaufen würde.

Die Springer-Erben allerdings - jedenfalls Ariane und Axel Sven - besitzen lediglich Anteile an der Holding, sind also nur indirekt an dem Verlag beteiligt. Abgesehen vom Couponschneiden können sie mit ihrem Erbe nichts anstellen - es sei denn, sie verkauften es ihrer Stiefgroßmutter.

Die Unterhändler der WAZ-Gruppe lassen sich davon offenbar nicht entmutigen. Zurzeit verhandeln sie mit Kirchs rechter Hand Dieter Hahn zunächst über das 40-Prozent-Paket des Medienmoguls. Eine Einigung steht allerdings noch aus. "Wir haben unterschiedliche Vorstellungen über den Kaufpreis", erklärte der WAZ-Sprecher.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge fordert Kirch über eine Milliarde Euro und damit rund 200 Millionen mehr, als der WAZ-Konzern zu zahlen bereit ist. Dessen Angebot soll sich unbestätigten Angaben zufolge auf 790 Millionen Euro belaufen - was wiederum 17 Prozent über dem Börsenwert der Papiere liegen würde.

Immerhin scheint der Fortgang der Verhandlungen im Hause Springer bereits einige Nervosität auszulösen. Anders jedenfalls ist die publizistische Offensive der Springer-Blätter nicht zu erklären: Am Montag ließ die "Welt" Laurenz Meyer und Thomas Goppel vor dem WAZ-Einstieg beim Axel Springer Verlag warnen. Die Generalsekretäre von CDU und CSU malten die Gefahr einer Verschiebung des politischen Koordinatensystems an die Wand. Am Dienstag brachte die "Bild"-Zeitung ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Wolfgang Donsbach. Der sprach von einer Gefahr für die Medienvielfalt auf dem Zeitungsmarkt, die wichtig sei für die politische Kultur. "Das politische Gleichgewicht in der Presse lebt von verschiedenen Anbietern", sagte der Professor der TU-Dresden.

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