Berlin/Hamburg - Die von der Regierung angekündigte Rettung entfachte ein Kursfeuerwerk in Frankfurt. Zu Börsenbeginn sprang der Kurs der MobilCom-Aktie
um 257 Prozent auf 4,0 Euro.
Als klassischen Fall eines "Babcock-Holzmann-Effekts" beschreibt ein Händler die Kursgewinne von MobilCom. Da kaum noch ein Institutioneller in dem Papier sei, der dagegenhalten könne, ging der Kurs ungebremst nach oben. Sollte es nicht gelingen, France Telecom rechtlich zu belangen, sei die Zukunft von MobilCom auf mittlere Sicht aber düster und die Insolvenz nur auf ein Datum nach der Bundestagswahl verschoben.
Mit den Finanzierungszusagen solle eine Insolvenz abgewendet werden, sagte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller am Sonntagabend in Berlin nach einer mehrstündigen Krisensitzung. 320 Millionen Euro kommen von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die erste Tranche von 50 Millionen Euro solle bereits am Montag ausgezahlt werden.
Dies ergebe einen Rahmen für die Restrukturierung des Kerngeschäfts und die Fortführung des UMTS-Geschäfts, sagte Müller. Damit sei der Weg frei für eine einvernehmliche Lösung mit France Télécom in den nächsten Wochen.
Der Minister betonte ausdrücklich die Finanzierungsverpflichtungen des französischen Telekom-Konzerns, der MobilCom mit seinem Rückzug vor das Aus gestellt hatte.
Angedrohten Klagen nach dem Rückzug bei MobilCom gibt die France Télécom dagegen wenig Chancen. "Wir sind juristisch in einer sehr soliden Position", bekräftigte France-Télécom-Vorstand Jean-François Pontal laut der französischen Zeitung "Le Figaro" vom Samstag. MobilCom hatte erklärt, es würden Klagen auf Schadenersatz geprüft. Schmid wirft den Franzosen Vertragsbruch vor und kündigte bereits eine Milliardenklage gegen den französischen Konzern an, der an MobilCom 28,5 Prozent hält.
Vermittelte den Millionen-Deal: Bundeswirtschaftsminister Werner Müller
Der umstrittene Gründer und MobilCom-Mehrheitsaktionär Gerhard Schmid will als weiteren Teil der Lösung seine Aktien an einen Treuhandfonds übergeben. Schmid ist eine Reizfigur für die Franzosen, die ihn für den Hauptschuldigen der Krise bei MobilCom halten.
An dem Krisengespräch in Berlin nahmen neben Müller und Schmid auch MobilCom-Chef Thorsten Grenz, Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer sowie Vertreter des Kanzleramts und des Finanz- und Justizministeriums teil.
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte angekündigt, sich für den Fortbestand von MobilCom einsetzen zu wollen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Matthias Wissmann, warnte am Samstag unter Hinweis auf die Erfahrungen mit dem Bauriesen Philipp Holzmann vor Bürgschaftszusagen Schröders. Die Philipp Holzmann AG musste gut zwei Jahre nach der spektakulären Rettung durch Schröder dieses Jahr Insolvenz anmelden.
Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Matthias Kurth, hat unterdessen eine Mitverantwortung für die Existenzkrise der MobilCom abgelehnt. Zwar werde der hohe Preis der UMTS-Mobilfunklizenzen immer wieder gerne als Ursache der Probleme genannt, sagte Kurth der "Frankurter Allgemeinen Zeitung". "Es war aber eine Entscheidung der Unternehmen, die Gebote in dieser Höhe abzugeben." Das Risiko und die Marktchancen einer neuen Technik zu bewerten sei Sache der Unternehmen. "Die Regulierungsbehörde haftet nicht, wenn der eine oder andere sich dabei getäuscht hat." Die Milliardenkosten für den Erwerb der UMTS-Lizenzen und den Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland gelten als Hauptursache für die Schieflage der MobilCom.
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