Das schlechte Image sei eben entscheidend gewesen, sagen auch Analysten und Banker. Privatanleger hätten sich nach den Skandalgeschichten um EM.TV und Comroad immer weniger mit dem Neuen Markt identifiziert, sagt Marius Hoerner, Analyst beim Bankhaus Lang & Schwarz. Sein Kollege Wolfgang Kuhl von der SEB Bank stimmte ihm zu. "Die Auflösung ist das Beste, was dem deutschen Kapitalmarkt passieren kann." Und der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften begrüßt es, dass die Deutsche Börse "wieder Vertrauen in die Märkte erzielen möchte". Das Ende des Nemax sei gut, finden die Banken, dennoch wird auch Kritik laut. "Die Börse hat es nicht geschafft, das Vertrauen in das Segment wieder herzustellen", sagte Analyst Peter Thilo Hasler von der HypoVereinsbank
Auch die Nemax-Unternehmen sind überrascht
Viele der betroffenen 264 Unternehmen aus dem Nemax zeigten sich von der angekündigten Auflösung völlig überrascht. Man habe ja schon länger geahnt und gehofft, dass die Deutsche Börse endlich handeln würde, sagten Firmensprecher. Einige Unternehmen wie den österreichischen Notebook-Herstellers Gericom reagierten auf die Nachricht mit Unverständnis. Bei wiederholten Treffen zwischen Nemax50-Vorständen und der Börse sei ein solch drastischer Schritt nie besprochen worden, sagte Gericom-Sprecher Gerhard Leimer. Das jüngste Treffen habe erst vor zwei bis drei Wochen statt gefunden.
Trotz der Überraschung reagieren die Unternehmen in der Mehrheit positiv auf die Nachricht vom angekündigten Tod des ungeliebten Nemax. Das Ansehen des Neuen Marktes sei deutlich beschädigt worden, sagte der Finanzchef des DVD-Anlagenherstellers Singulus, Christian Holtmann. Das neugeplante "Premium"-Segment sei eine gute Sache. Je klarer die Auswahl der Unternehmen stattfinde, desto besser sei dies für den Anleger, der sich dann auf einzelne Branchen fokussieren könne.
"Alles was dazu dient, das Vertrauen in den Markt wieder herzustellen, ist positiv", sagte auch der Finanzchef des CD-und DVD-Anlagenbauers Steag Hamatech, Joachim Eppinger. "Ob das Ganze nun unter dem Namen Neuer Markt oder Prime Standard weiterläuft, spielt dabei keine Rolle."
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