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Schlachtfeld Ernährung Das amerikanische Fett- und Zucker-Desaster

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Lebensmittelkonzerne hinter den Kulissen um ihr Image kämpfen und Schulkinder systematisch auf Snacks, Chips und Softdrinks abgerichtet werden.

AP
Die Lebensmittelkonzerne haben längst Zeichen der Zeit erkannt. Deshalb wird hinter den Kulissen alles getan, um unangenehme Wahrheiten gar nicht erst publik werden zu lassen. Als die Weltgesundheitsorganisation WHO gemeinsam mit der Welternährungsorganisation FAO einen Entwurf zum weltweiten Problem der Übergewichtigkeit vorlegen wollte, bekam der verantwortliche US-Repräsentant Tommy Thompson einen freundlichen Brief von der Lebensmittelindustrie.

Darin wurde er höflich darauf aufmerksam gemacht, dass es genug Studien gebe, die eine Verbindung zwischen dem Konsum von Softdrinks und Fettleibigkeit widerlegten. Außerdem wurde ihm in aller Freundlichkeit geraten, keine politischen Empfehlungen wie Werbeverbote oder Besteuerung zuzulassen. Im Schlusssatz wird dann darauf hingewiesen, dass eine Kopie dieses Schreibens an Außenminister Colin Powell und Handelsbeauftragten Robert Zoellick gegangen sei. Der Brief verfehlte seine Wirkung nicht. In der WHO-Studie wurde zwar die Dramatik der Situation beschrieben, auf radikale politische Empfehlungen wurde jedoch verzichtet.

Doch ganz so unschuldig, wie es die Lobbyisten glauben machen wollen, sind die Food-Giganten der USA nicht am dramatisch erhöhten Fettspiegel ihrer Kunden.

Das Win-Win-Geschäft für Schulen

Da ist zunächst einmal das Marketing. Rund ein Drittel der rund 30 Milliarden Dollar, die jährlich für Lebensmittel-Vermarktung ausgegeben werden, ist auf die Zielgruppe der Schulkinder ausgerichtet, berichtet das Medizinjournal "The Lancet". Dabei werden aber nicht etwa nur Werbespots im Fernsehen geschaltet, die Marketing-Strategien für die junge Kundschaft sind weitaus subtiler.

Wampen überall: Auch an den Schulen grassiert die Fettleibigkeit
AP

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So haben viele Konzerne Exklusiv-Verträge mit Schulen abgeschlossen. Dabei sichert die Schulverwaltung zu, nur die Zuckerbrause oder die Hamburger eines bestimmten Anbieters zu verkaufen und bekommt dafür Geld oder Sachleistungen vom Konzern. Auf der Website von PepsiCo heißt es dazu: "Die Partnerschaften mit Schulen sind ganz klar ein "Win-Win"-Geschäft. Wir bieten Erfrischungen für Studenten an und geben außerdem die dringend nötige finanzielle Unterstützung für außerschulische Aktivitäten", heißt es dazu auf der Unternehmens-Website.

"Agenten für die Verfettung"

Eine andere Spielart, Schüler für Junk Food zu begeistern, ist Channel One. Dieses zwölfminütige TV-Programm, das exklusiv in Schulen ausgestrahlt wird, enthält zwei Minuten Werbung (vor allem für Junk Food) und erreicht rund acht Millionen "kleine" Konsumenten. Channel One wirbt mit dem Slogan "Jeden Tag ein Super Bowl". Der Deal mit den Schulen: Sie bekommt eine Satellitenschüssel und ein Netz von TV-Geräten in allen Klassenzimmern und muss dafür nur gewährleisten, dass den Schülern einmal täglich Channel One vorgeführt wird.

Kelly Brownell, Professor für Gesundheitspolitik an der Yale Universität, sieht in der ständigen Schul-Präsenz von Softdrinks und Snacks einen wichtigen Grund für das ständig anschwellende Lebendgewicht der Kleinen: "In mancherlei Hinsicht sind die Schulen zu Agenten für die Verfettung des amerikanischen Kindes geworden", sagt er.

Abnehmdrink mit 61,9 Prozent Zucker

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DPA

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Eine weitere, nicht so ganz lupenreine Verkaufsstrategie der Lebensmittelproduzenten könnte man unter dem Wort "Zucker-Lüge" zusammenfassen. Während in der Werbung der Anschein erweckt wird, dass die Lebensmittel immer gesünder, leichter und fettfreier werden, ist der Zuckerkonsum nach Angaben des CSPI ist in den letzten 15 Jahren um 28 Prozent gestiegen. Das liegt nicht zuletzt an den nebulösen Aufschriften auf Verpackungen. Hier wird zwar intensiv über wertvolle Mineralien oder Vitamine informiert, nicht aber über Zucker- oder Fett-Anteile.

So hätten die Frühstücksflocken "Quaker 100% Natural Oats & Honey" trotz des unschuldigen Namens eigentlich einen Platz ganz oben auf der schwarzen Liste von Kalorienbomben verdient. Eine Handvoll dieser honigverklebten Haferflocken enthält nämlich drei Teelöffel puren Zucker und mehr Fett als ein Hamburger von McDonald's. Weitgehend unbekannt dürfte den amerikanischen Verbrauchern auch sein, dass der populäre Abnehmdrink Slimfast zu 61,9 Prozent aus Zucker besteht. Regeln darüber, was auf den Verpackungen stehen muss, gibt es dank der intensiven Lobbyarbeit der Lebensmittelindustrie in den USA bis heute kaum.

Die "drive-thru mania"

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Es wäre dennoch ungerecht, die Schuld für die amerikanische Fett-Misere allein bei den Konzernen abzuladen. Für den Mangel an körperlicher Bewegung, der anderen großen Ursache der Fettleibigkeit, kann die Industrie nicht verantwortlich gemacht werden. Hier genügt ein Blick auf die Stadtpläne amerikanischer Kleinstädte. Einkaufzentren und öffentliche Gebäude sind vielerorts nur mit den Auto erreichbar, nicht selten fehlt den Straßen sogar der Bürgersteig. Die amerikanische Boulevardzeitung "USA Today" spricht schon von einer "drive-thru mania", die das Land erfasst habe. Weil immer weniger Käufer bereit seien, für die Essensaufnahme, für Bankgeschäfte oder Apothekeneinkäufe ihr Auto zu verlassen, sei es mittlerweile für fast jedes Geschäft lebensnotwendig, einen Autoschalter einzurichten.

Selbst die Schulen, die eigentlich einen pädagogischen Auftrag für Leibesübungen haben, kommen der grassierenden Bequemlichkeit ihrer dicken Schützlinge immer weiter entgegen. Laut einer Studie von "Pediatric", einer Fachzeitschrift für Kinderheilkunde, fiel der Anteil der Schulen, die regelmäßigen Sportunterricht im Lehrplan haben, in den letzten zwanzig Jahren von 42 Prozent auf nur mehr 25 Prozent. In den USA gibt es keine nationalen Vorschriften, die Sportunterricht vorschreiben, und auch viele Bundesstaaten haben hier keine Gesetze erlassen.

Die vielen Ursachen der grassierenden Fettleibigkeit erschrecken selbst Epidemiologen. Alan Penman, der sich für das Gesundheitsamt von Mississippi mit dem Problem auseinander setzt, will schon gar nicht mehr von einer Epidemie im klassischen Sinne sprechen. "Das würde heiße, dass das etwas wäre, das kommt und geht", sagt er. "Was wir hier haben, ist eher ein darwinistischer Anpassungsprozess. Wir haben eine Umwelt geschaffen, die die Verfettung der Menschen stark fördert. Und die Amerikaner haben das besser gemacht als alle anderen. Das wird uns für Generationen erhalten bleiben."

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