Washington/Frankfurt am Main - Der für die Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss der US-Notenbank senkte die so genannte Federal Funds Rate von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent. Die Europäische Zentralbank berät morgen über ihre Zinspolitik. Nach Meinung von Finanzexperten sind keine Zinssenkung zu erwarten.
Dies war war die erste Zinssenkung dieses Jahres. Im vergangenen Jahr hatte die Fed die Zinsen elf Mal reduziert, zuletzt im Dezember. Der Satz für Tagesgeld lag seitdem bereits auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. Nach der Fed werden die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England an diesem Donnerstag ihre Zinsentscheidungen bekannt geben.
Volkswirte und die internationalen Finanzmärkte hatten sich bereits im Vorfeld der Entscheidung optimistisch geäußert, dass die Fed versuchen wird, mit einer Senkung der Leitzinsen einem drohenden Ende der wirtschaftlichen Erholung entgegenzuwirken.
Bei der Zinsentscheidung im September hatten bereits zwei Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) entgegen dem Mehrheitsvotum für eine Reduzierung der Leitzinsen gestimmt. Nach Einschätzung von Analysten stand einer Senkung nun nichts mehr entgegen. "Was die Fed gerade sieht, ist folgendes: Wir haben schwache Wirtschaftsdaten, und die Inflation ist sehr niedrig", sagte Volkswirt Mickey Levy von der Bank of America. Damit habe die Fed den nötigen Spielraum für eine Zinssenkung.
Nach Levys Ansicht wird die Zinssenkung Finanzmärkten und Verbrauchern einen "psychologischen Schub" verleihen. Dies könne auch die zuletzt drastisch eingetrübte Stimmung der Verbraucher aufhellen, die die Hauptstütze der US-Wirtschaft sind. Die Konsumausgaben machen in den Vereinigten Staaten rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Viele Einzelhändler in den USA erzielen in den wenigen Wochen der "Holiday Shopping Season" zwischen dem "Thanksgiving"-Feiertag am 28. November und Weihnachten den größten Teil ihrer Jahresumsätze. "Wenn die Verbraucher ihre Ausgaben weiter einschränken, werden wir uns in einer Rezession befinden", sagte Mark Zandi von Economy.com.
Im vergangenen Jahr hatte die Fed den maßgeblichen Zielsatz für Tagesgeld in elf Schritten auf 1,75 Prozent gesenkt, das niedrigste Niveau seit 40 Jahren, und seitdem die Zinsen unverändert gelassen.
In der vergangenen Woche waren von einer Reihe von US-Wirtschaftsdaten enttäuschende Signale ausgegangen. Am Freitag etwa zeigten neue Statistiken gesunkene Beschäftigtenzahlen und einen zunehmenden Geschäftsrückgang im verarbeitenden Gewerbe der weltgrößten Volkswirtschaft.
In Erwartung der Leitzinssenkung war der Euro am Mittwoch unter die Parität zum US-Dollar gefallen. Gegen Abend kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9957 Dollar. Selten sei vor einer Leitzinsentscheidung so viel spekuliert worden, sagte Devisenexpertin Alexandra Bechtel von der Commerzbank. Die Frage ob Zinssenkungen die US-Wirtschaft wieder auf einen Wachstumspfad bringen können, sei jedoch angesichts des bereits sehr niedrigen Zinsniveau fraglich.
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