Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
03.01.2003
 

Benzin-Inflation

Esso geht mit Preiserhöhung zu weit

Erst am Donnerstag hat die Tankstellenkette Esso ihr Benzin um drei Cents verteuert - nun drehte sie die Erhöhung zurück, weil die Konkurrenz nicht mitzog. Trotz des Rückziehers dürften die Spritpreise in den nächsten Wochen weiter steigen und steigen.

Esso-Zapfsäule: Wieder einmal dürfte die Verteuerung von Benzin 2003 die Inflationsrate nach oben treiben
AP

Esso-Zapfsäule: Wieder einmal dürfte die Verteuerung von Benzin 2003 die Inflationsrate nach oben treiben

Hamburg/Bochum - Esso hatte versucht, mit der Erhöhung eine neue Preisrunde einzuläuten, war damit aber vorerst gescheitert. "Der Markt hat sich selbst bereinigt", räumte eine Esso-Sprecherin am Freitag ein - die Wettbewerber hatten die Erhöhung nicht mitgemacht.

Ein Liter Normalbenzin kostete bei Esso am Freitag durchschnittlich 108,7 Cent, Diesel 90,4 Cent. Bereits am Neujahrstag waren die Benzinpreise wegen der fünften Stufe der Ökosteuer allgemein um drei Cents gestiegen. Weil die Ölpreise an den internationalen Märkten weiter anziehen, dürfte Benzin aber in den kommenden Wochen abermals teurer werden.

Die Mineralölfirmen, darunter Deutschlands größter Tankstellen-Betreiber Aral/BP, wiesen aber einen Bericht zurück, in dem es hieß, die Kraftstoffpreise könnten 2003 historische Rekorde erzielen. "Das ist reine Spekulation", sagte ein Aral/BP-Sprecher. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, dass der Verkehrsclub AvD einen Anstieg der Preise auf bis zu 1,15 Euro für einen Liter Normalbenzin für möglich halte. Der ADAC könne sich sogar vorstellen, dass der Liter 1,20 Euro im Jahresverlauf kosten werde.

Eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) sagte, bei solchen Annahmen müsse der Preis für Normalbenzin noch um sieben Cent steigen. Das würde einen Anstieg des Rohölpreises auf den Weltmärkten um zehn Dollar je Barrel voraussetzen, was unwahrscheinlich sei. Im derzeitigen Preis pro Barrel Rohöl von rund 30 Dollar sei ein möglicher Irak-Krieg nämlich schon eingepreist, urteilte die Sprecherin. Manche Volkswirte halten indes für wahrscheinlich, dass der Ölpreis im Falle eines Krieges auf 50 Dollar pro Barrel hochschießt.

In den Vereinigten Staaten sind die Rohölpreise zum Jahreswechsel ebenfalls gestiegen - allerdings vor allem wegen der Streiks in der Ölindustrie in Venezuela. Das Land stellt etwa 14 Prozent der amerikanischen Rohölimporte. Die anderen Nationen der Erdöl-Organisation Opec wollen zwar Lieferausfälle wettmachen, doch dauert es bis zu sechs Wochen, ehe Tanker aus dem Persischen Golf in die USA kommen - die Anlieferung des Öls aus Venezuela benötigt nur fünf Tage.

Rohöl zur Auslieferung im Februar legte an der New Yorker Warenterminbörse Nymex um 0,38 Dollar auf 32,23 Dollar je Barrel zu. Auch in den USA sind die Benzinpreise daher deutlich geklettert. Die amerikanischen Autofahrer zahlen derzeit im Schnitt etwa 1,45 Dollar je Gallone (3,8 Liter), ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Der Preistrend an den Zapfsäulen zeigt nach Darstellung von US-Energieexperten weiter steil nach oben.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP