Caracas - Wegen des Streiks der Privatbanken stürzte die venezolanische Währung Bolivar ab und verlor mehr als fünf Prozent ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar. Mit einem Steuerstreik und der Blockierung des Ölgeschäfts haben die Demonstranten aus der Mittel- und Oberschicht bereits die beiden wichtigsten Einnahmequellen des fünftgrößten Ölexporteurs der Welt lahm gelegt. Brasilien kündigte an, die Vermittlungsbemühungen der Organisation der amerikanischen Staaten (OAS) verstärkt unterstützten zu wollen.
Auch bei den Kundgebungen im Lande spitzte sich die Lage gefährlich zu. Vor einer Vertretung der staatlichen Ölfirma PDVSA wurden Demonstranten beschossen. Die Botschaften von Deutschland, Kanada und Australien schlossen nach Bombendrohungen ihre Vertretungen in der Hauptstadt Caracas. Zwar wurde durch die Schüsse niemand verletzt und in den Botschaften wurden keine Sprengsätze gefunden; doch die Ereignisse verstärkten die Furcht vor einer gewaltsamen Entwicklung der seit mehr als fünf Wochen anhaltenden Demonstrationen gegen den linken Präsidenten.
Die Opposition fordert den Rücktritt Chavez', dem sie vorwerfen, das Land autoritär zu regieren und mit einer Orientierung am kommunistischen System Kubas wirtschaftlich zu ruinieren. Chavez genießt die Unterstützung der ärmeren Schichten, die sich von der von ihm versprochenen Landreform und leichteren Zugängen zu Krediten eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse versprechen.
Die Wirtschaft steckt bereits in einer tiefen Rezession und droht durch die Unruhen im Land weiter belastet zu werden. "Die Stärken Venezuelas - seine Ölvorkommen und Reserven an ausländischen Währungen - bedeuten nicht viel, wenn die Wirtschaft und die Gesellschaft lahm gelegt sind", sagte Roger Scher, der bei Fitch Ratings in New York für das Rating lateinamerikanischer Staaten zuständig ist.
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