München - "Für uns ist die Saban Gruppe als neuer Hauptaktionär ein Wunschpartner", sagte ProSiebenSat.1-Chef Urs Rohner. "Mit Haim Saban erhalten wir einen starken, überaus fernseherfahrenen Mehrheitsgesellschafter, der über exzellente Beziehungen im internationalen Film- und Fernsehgeschäft verfügt."
Der bayerische Medienminister Erwin Huber wertete die Übernahme als Bekenntnis zum Medienstandort Bayern. Saban bringe gute Kontakte zur US-Filmwirtschaft mit, die dem Unternehmen zugute kommen würden, erklärte er.
Am Morgen hatten die insolvente KirchMedia und die Saban Gruppe gemeinsam mitgeteilt, die Verträge zur Übernahme der Stimmrechtsmehrheit an der börsennotierten Senderfamilie seien unterschrieben. Damit hatte ein rund ein Jahr andauerndes Tauziehen um die Zukunft der Kerngeschäfte des zusammengebrochenen Medienimperiums von Leo Kirch ein Ende gefunden. Der 58-jährige Unternehmer Saban, der in den USA mit Trickfilmen wie den "Power Rangers" ein Vermögen gemacht hat, war als einziger Bieter übrig geblieben, nachdem der Bauer-Verlag sein Angebot zurückgezogen hatte.
Saban übernimmt den Angaben zufolge 36 Prozent am Kapital von ProSiebenSAT.1, erhält dadurch aber fast drei Viertel der Stimmrechte an dem Sender. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. In verhandlungsnahen Kreisen hatte es zuletzt geheißen, Saban zahle für das Anteilspaket rund 500 Millionen Euro.
Stellenabbau vorerst nicht geplant
"Ich bin extrem glücklich. Es gibt nicht oft die Gelegenheit, die wichtigste Senderkette in Deutschland mehrheitlich übernehmen und weiter entwickeln zu können", sagte Saban nach der Vertragsunterzeichnung. Er sei zuversichtlich, langfristig deutliches Wachstum mit der Senderfamilie erzielen zu können, die derzeit unter dem schwachen Werbemarkt leidet und 2002 nur knapp schwarze Zahlen geschrieben hat.
Ein Stellenabbau sei aber derzeit nicht geplant, sagte Saban. "Unser Ziel ist erst einmal, für Stabilität bei ProSiebenSAT.1 zu sorgen." Er wies zudem Vermutungen zurück, er wolle den Konzern einem harten Sanierungskurs unterziehen und nach ein paar Jahren verkaufen: "Wir haben keine Ausstiegsstrategie."
Nicht endgültig sicher ist, ob Saban den außen stehenden Aktionären von ProSiebenSAT.1 ein Übernahmeangebot vorlegen wird, wie es nach deutschem Recht beim Erwerb von mehr als 30 Prozent einer Gesellschaft eigentlich Pflicht ist. In verhandlungsnahen Kreisen hatte es zuletzt geheißen, Saban werde vielleicht argumentieren, dass die Senderfamilie ein Sanierungsfall und damit eine Ausnahme ist, bei der ein Pflichtangebot entfällt. "Wir prüfen alle Optionen", sagte Saban dazu. Eine Entscheidung werde erst in zwei bis vier Wochen fallen. Zu einer möglichen Finanzspritze für die Gruppe wollte er sich auch nicht äußern.
Vertrag über den Kauf der Filmrechte hat 40.000 Seiten
Die französische Sendergruppe TF1, die zuvor als Partner Sabans bei der Übernahme genannt worden war, ist an dem Kauf zunächst nicht beteiligt. Der Verwaltungsrat von TF1 habe dem Engagement noch nicht zugestimmt, deshalb trete die Saban Gruppe zunächst als alleiniger Bieter auf, erläuterte Saban. TF1 werde wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommen. Aber auch ohne die Beteiligung des Partners sei die Finanzierung des Kaufpreises kein Problem, fügte er hinzu.
Der Vertrag zum Verkauf der Filmrechtebibliothek von KirchMedia an Saban soll den Angaben nach in den kommenden zehn Tagen unterzeichnet werden. "Bis zur Unterschrift müssen nun noch rund 40.000 Seiten abschließend geprüft werden", hieß es. Über alle Inhalte und Konditionen sei bereits Einigung erzielt worden, es gehe nur noch um juristische Details. Die Übernahme der Filmrechtesparte dürfte Saban mehr als ein Milliarde Euro kosten, wie es in verhandlungsnahen Kreisen hieß.
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