Von Kai Lange
Hamburg - "Man kann ohne uns kämpfen", sagt Paul Lombardi. "Aber es wäre schwierig." Der Chef des amerikanischen Militärdienstleisters Dyncorp ist ein gefragter Mann in einem boomenden Markt. Sein Geschäft: Regierungen bei ihren "kritischen Missionen" verlässlich und mit Leistungen in "hoher Qualität" zu unterstützen.
Die "Private Military Companies" (PMCs) sind zur Stelle, wenn amerikanische GIs für den Häuserkampf in Bagdad üben. Sie brachten während des Balkan-Krieges die kroatische Armee auf Vordermann und fliegen Lufteinsätze im kolumbianischen Drogenkrieg. Und sie sind für das Pentagon nicht mehr wegzudenken, wenn es um Nachschub für die Truppe oder um die Pflege der Hightech-Waffensysteme geht.
30 Milliarden Dollar an Private
Mindestens 30 Milliarden Dollar wird das Pentagon in diesem Jahr für die Dienste der privaten Militärfirmen zahlen, hat das Magazin "Fortune" errechnet. Das sind rund acht Prozent des gesamten Militärbudgets der USA. Der Krieg im Irak dürfte diesen Anteil noch einmal deutlich steigern. Der Gesamtumsatz der international agierenden Firmen wird auf rund 100 Milliarden Dollar weltweit geschätzt.
Die Big Player der Branche - Firmen wie Dyncorp, MPRI, Vinnel, Cubic oder Kellog, Brown&Root - bringen es auf zweistellige Wachstumsraten. Die Gewinne der börsennotierten Cubic Corporation kletterten im Vorjahr um rund 40 Prozent. Der IT-Konzern Computer Sciences war von den Wachstumssausichten bei Dyncorp so beeindruckt, dass er den Militärdienstleister im vergangenen Jahr für knapp eine Milliarde Dollar übernahm.
Beste Beziehungen zum State Department
Kennzeichen für die privaten Militärfirmen in den USA seien neben den hohen Gewinnen vor allem die Verbindungen mit großen Konzernen und die enge Zusammenarbeit mit der amerikanischen Regierung, heißt es in einem Bericht des Fachblatts "Jane's Defense Quarterly". Verträge für Auslandseinsätze werden oft direkt mit dem State Department vereinbart. Einsätze für ausländische Regierungen müssen vom State Department abgesegnet werden.
Besonders Dyncorp erfreut sich bester Beziehungen zum Pentagon. Der Branchenführer aus Virginia hat bereits während des Vietnamkrieges die Luftversorgung der US-Truppen unterstützt. In Haiti half Dyncorp bei der Ausbildung der Polizei und empfahl sich dadurch für einen Einsatz in Afghanistan. Im Auftrag des State Department trainieren Dyncorp-Mitarbeiter jetzt nicht nur die afghanischen Sicherheitskräfte, sie stellen auch die Leibwache des Staatspräsidenten Hamid Karzai.
Kernkompetenz Kampf - der Rest wird outgesourct
"Private Militärfirmen passen in das Konzept des schlanken Staates", sagt der Militärforscher Professor Herbert Wulf. Sie zu beauftragen, gelte als "effektive und marktkonforme Methode" - besonders im Fall von "schmutzigen Konflikten" und Rebellenkriegen. Die Gefahr: Die schrittweise Privatisierung militärischer Aufgaben höhlt das Gewaltmonopol des Staates aus. "Die Spezialfirmen arbeiten still, effizient und oft fernab von der Kontrolle des Parlaments", warnt Wulf. "Wir müssen dafür sorgen, dass diese Kontrolle nicht ausgehebelt wird."
Wichtigster Geschäftszweig der Firmen sind jedoch nicht die "combat jobs", sondern die logistische Unterstützung. Die Regierungstruppe soll sich auf ihre Kernkompetenz, das Kämpfen, konzentrieren. Der Rest wird outgesourct - Zuarbeiten wie das Herrichten von Trainingscamps, die Wartung von Technik und Maschinen und die Versorgung mit Nahrungsmitteln nehmen ihnen die privaten Militärdienstleister gerne ab.
Auch die waffenlose Unterstützung lohnt sich. Seit 1999 versorgt zum Beispiel der Militärdienstleister Kellogg, Brown&Root (KBR) die US-Truppen auf dem Balkan. Das Militär hat sich den Nahrungsmittel- und Wäscheservice bislang rund drei Milliarden Dollar kosten lassen. Nach Einschätzung von "Fortune" dürfte die nächste Rechnung an das Pentagon höher ausfallen: Im Mittleren Osten sind derzeit etwa zehnmal so viele US-Soldaten stationiert wie Ende der neunziger Jahre auf dem Balkan, und auch diesmal ist KBR im Geschäft. KBR ist eine Tochter des texanischen Ölkonzerns Halliburton. Dessen Chef war bis zum Jahr 2000 Richard Cheney, derzeit amerikanischer Vizepräsident.
Die Truppe schrumpft, die Nachfrage wächst
Der Boom der privaten Militärfirmen hat viele Gründe. Seit Ende des kalten Krieges hat das staatliche Militär massiv Personal gekürzt. Gleichzeitig ist die Militärmaschine komplexer und anspruchsvoller geworden. Hinzu kommt, dass die Zahl der Krisenherde im Nahen Osten, in Afrika und auf dem Balkan wächst.
Eines der Lieblingsworte von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld lautet "Effizienz": Das staatliche Militär müsse sich auf seine unmittelbaren Aufgaben konzentrieren, heißt es in einer Studie des Verteidigungsministeriums. Mit der Privatisierung des Militärs wächst aber auch dessen Abhängigkeit. "Wir haben nicht mehr genug eigene Kapazität. Daher müssen wir mit Dienstleistern in den Krieg ziehen", sagt ein US-Militär.
Zu den beliebtesten Angeboten der privaten Helfer gehört das Training für Spezialeinsätze. Wenn US-Truppen im heimischen Trainingscamp Port Folk den Häuserkampf üben, stellt die Firma Cubic die Kulissen auf, führt Regie, sorgt für Überraschungs- und Knalleffekte. Um eine Übung für 6000 Soldaten zu organisieren, werden schon mal 600 Cubic-Mitarbeiter engagiert. Im kuweitischen Camp Doha hat die Firma "Military Professional Resources Incorporated" (MPRI) die Aufgabe übernommen, die GIs in ihrem "Kampfsimulationszentrum" für den Nahkampf fit zu machen.
In Saudi-Arabien kümmert sich die US-Firma Vinnell um die Ausbildung des saudischen Militärs - mit Zustimmung aus Washington, versteht sich. Konkurrent Cubic bekam jüngst vom State Department grünes Licht, um die Armeen der neuen Nato-Mitglieder Rumäniens, Tschechiens und Ungarns auf künftige Einsätze vorzubereiten. In Amerika sei man noch eine recht kleine Nummer, räumt ein Sprecher des aufstrebenden Unternehmens ein. Doch in Osteuropa sei man inzwischen "gut bekannt".
Geschultes Personal steht bereit
Die großen, weltweit agierenden privaten Militärfirmen rücken bei Bedarf aber auch näher an den Feind. Sie können auf Kampf geschultes Personal zurückgreifen. Viele Elitesoldaten werden mit 40 aus der Armee verabschiedet, sind aber noch fit für neue Aufgaben und ein zusätzliches Einkommen. 1994 trainierte MPRI die kroatische Armee, bis diese kurz darauf eine Offensive in Bosnien startete. Einsatztruppen aus den Reihen von Dyncorp und MPRI fliegen außerdem Sprühangriffe gegen Koka-Felder in den südamerikanischen Anden. Rund 1,2 Milliarden Dollar pro Jahr zahlt Washington den Privaten für ihre Flugeinsätze im so genannten "Drogenkrieg". Das Risiko, abgeschossen zu werden, ist inbegriffen.
Schnell, flexibel und diskret
Besonders in diesen heiklen Missionen können die privaten Truppen aber auch ihre Stärken ausspielen, so die Befürworter. Sie agieren schnell, flexibel und ohne lange Diskussionen in den politischen Gremien. Sie brauchen keinen Beschluss des Sicherheitsrats. Nach dem Militärputsch in Sierra Leone vor sechs Jahren zum Beispiel war kein Land bereit, mit eigenen Truppen für Recht und Ordnung zu sorgen. Der britische Militärdienstleister Sandline International übernahm schließlich den Job, den gestürzten Präsidenten Ahmad Kabbah mit Hilfe örtlicher Truppen wieder zu installieren.
Privatisierung liegt im Trend
Der britische Außenminister Jack Straw verspricht sich viel von den Diensten der privaten Truppen. Ein "starker und ehrenwerter" privater Militärsektor könne die Vereinten Nationen in die Lage versetzen, "schneller und effektiver auf eine Krise zu reagieren", schrieb Straw in einem Arbeitspapier für das britische Unterhaus.
Nach Ansicht des US-Militärstrategen Thomas Adams sind die Private Military Companies längst zu einer Verlängerung der Außenpolitik geworden. Sie agieren nicht nur schneller, sondern auch diskreter. Für jedes Land ist es ein Alptraum, wenn eigene getötete Soldaten heimgeholt werden müssen. Bei den Privatdienstleistern dagegen entfällt das Begräbnis mit militärischen Ehren.
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