Von Sabrina Ebitsch
Hamburg - "Gaewolf exklusive" steht in silbernfarbenen Buchstaben auf das Etikett gestickt. Die Anbieterin beim Internet-Auktionshaus eBay preist einen "exklusiven Damenpelzmantel" mit "wunderschöner Zeichnung" an. Was sie potenziellen Kunden da schmackhaft macht, das weiß sie allerdings nicht genau.
"Ich kann leider nicht sagen, was ein Gaewolf-Pelz ist, da er im Kaufhaus so angeboten wurde! Auf dem Etikett ist auch nichts zu finden", gibt sie auf Nachfrage zu. Die Antworten anderer eBay-Verkäufer mit ähnlichen Angeboten reichen vom "sibirischen oder russischen Wolf" über "eine südamerikanische Wolfsart" bis zum "Wolf aus Afrika".
Die Wahrheit dürfte ebenso überraschend wie unangenehm sein. Der so unverdächtig wirkende Pelz stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von einem normalen Haushund. Zahllose Hunde und Katzen werden in asiatischen Schlachthäusern auf grausamste Weise getötet. Ihre Felle liefern den Rohstoff für viele der in Europa gerade in den letzten Monaten beliebten Pelzapplikationen.
"Davon ausgehen, dass es sich um Hundefell handelt"
Seit Jahren weisen Tierschutzorganisationen darauf hin, dass neben den Fellen klassischer Pelztiere auch die von Katzen und Hunden nach Europa importiert und zu Mänteln, Jacken und Krägen verarbeitet werden. Europaweite Stichprobenkäufe und DNS-Tests haben dafür Beweise geliefert. Da der Import, anders als etwa in Amerika, hier zu Lande nicht verboten ist, wandert ein Großteil der Haustier-Felle aus Asien auch über deutsche Ladentheken.
Weil niemand die Artgenossen seiner Haustiere am Leib tragen will, operieren Händler laut Tierschützern mit Tarnnamen. "'Gae' ist das koreanische Wort für Hund. Wenn Sie das auf einem Etikett finden, können Sie davon ausgehen, dass es sich um Hundefell handelt", erklärt Kristina Bergerhausen vom Deutschen Tierschutzbund. Oft wird auf den Etiketten auch ohne nähere Angabe nur "Echtpelz" oder "Orthopädisches Leder" vermerkt. Eine Deklarationspflicht über die genaue Herkunft und Art des Pelzes gibt es nicht.
Den Händlern kann das nur recht sein. Verständlicherweise bewahren die meisten Stillschweigen über das unpopuläre Geschäft. Nur eine Berliner Firma bekannte sich bis vor kurzem dazu, für die Fertigung ihrer Kleidungsstücke Katzenfelle zu verwenden. Dann wurden sie nach Auskunft einer Mitarbeiterin aus dem Sortiment genommen – wegen mangelnder Nachfrage.
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