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Pelzhandel Haustier auf dem Kleiderbügel

2. Teil: Zweiter Teil: "Auf grausame Art und Weise hingerichtet"

Die wenigen Firmen, die ganz offiziell ihr Geld mit Haustierpelzen verdienen, handeln meist mit Decken und Gelenkwärmern. Der Volksglaube schreibt Katzenfell bei rheumatischen Beschwerden eine heilende Wirkung zu. Öffentlichkeitsscheu sind aber auch diese Händler – kaum einer ist zu einer Stellungnahme bereit.

Pelzverkauf bei eBay: "Auf dem Etikett ist nichts zu finden"

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Die eigentliche Modepelz-Industrie müht sich, Berichte über den Handel mit Haustierfell als Märchen darzustellen - Tierschützer hätten es in die Welt gesetzt, um den ohnehin anfälligen Ruf der Branche zu schädigen. "Diese Listen mit Tarnbezeichnungen sind hanebüchen. Man kann vieles behaupten, aber den Beweis sind uns die Tierschützer noch schuldig geblieben", sagt Susanne Kolb-Wachtel, Geschäftsführerin des Deutschen Pelz-Instituts. An Hunde- und Katzenfelle im Sortiment von deutschen Kaufhäusern glaubt sie nicht.

Als Beweis aber führt der Tierschutzbund die zahlreichen Zeitungs- und Fernsehberichte an, in denen das Geschäft mit Hunden- und Katzenfellen bereits nachrecherchiert und in erschreckender Deutlichkeit dargestellt wurde. Eine Welle der Empörung ging schon vor einigen Jahren durch die Bundesrepublik, als der Journalist und Gründer von Animalnetwork, Manfred Karremann, im "Stern" und bei "Stern TV" von Hunde- und Katzenschlachtereien in Asien berichtete.

Die Schlagader durchgetrennt

Vor allem im China, Thailand und auf den Philippinen werden die Tiere gezüchtet oder von der Straße weg gefangen, um in Schlachthäusern zu Tode gebracht zu werden. Katzen werden mit einer Drahtschlinge erhängt. Der fünf Minuten dauernde Todeskampf spielt sich vor Augen der übrigen Tiere ab. Hunde lässt man ausbluten, indem die Schlagader in der Leiste durchtrennt wird. "Es ist unstrittig, dass in weiten Teilen Asiens Katzen und Hunde auf solch grausame Art und Weise hingerichtet werden, damit ihre Pelze keinen Schaden nehmen", bestätigt Claudia Hämmerling, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Senat.

Viele der Felle werden dann über Zwischenfirmen nach Europa exportiert – oft ohne sie als das zu deklarieren, was sie sind. Für zwei, drei Euro ist ein Katzenfell auf dem Markt zu haben, damit lassen sich immerhin vier bis fünf Mantelkrägen anfertigen. Über welche Kanäle die Felle in europäische Kaufhäuser gelangen und als was sie dem Kunden dann verkauft werden, bleibt oft fraglich.

Eine Verkäuferin in der Damenmodeabteilung bei Peek & Cloppenburg – eine der wenigen großen Modehäuser, die noch Echtpelz anbieten – weist die Frage nach Katzen- und Hundefell im Sortiment zwar entschieden zurück: "So was gibt’s bei uns nicht. Wir haben nur Qualitätsware. Aber bei irgendwelchen Billighändlern aus Osteuropa kann das schon vorkommen."

"Die verrücktesten Auskünfte"

Und es kommt vor: An der Universität von Amsterdam wurde Pelzware aus Stichprobenkäufen in europäischen Kaufhäusern untersucht. Bei über fünf Prozent der zufällig ausgewählten Kleidungsstücke konnte eindeutig die DNS von Hunden nachgewiesen werden. Solche Erbgut-Tests sind zwar teuer und umständlich - für einen eindeutigen Beweis, den auch die Pelzindustrie fordert, jedoch meistens notwendig.

Denn der Großteil des verarbeiteten Tierhaars wird bis zur Unkenntlichkeit gerupft, geschoren, gefärbt, mit Laser behandelt oder sonstwie den Kundenwünschen angepasst - und ist für den Laien kaum als Haustierhaar zu erkennen. "Die Pelze sind oft so stark bearbeitet, dass selbst ein Fachmann kaum noch bestimmen kann, um was es sich handelt", sagt Grünen-Sprecherin Hämmerling, "aber man bekommt von Verkäufern die verrücktesten Auskünfte".

Als Test für den Hausgebrauch empfiehlt Jürgen Faulmann, Kampagnenleiter Pelz und Leder bei der Tierschutzorganisation Peta, im Geschäft ein paar einzelne Haare aus dem Fell zu zupfen und sie dann vor der Türe übers Feuerzeug zu halten. Wenn es kokelt und riecht, hat der Käufer zumindest die Gewissheit, dass es sich um echtes Tierfell handelt – und nicht um Kunstpelz, wovon man bei aktueller Mode automatisch ausgeht. "Der Konsument wird konsequent getäuscht. Aber er will das vielleicht auch, die unangenehme Wahrheit wird da lieber verdrängt", so Faulmann.

Seriöse Kürschner hüten sich

Vielen Kunden ist die Wahrheit wohl auch gar nicht mehr so unangenehm. Pelz werde inzwischen anders wahrgenommen und sei, vielleicht als Ausdruck eines neuen Hedonismus, zu einem ganz normalen Kleidungsstück geworden, freut sich Kolb-Wachtel vom Pelz-Institut: "Die Verbraucher sind toleranter geworden. Sie lassen sich nicht mehr bevormunden." Weltweit werden jedes Jahr 400 Millionen Tiere wegen ihres Fells getötet , allein die Pelzindustrie in Deutschland setzt mit diesem Rohstoff jährlich fast eine Milliarde Euro um – mit seit Jahren steigender Tendenz, trotz aller Tierschützer-Kampagnen.

Allerdings ist die Branche bemüht, Image-Schäden zu vermeiden. Eine freiwillige Selbstbeschränkung verpflichtet seit Jahren die meisten Händler dazu, auf Haustierfell zu verzichten. Zusätzlich sollen ab Herbst dieses Jahres fest eingenähte Etiketten, die sowohl mit der Bezeichnung "echtes Fell" als auch mit dem zoologischen Namen des Tieres versehen sind, den Kunden vor der Fellfalle bewahren. Und ein seriöser Kürschner oder Pelzhändler wird schon im eigenen Interesse vermeiden, jemals in den Ruch zu kommen, anderes als die klassischen Pelze im Sortiment zu führen.

Dem Beispiel Amerikas folgen

Trotzdem fordern Tierschützer seit Jahren eine rechtlich bindende Kennzeichnung der Pelze. Oder besser noch ein Verbot des Imports und Handels mit Haustierfellen. Denn niemand macht sich strafbar, wenn er in Europa dem Kunden "Echtpelz" aus Katzenfell anbietet. Vorbild könnten die USA sein: Der amerikanische Kongress hat vor drei Jahren mit dem "Cat and Dog Protection Act" aus dem Haustierhandel ein verbotenes Geschäft gemacht. Damals hatte Amerikas größte Tierschutzorganisation, die Humane Society, mit mehreren Undercover-Recherchen die Geschäftemacherei auf dem Haustierpelzmarkt aufgedeckt.

Seitdem freilich hat sich der Schwerpunkt des Handels umso deutlicher nach Europa verlagert. Der EU-Parlamentsabgeordnete Struan Stevenson macht sich deshalb für einen ähnlichen Bann der Haustierfelle in der Europäischen Union stark. "Mit der mangelhaften Deklaration hier wird die Öffentlichkeit zum Narren gehalten", sagt der schottische Konservative. Er fordert, dem Beispiel Amerikas zu folgen: "Das könnte zahlreichen Hunden und Katzen in Korea, in China und auf den Philippinen das Leben retten."

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