Wirtschaft



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10.04.2003
 

Ölkatastrophe am Amazonas

Pipeline-Bruch verseucht Naturschutzgebiete

Der Bruch einer Öl-Pipeline in Ecuador hat die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt Quito gefährdet und zwei besonders empfindliche Naturschutzgebiete verseucht. Kritiker machen eine nahe gelegenes Pipeline-Projekt, das die WestLB finanziert, dafür verantwortlich.

Quito - Etwa 8000 Barrel Erdöl seien in den Fluss Sucus-San gelangt und von dort in die Lagune von Papallacta geflossen, teilten die Behörden mit. Die Lagune sei zu 70 Prozent von einem Ölteppich bedeckt und die Trinkwassergewinnung sei unterbrochen. Die nördlichen Bezirke Quitos würden nun aus einer Notquelle versorgt. Das Öl habe zudem schwere Schäden in der Pflanzen- und Tierwelt der Anden angerichtet, schrieb die Zeitung "El Comercio".

Die nationale Öl-Gesellschaft Petroecuador machte das Baukonsortium der in diesem Bereich parallel verlaufenden neuen Öl-Pipeline OCP für die Havarie verantwortlich. Der Einsatz von schweren Baumaschinen und die Verschiebung der alten Sote-Pipeline um mehrere Meter hätten am Dienstag eine Schweißnaht brechen lassen.

Das OCP-Konsortium, das unter anderem von der Westdeutschen Landesbank finanziert wird, wies die Kritik zurück. Die Bauarbeiten seien in diesem Bereich schon vor einem Jahr beendet worden, berichtete die Zeitung "La Hora" unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher.

Die Sote-Pipeline ist 500 Kilometer lang und verläuft aus den Urwaldgebieten im Osten des Landes über die Anden bis zum Pazifik - eine der artenreichsten Gegenden der Welt. Seit ihrer Inbetriebnahme vor 32 Jahren ist sie schon Dutzende Male gebrochen und hat schwere Umweltschäden verursacht.

Grüne: "Katastrophe, vor der wir immer gewarnt haben"

Umweltverbände und Politiker der Grünen in Deutschland warnen seit langem vor unkalkulierbaren Risiken. "Das ist die Katastrophe, vor der wir immer gewarnt haben", klagt Ute Koczy von den Grünen im Düsseldorfer Landtag nach bekannt werden der Umweltkatastrophe. Jetzt beweise sich, dass die Firmen vor Ort überhaupt nicht auf Unfälle vorbereitet seien.

Reinhard Loske, stellvertretender Vorsitzender der Grünen im Bundestag, fordert eine Überprüfung der Trassenführung durch die WestLB: "Die Bank setzt ihren Ruf und den Ruf des Landes Nordrhein-Westfalens aufs Spiel, wenn sie nach dem Öl-Unfall weitermacht, als sei nichts geschehen." Das mindeste sei, "die Trasse der OCP-Pipeline so zu ändern, dass hochsensible und schützenswerte Gebiete umgangen werden."

Loske fordert die WestLB auf, den Acht-Punkte-Plan des ehemaligen Weltbank-Experten Robert Goodland umzusetzen, der schon vor Wochen eine Veränderung der Trassenführung in dem Gebiet gefordert hat, das jetzt zum Schauplatz der Umweltkatastrophe geworden ist.

Für Loske spielt es im übrigen keine Rolle, ob nun wirklich Baustellenverkehr für die neue Pipeline zum Bruch der Alten geführt hat, entscheidend wäre, das verheerende Ergebnis: "Eine Ölpipeline hat in einem Trinkwassergebiet nichts zu suchen." Die Verteidigungslinie der WestLB, sich immer an die Kriterien der Weltbank zu halten, nennt Loske "einen Witz".

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