Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.05.2003
 

Neues Preissystem

Bahn-Umsatz bricht ein

Nach Plan läuft bei der Deutschen Bahn nichts mehr - zumindest was den Umsatz angeht. Das neue Preissystem hat offenbar auch bei den Passagierzahlen für einen dramatischen Rückgang gesorgt.

Ärger mit Verspätungen: Ein Bahn-Angesteller als Krisenmanager
Zur Großansicht
AP

Ärger mit Verspätungen: Ein Bahn-Angesteller als Krisenmanager

Berlin - In den ersten drei Monaten blieb Europas größter Verkehrskonzern knapp 20 Prozent hinter den eigenen Vorgaben zurück und liegt damit etwa 14 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Wie Aufsichtsratskreise am Dienstag in Berlin bestätigten, wurden im Fernverkehr statt der erhofften 930 Millionen Euro nur 750 Millionen Euro eingenommen. Auch bei den Passagierzahlen musste das bundeseigene Unternehmen herbe Rückgänge verkraften. Mit 27 Millionen Reisenden wurde der Quartalsplan um fast vier Millionen verfehlt.

Die Bahn AG, die seit längerem wegen ihres schwer verständlichen neuen Preissystems und wegen Verspätungen unter Druck steht, wollte sich zu den Zahlen nicht näher äußern. In einer Mitteilung des Unternehmens hieß es nur, man habe schon in den vergangenen Wochen darauf verwiesen, dass auch die Bahn nicht im konjunkturfreien Raum lebe.

Schon in den ersten zwei Monaten war deutlich geworden, dass sich die Fahrgastzahlen nach Einführung des neuen Preissystems Mitte Dezember nicht positiv entwickelt haben. Im Januar und Februar lag der Umsatz im Personenverkehr zwar auf Vorjahresniveau, er blieb aber um sieben Prozent unter Plan. Die Bahn hatte zur Erklärung alle möglichen Gründe aufgeführt: schlechte Konjunktur, zahlreiche technische Pannen neuer ICE-Züge, Preisoffensiven der Billigflieger und witterungsbedingte Ausfällen im vergangenen Winter. Auf das umstrittene Preissystem, das Familien und Frühbuchern Rabatte einräumt, seien die Rückschläge dagegen nicht zurückzuführen, so die offizielle Linie der Bahn.

Deshalb lehnte der Konzern auch die von Verbänden und Politikern seit Monaten geforderten Nachbesserungen des neuen Preissystems ab. Man werde erst nach einem Jahr eine erste Bilanz ziehen und dann mögliche Nachbesserungen angehen. Stattdessen versucht die Bahn mit befristeten Sonderangeboten auf bestimmten Strecken, mehr Reisende anzulocken.

Die Zahlen im ersten Quartal machen im Fernverkehr ein Erreichen der Gesamtzahlen fast unmöglich: Den Planungen vom Dezember zufolge wollte die Bahn in diesem Jahr rund 136 Millionen Fahrgäste im Fernverkehr transportieren. Da die Passagierzahlen für die Quartale in etwa gleich sind, waren die Erwartungen für das erste Quartal mit gut 31 Millionen schon vergleichsweise niedrig angesetzt.

Ähnliches gilt für den Umsatz: Die Bahn wollte ihn in diesem Bereich im Vergleich zu 2002 um gut zwölf Prozent steigern. Auch das Betriebsergebnis im Fernverkehr sollte mit 61 Millionen Euro positiv ausfallen. Jetzt hat die Bahn schon im ersten Quartal ein Minus von 133 Millionen eingefahren.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP