Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



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23.05.2003
 

Terrorschutz

Amerikas virtuelles Wachbataillon

Von Marc Pitzke

Der US-Unternehmer Jay Walker, Gründer von Priceline.com, will ein Millionenheer privater Online-Spitzel für den Krieg gegen den Terror rekrutieren. Die virtuelle Bürgerwehr, deren Aufstellung Walker von Washington mitfinanzieren lassen möchte, soll Atomkraftwerke und Flughäfen überwachen. Nicht nur Datenschützer sind entsetzt.

Nach eigenen Angaben von patriotischer Pflicht beseelt: Jay Walker
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Nach eigenen Angaben von patriotischer Pflicht beseelt: Jay Walker

New York - Die Webseite strahlt in den amerikanischen Flaggenfarben weiß, blau und rot. Am rechten Rand lugt die Freiheitsstatue hervor. "US HomeGuard", steht darunter. "Die Bürgerwehr, die unser Land zu sichern hilft." Interessenten werden gebeten, sich mit Name und Anschrift anzumelden. Jeder, der sich online registriert erhält prompt eine elektronische Antwort: "Vielen Dank. Wir werden Sie bald über unseren Betriebsstand informieren."

Die ebenso karge wie kryptische Homepage mit der Internet-Adresse www.ushomeguard.org eröffnet eine neue Front im Krieg der USA gegen den Terror. Die Webseite soll ein Millionenheer ziviler Bürgerspione rekrutieren, auf dass diese für einen Billiglohn vom Wohnzimmer aus Attentate verhindern und Verdächtige aufspüren.

Ermöglicht würde ihnen das durch ein landesweites, computergestütztes Überwachungsnetz aus Digitalkameras, die ihre Bilder live in die angeschlossenen Privathaushalte beamen - ein virtuelles Wachbataillon fürs 21. Jahrhundert. Die fixe Idee der ferngesteuerten Big Brothers stammt von einem der umtriebigsten Unternehmer und Erfinder der USA: Jay Walker, Gründer des Internet-Schacherdienstes Priceline.com (Flüge, Mietwagen, Hotels) und hauptberuflich Chef einer Patentfirma.

Walkers Besessenheit von dem Terrorschutz begann am 11. September 2001, auf dem Weg zu einem Termin nicht weit vom World Trade Center. Als er die Jets in die Türme jagen sah, stellte er sich gleich die patriotische Frage: "Was kann ich zur nationalen Sicherheit beitragen?" Die Antwort: Online-Nachtwächter.

Terrorschutz als Niedriglohn-Job

Mit solch vaterländischem Pathos jedenfalls illustrierte Walker seinen Einfall kürzlich auf einer Konferenz der Technologie-, Unterhaltungs- und Designbranche im kalifornischen Monterey. Walkers Vortrag war streng vertraulich und "off the record", das Thema schließlich hoch brisant. Zumal der Daniel Düsentrieb des Internets seine Pantoffelhelden-Armee zuerst den obersten Terrorjägern in Washington schmackhaft machen will.

Homeguard-Monitore: Immer auf der Suche nach Verdächtigem
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Homeguard-Monitore: Immer auf der Suche nach Verdächtigem

Und zwar so: Technisches Rückgrat soll ein Netz aus zehn Millionen modernster Webcams sein, ausgerüstet mit Sensoren, Infrarotlinsen, Mikrofonen und Warnlautsprechern. Die digitalen Videokameras will Walker auf 47.000 potenzielle, weiche Terrorziele in den ganzen USA verteilen: Atomkraft- und Elektrizitätswerke, Flughäfen, Wasserspeicher, Stauseen, Gas- und Ölraffinerien.

Die Kameras leiten alle fünf Sekunden eine Momentaufnahme der Anlagen an ein Datenzentrum weiter. Dessen Software kann erkennen, ob sich im Visierkreis etwas Auffälliges bewegt - Eindringlinge, Saboteure, Unbefugte. Wenn der Computer etwas derartiges identifiziert, funkt er via Internet an die Heim-PCs der Laien-Aufpasser weiter. Bestätigen diese "Spotter" (Sichter) den Verdacht nach eigenem Augenschein, aktivieren sie per Knopfdruck das professionelle HomeGuard-Personal, welches seinerseits Polizeibeamte an Ort und Stelle alarmieren kann.

  • 1. Teil: Amerikas virtuelles Wachbataillon
  • 2. Teil

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