Wirtschaft



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10.06.2003
 

Hintergrund Expedia

Begehrte Braut aus Bellevue

Expedia.com, eine Tochter des USA-Interactive-Konzerns, ist inzwischen vor Konkurrenten wie Travelocity und eBookers die größte Internet-Reiseagentur der Welt.

Expedia beschäftigt rund 1700 Mitarbeiter und bietet über Töchter in Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Deutschland neben Einzelbuchungen von Hotels, Flügen und Mietwagen zunehmend auch margenträchtigere Reisepakete an. In den USA bemüht sich das Unternehmen, in den Markt für Geschäftsreisen vorzudringen und fordert dabei etablierte Konzerne wie American Express heraus. Analysten trauen Expedia zu, in wenigen Jahren nach AmEx die Nummer zwei auch dieses Marktes zu werden.

Expedia gilt als eines der profitabelsten Dot.coms und hat allein für das erste Quartal einen Nettogewinn von 26,9 Millionen Dollar ausgewiesen. Die Umsätze stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 71 Prozent auf fast 200 Millionen Dollar. Das Unternehmen profitierte davon, dass nach dem 11. September 2001 und infolge der schwächelnden Konjunktur die Nutzerzahlen deutlich gestiegen sind und konnte sich damit vom Negativtrend der Reisebranche abkoppeln.

Zudem setzte das Unternehmen aus Bellevue, Washington, früher als Konkurrenten wie Travelocity auf ein neues Geschäftsmodell: Expedia erwirbt zum Beispiel große Mengen von Hotelzimmern zu Großhandelspreisen und verkauft sie mit einem deutlichen Aufschlag an Privatkunden weiter. Trotzdem sind die Zimmer für den Kunden meist billiger als wenn er sie direkt beim Hotel gebucht hätte. Dieses "merchant model" ist riskanter, aber potenziell profitabler als das klassische Geschäft von Reiseagenturen, die nur als Mittler fungieren und dafür eine Erfolgskommission erhalten.

Im Frühjahr gab der Gründer und langjährige CEO des Unternehmens, Richard Barton, 35, seinen Rücktritt bekannt und übergab sein Amt an Erik Blachford. Wenig später übernahm USAi, der E-Commerce-Konzern des früheren Hollywood-Moguls Barry Diller, für 3,3 Milliarden Dollar diejenigen Expedia-Aktien, die er nicht bereits besaß. Die Kontrollmehrheit an dem Unternehmen hatte Diller bereits Mitte 2001 für 1,5 Milliarden Dollar vom Software-Konzern Microsoft gekauft, als dessen Tochter Expedia 1995 gegründet worden war. Diller, der auch Unternehmen wie Hotel.com und das Home Shopping Network kontrolliert, fungiert im Expedia-Board als Chairman.

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