London - Der britische Musikkonzern ist das zweite große Unternehmen der Branche, das im Zusammenhang mit der Musiktauschbörse gerichtlich gegen den deutschen Konzern vorgeht. EMI hat die Klage wegen Urheberrechtsverletzung am Mittwochabend in New York eingereicht.
Die Briten werfen Bertelsmann vor, Napster künstlich mit Darlehen in Höhe von 85 Millionen Dollar am Leben gehalten und den Schaden durch illegale File-Downloads damit vergrößert zu haben. Bertelsmann habe "groß angelegte Urheberrechtsverletzungen gefördert", so ein in Los Angeles veröffentlichtes EMI-Statement.
Bereits im Februar hatten kleinere Musikverlage aus den USA eine 17-Milliarden-Dollar-Klage gegen Bertelsmann eingereicht, der sich später auch Vivendi Universal angeschlossen hatte. EMI verlangt von Bertelsmann 150.000 Dollar für jeden nachweisbaren Fall von Copyright-Verletzungen.
EMI hatte mit der Bertelsmann-Musiksparte BMG zu einem früheren Zeitpunkt Gespräche über ein mögliches Verschmelzen beider Firmen geführt, die aber scheiterten. BMG verhandelt derzeit nach Medienberichten mit dem AOL-Ableger Warner Music über eine Fusion oder engere Kooperation.
Eine Bertelsmann-Sprecherin nahm zu der Klage zunächst nicht Stellung. Napster hatte zu seinen Glanzzeiten im Jahr 2000 rund 60 Millionen Nutzer, die gratis Musiktitel über das Internet suchen und austauschen konnten. Die Musikindustrie mit Ausnahme von BMG hatte mit aller Kraft versucht, die Musiktauschbörse zu schließen. Nach mehreren Gerichtsurteilen wurde Napster stillgelegt, musste Insolvenz anmelden und ging schließlich für fünf Millionen Dollar an die Softwarefirma Roxio, die unter dem Namen einen Internet-Musikvertrieb aufbauen will.
Bertelsmann wollte ebenfalls die Bekanntheit der Marke Napster für eine kommerzielle Online-Plattform nutzen. Das Projekt scheiterte jedoch an den Rechtsstreitigkeiten.
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