Wirtschaft



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15.06.2003
 

Gesundheitsreform

Experte plädiert für Konzentration auf die Grundversorgung

Die zukünftige Gestaltung der Gesundheitsversorgung ist nach wie vor heftig umstritten. In einem Punkt aber sind sich die Experten einig: Ohne den Abschied von der Vollkaskomentalität wird sie nicht zu finanzieren sein.

Finanzielle Anreize sind besonders wirksam: Krankenhaus
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MATTHIAS HIEKEL / DPA

Finanzielle Anreize sind besonders wirksam: Krankenhaus

Bielefeld/Hamburg - Als künftiges Modell einer optimalen Gesundheitsvorsorge schwebt dem Bielefelder Gesundheitsforscher Klaus Hurrelmann das Modell der Riester-Rente vor. Der Weg in die Zwei-Klassen-Medizin könne verhindert werden, ist Hurrelmann überzeugt, "wenn gleichzeitig eine Pflicht zur Absicherung der über die Grundversorgung hinausgehenden Zusatzkosten besteht." Inwieweit die beiden Bereiche im Einzelfall voneinander abgegrenzt werden können, darüber sagte der Experte nichts. Er verwies dagegen auf die Selbstverantwortung des Einzelnen: Entscheidendes Kriterium sei bei der getrennten Absicherung von Grund- und Zusatzversorgung die Rückbesinnung des eigenen Verhaltens auf die Gesundheit und damit eine automatisch höhere Bedeutung der Prävention.

"Die Gesundheitsforschung zeigt, dass letztlich nur handfeste Anreize helfen, die Lebensführung umzustellen und schlechte Gewohnheiten abzuschaffen", sagte Hurrelmann. "Finanzielle Anreize sind dabei besonders wirksam."

Als Sparmodell für das Gesundheitssystem könne die höhere Gewichtung von Prävention jedoch mittelfristig nicht dienen, da ein Großteil der heutigen Krankheiten chronisch sei und damit behandlungsbedürftig bleibe. Zudem müsse weiterhin in die Prävention, insbesondere in Krebs-Vorsorgeuntersuchungen investiert werden.

Dringender Handlungsbedarf: Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen
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DER SPIEGEL

Dringender Handlungsbedarf: Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen

Vor diesem Hintergrund lobt Hurrelmann geplante Bonusmodelle der Krankenkassen. Dies sei erstmals ein freiwilliger Schritt in die Prävention, während bislang der Gesetzgeber die Kassen gezwungen habe, Finanzmittel in die Vorbeugung abzuzweigen. Dies habe vielfach zu halbherzigen Präventionsangeboten geführt, um der Pflicht zu genügen, sagte Hurrelmann.

Einen vollkommen anderen Ansatz verfolgt der stellvertretender Vorsitzende der CSU, Horst Seehofer. Er wandte sich strikt gegen die radikalen Ansätze, "die nur die Besserverdienenden entlasten und die sozial Schwachen belasten".

Seehofer regt eine Bürgerversicherung an. "Forderungen nach Privatisierung von Gesundheitsleistungen stellen die Sozialversicherung im Kern in Frage. Bevor das geschieht, plädiere ich für eine Bürgerversicherung. Das würde bedeuten: In Zukunft sollten alle in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen - unabhängig vom Einkommen", sagte Seehofer in der "Bild am Sonntag" Seehofer fügte hinzu: "Es kann nicht angehen, dass sich Besserverdienende, Selbstständige, Beamte und auch Politiker der Solidargemeinschaft entziehen."

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