Osnabrück / Bonn - Zweieinhalb Monate vor der geplanten aber schwierig einzuhaltenden Einführung der Lastwagen-Maut in Deutschland, fordert der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV/Bonn) wegen mangelnder technischer Ausstattung einen Aufschub. "Bei Start der Maut zum 1. September sind nicht einmal 15 Prozent der benötigten eine Million On-Board-Units verfügbar", sagte DSLV-Präsident Manfred Boes im Gespräch mit dpa.
Der Sprecher des Betreiber-Konsortiums Toll Collect, Hans-Christian Maaß, sagte dazu gegenüber manager-magazin.de: "Wir werden zeitlich befristet Callcenter einrichten, bei denen sich die Lkw-Fahrer per Handy registrieren lassen können - das wird sich in ein paar Minuten erledigen lassen."
Daneben gebe es die Variante, sich per Internet registrieren zu lassen. Ein Aufschub der Maut-Einführung sei daher aufgrund des Engpasses bei den On-Board-Units (OBUs) nicht notwendig. Toll Collect werde dafür sorgen, dass bis zum Maut-Start in Deutschland 250.000 Erfassungsgeräte installiert werden könnten.
Stundenlanges Schlangestehen vor Eingabe-Automaten
Im Vorjahr habe sich Toll Collect in Gesprächen mit der Bundesregierung noch auf lediglich 150.000 Geräte verständigt, das Viertelmillion-Angebot sei aber garantiert, so Maaß weiter. In 1500 deutschen und 300 weiteren europäischen Werkstätten sei die Installation möglich.
Bis zum Jahresende werde Toll Collect weitere 250.000 On-Board-Units produzieren, so dass dann "die erforderliche Grundversorgung auch ohne Callcenter-Angebot" gegeben sei. Bei den Nutzungsmargen orientiere sich TollCollect an einem Lkw-Bestand mit zulässigem Gesamtgewicht über 12 Tonnen von 1,2 bis 1,4 Millionen Fahrzeugen in Zentraleuropa.
Auf das Funktionieren der Callcenter, bei denen Lkw-Fahrer auf die Schnelle ihre Fahrten registrieren können, scheint DSLV-Präsident Boes nicht zu bauen: "Wenn an einem Sonntagabend um 22.00 Uhr in Hamburg 10.000 Lkw auf die Autobahn wollen und nur ein Bruchteil von denen die Board-Units hat, müssen die anderen stundenlang an den Eingabe-Automaten Schlange stehen", beklagte der Osnabrücker Spediteur.
12 Euro für hundert Kilometer Fahrt
Auf allen deutschen Autobahnen sollen die Lkw vom Stichtag an Maut zahlen - je Kilometer im Durchschnitt 12,4 Cent.
Das von Toll Collect um die Telekom-Sparte T-Systems Telekom
(45 Prozent), DaimlerChrysler Services
(45 Prozent) und den französischen französischen Autobahnbetreiber Cofiroute (10 Prozent) entwickelte System
der Board-Units basiert auf der Kombination aus Mobilfunk und dem
satellitengestützten Global Positioning System (GPS).
Das Gerät steuert die satellitengestützte Ortung des Fahrzeugs und damit die automatische Berechnung der Maut. "Eine Umstellung von GPS auf den geplanten neuen Standard Gallileo ist mit unseren Geräten problemlos möglich", sagt Toll Collect-Sprecher Maaß.
Damit nahm der Sprecher Stellung zur Kritik seitens der EU-Wettbewerbsaufsicht. Die hatte vor einigen Wochen Bedenken sowohl bezüglich der Zukunftssicherheit (Ortungsnetz) als auch eines Know-How-Monopols bei Toll Collect geäußert. Bei der geplanten Ausdehnung der elektronischen Maut-Erfassung in weitere (vorerst) europäische Länder, könnten Wettbewerber durch hohe Lizenzzahlungen an die deutschen Entwickler abgeschreckt werden.
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