Von Tom Hillenbrand
Wer Smart fährt, grenzt sich ab von den lauten, schweren Blechkisten, mit denen der retardierte Rest der Menschheit durch die Gegend fährt. Das gilt für den Roadster mehr noch als für das Normalmodell, denn der Sportwagen ist nicht nur hip, er ist auch noch schnell und teuer.
Deshalb hat DaimlerChrysler für den Roadster sogar ein eigenes Acht-Punkte-Manifest ersonnen. Darin stehen philosophische Leitsätze wie "Geschwindigkeit wird am Puls gemessen" oder "Fahrspaß hat nichts mit PS zu tun".
Logische Folge dieses elitären Anspruchs: Um am Smart-Erlebnis teilhaben zu dürfen, muss der Kunde auf einiges verzichten. Zum einen auf die in der gebeutelten Autoindustrie üblichen Preisnachlässe. Während andere beim Neuwagenkauf um ein paar Prozent nachgeben, gelten Smart-Händler als unerschütterlich: Wer nicht den vollen Preis zahlen will, soll doch zum Blechhöker gehen.
Zum anderen muss der Smart-Aspirant sein aufrichtiges Interesse dokumentieren, indem er gegenüber DaimlerChrysler
eine ungewöhnlich große Zahl an privaten Daten preis- und zur vielseitigen Verwendung freigibt.
Autokauf als moralisches Dilemma
Wer einen Roadster-Info-Prospekt möchte, muss auf der Smart-Website nicht nur Adresse, Email und Geburtsdatum eintragen. Weitere erwünschte Angaben sind der momentan verwendete Wagen, der Zweitwagen und der angestrebte Zeitpunkt des Roadster-Kaufs. Außerdem soll der Aspirant erklären, wie sehr und warum er sich für den Roadster erwärmt hat. Ferner will Smart wissen, ob der Kunde sich ausreichend mit dem Manifest identifiziert - misst er Geschwindigkeit am Puls oder an der PS-Zahl? Genießt er Umwege oder will er nur schnöde von A nach B kommen? Ist er ein Regelfetischist oder lässt er auch mal Fünfe gerade sein?
All diese Fragen zu beantworten dauert natürlich ein paar Minuten. Aber auch dies entspricht ganz der Roadster-Philosophie. Nicht umsonst heißt es in Punkt Sechs des Manifests: "Der kürzeste Weg ist unmoralisch".
Wer alles brav ausfüllt, muss seine ehrliche Absicht zum Schluss mit einer Einverständniserklärung dokumentieren. Wer auf "Ja" klickt, gewährt DaimlerChrysler und allen seinen Vertriebspartnern das Recht, die gewonnenen Daten für "Betreuung, Information, Dienstleistungen und sonstige Aktivitäten" zu verwenden. Was genau das alles beinhaltet, war bei Smart auf Anfrage nicht zu erfahren.
Hart, aber unfair
Helke Heidemann-Peuser vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hält solch weit gefasste Einverständniserklärungen für äußerst problematisch. Derzeit sei der VZBV dabei, Unternehmen abzumahnen, deren Websites durch Blankoformulierungen die geltenden Datenschutzbestimmungen aushebelten. "Das hier wäre so ein Fall, den wir beanstanden könnten", so Heidemann-Peuser.
... dann ist der Smart-Smiley ganz traurig.
Das ist nur konsequent. Denn schließlich heißt es in Punkt Sieben des Roadster-Manifests: "Wer innovativ ist, kennt keine Kompromisse."
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