Von Lutz Reiche und Kai Lange
Frankfurt am Main - Die deutsche Versicherungswirtschaft hat bei ihrer Krisensitzung am Mittwoch keinen Durchbruch für eine Rettung der Mannheimer AG Holding erzielt. "Es gab noch keine Lösung, die Gespräche sind vertagt worden", hieß es zunächst am Mittwochabend aus Kreisen eines Treffens des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Frankfurt.
Beben in der Branche: Scheitert die Mannheimer-Sanierung, steht auch die Zukunft der Auffanggesellschaft "Protektor" auf dem Spiel
Die im SDax notierten Aktien der Mannheimer AG
sind am Mittwochabend bis Handelsende vom Handel ausgesetzt worden. Die Mannheimer AG Holding war durch riskante Aktiengeschäfte in eine Liquiditätskrise geraten und braucht eine Kapitalspritze von rund 370 Millionen Euro.
Finanzierung des Protektors wackelt
Damit könnte die Mannheimer der erste Fall für den "Protektor" werden. Doch selbst eine Rettung durch diese Auffanggesellschaft für in Not geratene Lebensversicherer ist fraglich. "Mit einem Scheitern der Mannheimer steht auch der Protektor selbst auf dem Spiel", sagte Dr. Marco Metzler, Analyst bei Fitch-Ratings, im Gespräch mit manager-magazin.de. Der Protektor sei derzeit "noch gar nicht arbeitsfähig" und nicht in der Lage, die Mannheimer aufzufangen: Selbst der nötige Eintrag im Berliner Handelsregister fehle. Überdies sei die Finanzierung der Auffanggesellschaft noch nicht gesichert.
Erst 70 bis 75 Prozent der beteiligten Lebensversicherer hätten Branchenkreisen zu Folge bislang eine so genannte "Nachschussverpflichtung" unterschrieben, die der Finanzierung des Protektors dient. Mit der Mannheimer habe man das Ziel verfolgt, diese Quote auf 90 bis 95 Prozent zu heben. Das sei nicht gelungen. Daher bestehe nun die Gefahr, dass sich einige der Beteiligten wieder aus der Vereinbarung zurückziehen.
Noch kein Netz für gescheiterte Lebensversicherer
Das bedeutet, derzeit gebe es für gescheiterte Lebensversicherer in Deutschland noch kein sicheres Netz, das sie auffängt, gab Metzler zu verstehen. Seiner Einschätzung nach werde jetzt die Finanzaufsicht (BaFin) wohl in Kürze einen Sonderbeauftragten einsetzen, der einen eigenen Sanierungsplan entwickeln müsse. Damit habe die Mannheimer zumindest erst einmal Zeit gewonnen.
Doch was wird passieren, falls der "Protektor" nicht in der vorgestellten Art und Weise eingesetzt wird? "Erste Gesellschaften stehen kurz vor der Pleite, diese können ohne Protektor in einem Insolvenzverfahren abgewickelt werden", sagte der Analyst von Fitch-Ratings weiter. Den Insolvenzfall habe indes das Aufsichtsamt feststellen.
Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Situation bei der Mannheimer forderte Metzler: "Die Versicherungsbranche muss aktiv und fair mit den Kunden und Vermittlern kommunizieren und nicht versuchen, Probleme zu vertuschen." Darunter leide das Image der Lebens- und Rentenversicherung, die mit den vorhandenen Kapital- und Verzinsungsgarantien noch immer eines der attraktivsten Produkte zur Altersvorsorge und zum Vermögensaufbau sei. Wichtig sei vor allem die Transparenz der Finanzstärke, wofür Ratingagenturen wie Fitch-Ratings einen entscheidenden Beitrag leisteten.
Mannheimer wartet noch auf Antwort der BaFin
Die Versicherungswirtschaft will eine Insolvenz der Mannheimer zwar unbedingt abwenden, um einen Imageschaden für die gesamte Branche zu vermeiden. Zudem wartet die Mannheimer noch immer auf eine Antwort der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf ihr eigenes Sanierungskonzept, wie ein Mannheimer-Sprecher am Mittwoch bestätigte. Für den Mannheimer Konzern sei alleine die Antwort der BaFin auf das Konzept entscheidend. Die BaFin selbst wollte sich am Mittwoch nicht zum Stand der Prüfung äußern.
Versicherungen: Der selbstverschuldete Absturz
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