Berlin - Diese Nachricht kann Hartmut Mehdorn nun wirklich nicht gebrauchen: Die Umsatzeinbußen im DB-Personenfernverkehr sind nach übereinstimmenden Meldungen verschiedener Nachrichtenagenturen und Zeitungen noch größer als angenommen. Bis Ende Mai soll das Segment einen Betriebsverlust von minus 231 Millionen Euro eingefahren haben. Der Umsatz in der Sparte habe um 165 Millionen unter dem Vorjahr und um 262 Millionen unter dem Plan gelegen.
Am Mittwoch will Mehdorn dem Aufsichtsrat Maßnahmen vorstellen, die den Kundenschwund vor allem im Fernverkehr stoppen sollen. Auf einer anschließenden Pressekonferenz wollen Mehdorn und sein neuer Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch die Vorschläge zum neuen Preissystem der Öffentlichkeit vorstellen.
Alter Rabatt, höherer Preis
Einen SPIEGEL-Bericht über eine Wiedereinführung der alten BahnCard mit einem Rabatt von 50 Prozent wollte ein Unternehmenssprecher am Montag offiziell weder bestätigen noch dementieren und verwies auf die geplante Pressekonferenz. Auch der Verkehrsclub Deutschland geht davon aus, dass die Neuauflage der alten BahnCard unmittelbar bevorsteht.
Mehdorn hatte mit Hemjo Klein kürzlich einen der Väter der alten BahnCard als Berater in Sachen Preissystem verpflichtet. Die neue-alte BahnCard wird vermutlich deutlich teurer: In der zweiten Klasse soll sie statt 140 Euro nun 200 Euro kosten, in der ersten Klasse 400 Euro statt 280 Euro.
Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Bahn-Aufsichtsratsmitglied Norbert Hansen, sagte zu den geplanten Änderungen am Preissystem: "Ich weiß, dass einige unserer Vorschläge eingeflossen sind." Die Wiedereinführung der alten BahnCard gehört zu den Forderungen der Gewerkschaft. Zur Preishöhe wollte sich Hansen nicht näher äußern. "Das ist Sache des Unternehmens, das zu kalkulieren." Es müsse aber ein Preis sein, der sich durch die zu erwartende Ermäßigung rechnet.
Neue Probleme mit der Püntklichkeit
Hansen erhöhte unterdessen den Druck auf Mehdorn und setzte ihm eine Frist. "Bei der Aufsichtsratssitzung im Dezember möchten wir wissen, ob die Korrekturen am Preissystem geholfen haben", sagte er. Die Planziele für die Folgejahre müssten wieder als realistisch gelten. Im Gegensatz zur Bahn selbst, die die konjunkturelle Lage dafür verantwortlich macht, führen Hansen und andere Kritiker den Fahrgastschwund auch auf die Ablehnung des Preissystems durch die Kunden zurück.
Transnet verlangte eine umfassende Ausweitung der Serviceleistungen der Bahn. Zum Konzept gehören laut Hansen unter anderem die Wiedereinführung des Interregio-Angebotes als "City-Sprinter", der mittelgroße Städte im Stundentakt verbinden soll, und die Anpassung der Intercity- und der ICE-Züge an die Bedürfnisse der Kunden. Hansen forderte darüber hinaus einen "ehrlichen Fahrplan", um die Bahn wieder pünktlicher zu machen. Zurzeit betrügen die Pünktlichkeitsraten nur "knapp 80 Prozent".
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