Von Dominik Baur
Nach den Vorwürfen hat der 34-Jährige Grasser jetzt auf sein umstrittenes Rückkehrrecht zu dem früheren Arbeitgeber verzichtet. "Aber was heißt das schon", fragt Pelinka. "Wenn der Stronach ihn wieder haben will, dann bekommt er halt ohne Rückkehrrecht seinen Job zurück." Grassers früherer Gönner, der Kärtner Rechtspopulist Jörg Haider, rechnet schon mit einem Rücktritt, die Opposition fordert ihn. Dass es dazu kommt, hält Pelinka für unwahrscheinlich, da Bundeskanzler Wolfgang Schüssel fest zu seinem Minister hält. Aber keinesfalls werde Grasser unbeschädigt aus der Affäre kommen. Der "Chefideologe des Feschismus", wie ihn das Wiener Stadtmagazin "Falter" schon mal verspottet hat, ist sein Strahlemann-Image endgültig los.
Frank Stronach ficht das alles nicht an. Über seine Verstrickungen mit der Politik spricht der Unternehmer nicht gern. Ein Problem sieht er aber offenbar nicht darin. "Es war schon immer so, dass der die Regeln aufstellt, der das Geld hat", wird Stronach gerne zitiert. Lieber spricht der Magnat jedoch über seine philosophischen Grundsätze, über den hohen Wert der Freiheit jedes Einzelnen, darüber, dass kein Kind hungrig zur Schule gehen soll und viel mehr Sport an der Schule unterrichtet werden sollte, denn der fördere das Konkurrenzgefühl.
"Magna Charta" statt Betriebsrat
Die Stronach'sche Erfolgsgeschichte beginnt 1954 in Weiz, einem kleinen Nest in der Steiermark. Mit 200 Dollar in der Tasche, so will es die Legende, macht sich der gelernte Werkzeugmacher Franz Strohsack auf den Weg nach Kanada. Der amerikanische Traum nimmt seinen Lauf. Eine Zeitlang - klassischer geht es nicht mehr - will Stronach, wie er sich inzwischen nennt, sogar Teller gewaschen haben. In Toronto gründet er in einer Garage seine erste kleine Werkzeugmacherei, drei Jahre später bekommt der Handwerker einen Auftrag von General Motors, wenig später ist er ein gemachter Mann. Schließlich beherrscht er den Magna-Konzern, einen der größten Autozulieferer der Welt.
1989 kehrt Stronach zurück in die Steiermark und gründet eine Niederlassung in seiner Heimatstadt Weiz, knapp zehn Jahre später kauft er den Steyr-Daimler-Puch-Konzern. Inzwischen beschäftigt die Magna Steyr, unter deren Dach alle österreichischen Standorte zusammengefasst sind, 11.000 Mitarbeiter. 1,5 Milliarden Euro will Stronach nach eigenen Angaben bislang in Österreich investiert haben.
Das Auftreten Stronachs ist hemdsärmelig. Pelinka bezeichnet ihn als "globalisierten Unternehmer mit quasi-proletarischem Auftreten". Über sein Firmen-Imperium herrscht Stronach wie ein gütiger Monarch - so zumindest dürfte er das sehen. Die Firmengrundsätze sind in der "Magna Charta" festgeschrieben, die für alle 67.000 Mitarbeiter weltweit gilt. Die Mitarbeiter werden am Gewinn beteiligt, aber nicht an den Entscheidungen. Gewerkschaftsbeiträge bezeichnete Stronach schon mal als "Schutzgeldzahlungen an die Mafia", von Betriebsräten hält er gar nichts. Bei ihm gibt es nur "Vertrauensleute".
Ein Fußballverein als Hobby
Seit einigen Jahren hat sich Stronach auch einen anderen Traum erfüllt: Er kaufte sich - AC-Milan-Boss Silvio Berlusconi lässt grüßen - einen Fußballverein: Austria Wien. 20 bis 35 Millionen Euro soll er schon in den Club gesteckt haben. Als Trainer verpflichtete Stronach international bekannte Namen wie die früheren Bundesliga-Trainer Christoph Daum und neuerdings Joachim Löw. Aus Dankbarkeit für sein finanzstarkes Fußball-Engagement wählte man Stronach auch gleich zum Präsidenten der Bundesliga. Deren neuer Geschäftsführer: Peter Westenthaler, ehemals Fraktionsobmann der Freiheitlichen im österreichischen Parlament.
Und Stronach hat noch viele Träume zu verwirklichen. Im nächsten Frühjahr will der Besitzer des größten Rennstalls der Welt (1500 Pferde) im niederösterreichischen Ebreichsdorf den ersten Pferdsportpark in Europa in Betrieb nehmen. 600 Boxen und drei Rennbahnen soll der Park bekommen.
Für einen richtigen "Alpen-Berlusconi" fehlen Stronach nach Meinung Pelinkas nur noch zwei Elemente: Stronach müsste sich auch in der österreichischen Medienszene engagieren, und er müsste höchstpersönlich in die Politik gehen - nicht nur via Mittelsmänner. "Ich kann mir vorstellen, dass ihn das reizt", sagt der Politologe, auch wenn er skeptisch sei, dass Stronach bei den Wählern wirklich Erfolg haben würde. Einmal schon hatte "Fränk" den Gang in die Politik geprobt - als Kandidat der Liberal Party in der kanadischen Provinz Ontario. Damals vermochte der Unternehmer es nicht, die Wähler für sich einzunehmen. Trotz seines Wahlslogans: "Let's Be Frank!"
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