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Ungleichheit in den USA Land der begrenzten Möglichkeiten

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil, wie PR-Strategen der Bush-Regierung versuchen, die Steuerreform als Segnung für die Armen zu verkaufen

 Schlechte Karten: Arbeitslose bei der Jobsuche in New York (Oktober 2001)
AP

Schlechte Karten: Arbeitslose bei der Jobsuche in New York (Oktober 2001)

Doch auch dieses Argument ist nicht mehr hieb- und stichfest. Ökonomen des Economic Policy Institutes haben die Einkommensverteilung der US-Staaten untersucht und nicht nur einen Anstieg der Ungleichheit in den wachstumsstarken 80er und 90er Jahren festgestellt. In fünf Bundesstaaten - darunter New York und Kalifornien sind die Armen tatsächlich ärmer geworden. So musste das untere Fünftel der Haushalte in New York real auf durchschnittlich 800 Dollar pro Jahr verzichten, während das reichste Fünftel im Schnitt 56.800 Dollar mehr aufs Konto bekam als noch vor 20 Jahren.

Dennoch wiederholt US-Präsident Bush gebetsmühlenartig die schöne Geschichte vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten, schließlich ist Wahlkampf. Und Bushs Helfer tun sehr viel dafür, die Politik ihres Meisters in gutem Licht erscheinen zu lassen. Als es bei einer anderen Veranstaltung um das Steuerpaket der Bush-Regierung ging, sollte beispielsweise nicht der Eindruck entstehen, die Entlastungen kämen nur den Reichen zugute. Kurzerhand wurden die Zuhörer in den ersten Reihen gebeten, ihre Krawatten auszuziehen und damit - zumindest visuell - etwas bedürftiger zu erscheinen.

Nach Ansicht von "Slate"-Kommentator Russ Baker hat die Bush-Regierung "erfolgreich alle Beweise unterschlagen, manipuliert oder zurückgehalten", die Zweifel am Erfolg der amerikanischen Wirtschaftspolitik aufkommen lassen könnten. Dies gilt laut Baker vor allem für Daten und Studien, die sich mit der wirtschaftlichen Situation der ärmeren US-Bevölkerung beschäftigen. So habe das US-Arbeitsministerium beispielsweise eine Datenreihe von ihrer Website genommen, aus der bisher die Wertentwicklung der Minimallöhne in den USA abzulesen war. Dieser minimal zulässige Stundenlohn wurden seit 1997 nicht mehr angehoben und liegt immer noch bei 5,15 Dollar.

Armut in Washington: Ein Obdachloser am Aufgang zum Weißen Haus
AFP

Armut in Washington: Ein Obdachloser am Aufgang zum Weißen Haus

Etwa sieben Millionen Amerikaner müssen sich mit dieser oder einer etwas höheren Bezahlung zufrieden geben und landen deshalb auch mit einer 40-Stunden-Woche deutlich unter der Armutsgrenze. Ein Beispiel ist der 20-jährige Collin Houghton, der im Bundestaat New York lebt. Er arbeitet rund 13 Stunden pro Tag auf zwei Jobs. Bei McDonald's kommt er auf 6,25 Dollar pro Stunde, im Friendly's Restaurant zahlen sie ihm 6,50 Dollar. Auf das College gehen kann er nicht, denn er muss den größten Teil seines Verdienstes den Eltern geben, die selbst kein Einkommen haben.

Noch schlechter geht es Gina Daniels, die in Palm Beach lebt. Die alleinerziehende Mutter dreier Kinder beliefert drei Wal-Mart-Stores mit Photo-Material und bekommt dafür rund 1.226 Dollar im Monat. Ihre monatlichen Fixkosten liegen allerdings bei 1.305 Dollar. Nach Ansicht von Partick Slatterly, Direktor der Hilfsorganisation House of Hope, ist dies nicht verwunderlich: "Wer nur den Minimallohn verdient, kann maximal 154 Dollar Miete im Monat bezahlten. Im Schnitt kostet hier ein Ein-Zimmer-Appartement aber 485 Dollar." Wie blanker Hohn muss es solchen Niedrigstverdienern erscheinen, wenn Präsident Bush in nahezu jeder Wahlkampf-Rede davon spricht, dass seine Regierung mit seinem Steuerprogramm "hart arbeitenden Familien Geld zurückgibt".

Präsident Bush und seine Wahkampf-Manager haben dennoch gute Chancen, die Wähler mit ihrer Mär vom amerikanischen Traum hinter sich zu versammeln. Viele Amerikaner flüchten sich nämlich gerne in ein etwas irrationales Bild der eigenen ökonomischen Realität. Bei einer Umfrage des "Time Magazine" gaben beispielsweise rund 19 Prozent der Befragten an, zum reichsten Prozent der Amerikaner gehören, weitere 20 Prozent erwarteten, in naher Zukunft dort zu landen.

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