Wirtschaft



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24.07.2003
 

Dominoeffekt

Falk-Skandal treibt Hornblower in die Insolvenz

Die Ermittlungen gegen den Stadtplan- und Internetmillionär Alexander Falk haben nun auch gravierende Folgen für das Brokerhaus Hornblower Fischer. Weil Gelder des Mehrheitsaktionärs Falk gesperrt sind, stürzen die Frankfurter in die Insolvenz.

Skandalunternehmer und Hornblower-Hauptaktionär Falk: Zehn Quadratmeter im Untersuchungsgefängnis
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AP

Skandalunternehmer und Hornblower-Hauptaktionär Falk: Zehn Quadratmeter im Untersuchungsgefängnis



Frankfurt am Main - Hornblower hat den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei der Finanzaufsicht BaFin gestellt. Zugleich beantragte der Finanzdienstleister, seine Banklizenz ruhen zu lassen. Das Management will die Insolvenz in Eigenverwaltung abwickeln und in der Zwischenzeit nach neuen Investoren suchen. Sie sollen die Anteile des Hamburger Verlagserben (Falk-Pläne) und früheren Internet-Entrepreneurs Alexander Falk übernehmen. Seine Holding ist seit Anfang 2002 mit gut 75 Prozent Mehrheitsaktionär bei Hornblower.

Das Brokerhaus gerät damit in den Strudel der Ermittlungen gegen den Millionär, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt. Ihm wird vorgeworfen, er habe mit anderen vor drei Jahren die Bilanz seiner Firma Ision Internet AG mit Scheingeschäften manipuliert. Damit könnte aus Sicht der Hamburger Staatsanwaltschaft der Strafttatbestand des mutmaßlichen Betrugs und der Kursmanipulation erfüllt sein. Falk hat Ision an den Energis-Konzern in London weiterverkauft, einige Monate später meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Verdacht der Geldwäsche

Hornblower Fischer ist von den Ermittlungen zwar nicht direkt betroffen. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft Gelder blockiert, auf die das Brokerhaus angewiesen ist. Dabei handelt es sich nach Angaben des Hornblower-Vorstands Rüdiger Kimpel um rund zwei Millionen Euro. Die Justiz vermute, dass die Gelder "aus den Herrn Falk vorgeworfenen Straftaten resultieren", so Kimpel - damit wäre der Verdacht der Geldwäsche gegeben. Falk hat sein Amt als Vorsitzender des Hornblower-Aufsichtsrates nach Beginn der Ermittlungen aufgegeben.

Hornblower machte bereits 2001, vor Falks Einstieg, einen Verlust von 25 Millionen Euro. Falk begann dann, die Bank umzubauen. So sollte eine Spezialbank mit Nischenprodukten wie Derivaten entstehen, fast drei Viertel der Stellen fielen weg. Doch Ende 2002 war das Eigenkapital nach Aussage eines Vorstandes nahezu aufgezehrt. Falk gab eine Kapitalspritze und rettete das Finanzhaus damit vorübergehend. Zuletzt wollte er sich in den Besitz fast aller verbliebenen Hornblower-Anteile bringen und die freien Aktionäre abfinden. Die aber haben Anfechtungsklagen eingereicht.

Zehn Quadratmeter Hamburg

Der 34-jährige Falk hatte den Stadtplan-Verlag seines Vaters 1995 für umgerechnet rund 25 Millionen Euro an den Medienkonzern Bertelsmann verkauft und mit diesem Startkapital drei Jahre später Ision übernommen - ein Unternehmen, das zu seinen besten Zeiten rund 96 Millionen Euro Umsatz meldete, aber nie einen Cent Gewinn abwarf. Inzwischen wurde das Unternehmen liquidiert. Die Ermittler vermuten, dass die Umsatzzahlen manipuliert gewesen sein könnten. Falk hat sich nie zu den Vorwürfen geäußert.

Dem Jungunternehmer gelang es, Ision auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie erfolgreich an die Börse zu bringen. Energis zahlte die heute unglaublich erscheinende Summe von 812 Millionen Euro. Falk, der seit Pfingsten in einer Zehn-Quadratmeter-Zelle in Hamburg sitzt, kann nicht mit baldiger Entlassung rechnen - die Justiz vermutet, dass Fluchtgefahr besteht.

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